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VW-Abgas-Skandal So haben VW-Manager ihren Betrug vertuscht

Mit dem Vergleich ist der Skandal für die Firma VW fast abgeschlossen. Doch für einige Manager fängt es jetzt richtig an: Die US-Justiz hat detailliert aufgelistet, wie sie die Behörden in die Irre geführt haben sollen.

VW-Manager wie Heinz-Jakob Neußer haben den Betrug offenbar über Jahre vertuscht. Quelle: imago

Dieselgate, das als bislang größter Skandal der Autobranche weltweit in die Geschichte eingeht, sei das Werk einiger weniger Ingenieure gewesen. An dieser Darstellung hält der Konzern bis heute fest. Der Betrug, der Volkswagen mehr als 20 Milliarden Dollar alleine in den USA kosten wird, ist das eine – die jahrelange Vertuschung eine andere.

Der Ursprung des Betrugs selbst gilt inzwischen als gesichert: Als der Vorstand beschloss, den US-Markt mit einem sparsamen Dieselmotor zu erobern, standen die Techniker vor einem großen Problem. Sie konnten die strengen Stickoxid-Vorschriften nicht einhalten, ohne dass die Kosten explodierten.

Unter der Aufsicht zweier leitender Ingenieure, die ebenfalls von der Strafanzeige in den USA betroffen sind, entwickelten die Mitarbeiter die Schummelsoftware, also jenes „Defeat Device“, das dem Motor EA189 verhalf, auf dem Prüfstand die Grenzwerte einzuhalten, auf der Straße aber nicht.

Zwei Ingenieure und ihr Team, hier trägt die These von der kleinen Gruppe an Verantwortlichen noch.

Die Entwicklung und der Einbau der manipulierenden Abgas-Software, die Zertifizierung der betroffenen Autos in den USA und letztlich deren Verkauf sind durch den aktuellen Vergleich in Höhe von 4,3 Milliarden Dollar mit dem US-Justizministerium weitestgehend abgegolten. Nicht aber die persönliche Verantwortung, die einige Ingenieure und Manager in den Folgejahren wegen der Vertuschung des Betrugs zu tragen haben.

Wie ernst es die US-Justiz bei der Aufklärung der Vertuschung meint, ist spätestens seit Donnerstagabend klar: Da gaben die US-Behörden bekannt, dem am vergangenen Wochenende in Florida festgenommenen Oliver Schmidt nicht auf Kaution freizulassen. Ihm drohen bis zu 169 Jahre Freiheitsstrafe – und das, obwohl Schmidt erst seit 2012 (also Jahre nach dem ursprünglichen Betrug) VW-intern mit dem Fall befasst war. Aber laut der gegen ihn und fünf weitere Manager erhobenen Strafanzeige spielte Schmidt eine entscheidende Rolle bei der Geheimhaltung der Software.

FBI nimmt deutschen Manager fest

Doch der Reihe nach: Aus der 39-seitigen Strafanzeige und der „Darstellung der Fakten“, die das Justizministerium auf Basis der Ermittlungen des Ministeriums, des FBI und der VW-internen Ermittler der Kanzlei Jones Day veröffentlicht hat, lässt sich in der frühen Entwicklungsphase des EA189 und während des Verkaufs der ersten Generation des Motors von 2007 bis 2011 keine Verwicklung hoher Manager oder gar Vorstände nachweisen.

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