VW-Abgas-Skandal Krisensitzung des Aufsichtsrats am Mittwoch

Volkswagen drohen im Abgas-Skandal Milliardenklagen. Der US-Chef von Volkswagen, Michael Horn, wird vorgeladen. Ab Montag gilt in der Schweiz vorläufig das angekündigte Zulassungsverbot. Die Nachrichten im Überblick.

Diese Zulieferer sind besonders abhängig von Volkswagen
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+++VW richtet Info-Website ein+++

Wie bereits Audi hat inzwischen auch Volkswagen auf seiner Website ein Info-Tool eingerichtet, über das die Kunden selbst prüfen können, ob an ihrem Fahrzeug "das Abgasverhalten nachgebessert werden muss". Das Tool soll laut einer Mitteilung der Marke VW auch weltweit in die nationalen Internetauftritte integriert. "Nach wie vor gilt die bereits mehrfach getroffene Aussage: Volkswagen informiert alle betroffenen Kunden aktiv", heißt es in der Mitteilung. "Auch vor einer möglichen Nachbesserung des Abgasverhaltens sind alle Fahrzeuge technisch sicher und fahrbereit."

+++IG Metall zweifelt an Pötsch+++

In der IG Metall gibt es weiterhin starke Bedenken, den bisherigen Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch zum Aufsichtsratschef bei Volkswagen zu machen. Man brauche nach dem Abgas-Skandal ein klares Zeichen, dass das Kontrollgremium unabhängig und ohne Vorbelastung seinen Aufgaben nachgehen könne, war in Kreisen der bei VW einflussreichen Gewerkschaft zu hören. Von daher wolle man sich für eine „weitergehende Neuorientierung“ einsetzen. Auch im Interesse der Arbeitnehmer müsse alles getan werden, um Vertrauen zurückzugewinnen.

+++US-Umweltbehörde will auch Fahrzeuge von BMW prüfen+++

Nach dem Abgas-Skandal bei Volkswagen will die amerikanische Umweltbehörde EPA auch Fahrzeuge des Herstellers BMW unter die Lupe nehmen. Entsprechende Pläne der EPA seien dem Unternehmen bekannt, sagte ein BMW-Sprecher und bestätigte damit entsprechende Informationen der „Financial Times“. „Wir unterstützten das im Sinne von Transparenz und Erhalt von Vertrauen“, sagte der Sprecher. „Nachdem wir uns immer an Vorschriften und Regeln gehalten haben, gehen wir davon aus, dass uns keine negativen Überraschungen erwarten.“

Der VW-Konzernvorstand

+++Autolobby bittet um Milde+++

Die europäischen Autobauer haben angesichts des Skandals um manipulierte Diesel-Abgaswerte bei Volkswagen vor einer Überreaktion der Politik gewarnt. "Wir sollten Maßnahmen vermeiden, die die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche untergraben", erklärte der Präsident des europäischen Autoverbandes ACEA, Renault-Chef Carlos Ghosn, in einem Reuters vorliegenden Brief an den EU-Industrieministerrat. Schließlich stehe die Autoindustrie für gut zwölf Millionen Arbeitsplätze in Europa. Auch BMW-Chef Harald Krüger warnte davor, den Technologiestandort Deutschland und seine Schlüsselindustrie infrage zu stellen. "Ein Generalverdacht ist fehl am Platz", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Verbraucherschützer forderten dagegen, die Angaben der Hersteller zu Abgas- und Verbrauchswerten besser zu regulieren und zu kontrollieren.

Die neue VW-Konzernstruktur

+++Schaefflers Börsengang verzögert sich+++

Der VW-Abgas-Skandal bringt den Börsengang des Auto- und Industriezulieferers Schaeffler aus dem Takt. Die neuen Schaeffler-Aktien sollen anders als geplant nicht schon am 5. Oktober an der Börse gehandelt werden können, sondern etwas später. Das Vorhaben selbst stehe aber nicht in Frage, unterstrich das Unternehmen in einer Mitteilung. Wann die Wertpapiere des Wälzlagerherstellers an den Aktienmarkt kämen, sei nur eine „Frage von Tagen“, hieß es in gut informierten Kreisen.

Stimmen zum Abgas-Skandal bei VW

+++US-Behörde überprüft auch Motoren anderer Marken+++

Die US-Umweltbehörde weitet einem Medienbericht zufolge die Überprüfung von Dieselmotoren auf andere Marken aus. Neben Volkswagen untersuche die Behörde EPA mindestens 28 dieselbetriebene Modelle von Herstellern wie BMW, Chrysler, General Motors, Land Rover und Mercedes Benz, berichtete die "Financial Times" am Freitag unter Berufung auf ein EPA-Dokument. Ziel sei es, herauszufinden, ob neben Volkswagen auch andere Autobauer Manipulationstechnik genutzt hätten. Eine Stellungnahme des Amtes war zunächst nicht zu erhalten.

+++VW-Aufsichtsrat kommt Mittwoch zur Krisensitzung zusammen+++

Am kommenden Mittwoch wird der vollständige Aufsichtsrat in Wolfsburg zu einer Krisensitzung zusammentreten. Das erfuhr die Deutsche-Presse-Agentur aus dem Umfeld des Aufsichtsrats. Das 20-köpfige Gremium wird auf dem Werksgelände erneut über die weitere Entwicklung in der Abgas-Affäre sprechen.

Seit Bekanntwerden der Manipulationen an weltweit rund elf Millionen Dieselfahrzeugen ist das Kontrollgremium von Europas größten Autokonzern sowie das ihm vorgeschaltete Präsidium bereits mehrfach zu Beratungen zusammengekommen. Einen Tag vor der Aufsichtsratssitzung soll es am Dienstag auf dem Werksgelände zudem auch eine Betriebsversammlung für die VW-Mitarbeiter geben.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

+++Schweiz verhängt ab Montag vorläufiges Zulassungsverbot+++

Nach dem Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen verbietet die Schweiz vorläufig die Zulassung davon betroffener Fahrzeuge. Eine entsprechende Weisung des Bundesamts für Straßen (Astra) gelte ab Montag für Diesel-Wagen, die erstmals in der Schweiz zugelassen werden sollen, wie die Behörde am Freitag mitteilte. Damit soll verhindert werden, dass von den Abgasmanipulationen betroffenen Neu- und Gebrauchtwagen des VW-Konzerns auf die Schweizer Straßen kommen.

+++Audi richtet spezielle Website ein+++

Audi hat als erste der VW-Konzernmarken eine Website eingerichtet, über die sich die Kunden schnell darüber informieren können, ob ihr Auto "infolge von Unregelmäßigkeiten mit der verwendeten Software betroffen ist". Dazu müssen die Audi-Kunden die Fahrgestellnummer ihres Autos eingeben. Vorerst wird der Service nur in Deutschland angeboten, im Laufe der kommenden Woche soll die Funktion laut einem Unternehmenssprecher auch weltweit über die nationalen Audi-Websites zur Verfügung gestellt werden. Alternativ könne der Kunde ab sofort über jeden Audi-Händler oder die nationale Kundenbetreuung in Erfahrung bringen, ob sein Auto betroffen sei. Die notwendigen technischen Lösungen, die bei dem angekündigten Rückruf nachgerüstet werden sollen, werden parallel erarbeitet und den zuständigen Behörden im Oktober vorgestellt.

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