VW-Abgas-Skandal +++Volkswagen drohen 2015 Verluste+++

VW will ein neues Vorstandsressort für Recht schaffen, das Gesetzesverstöße künftig verhindern soll. Im Zuge des verschärften Sparkurses kommen jetzt erste Projekte auf den Prüfstand. Die Ereignisse im Überblick.

Das neue Who is Who im VW-Konzern
Stefan Knirsch Quelle: Audi
Hinrich Woebcken Quelle: dpa
Neuer Generalbevollmächtigter für die Aggregate-Entwicklung: Ulrich EichhornVolkswagen hat einen neuen Koordinator für die Aggregate-Entwicklung auf Konzernebene. Der WirtschaftsWoche bestätigte Ulrich Eichhorn, dass er im Frühjahr zu VW zurückkehrt. Der 54-Jährige kommt vom Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA), wo er die Verantwortung für die Bereiche Technik und Umwelt inne hatte. Zuvor war Eichhorn neun Jahre lang Entwicklungsvorstand bei der VW-Tochter Bentley. Eichhorn wird nicht Mitglied des Vorstands, sondern berichtet als Generalbevollmächtigter direkt an VW-Chef Matthias Müller – ähnlich wie der neue Chef-Stratege Thomas Sedran. Quelle: Presse
Der neue Generalbevollmächtigte für Außen- und Regierungsbeziehungen: Thomas StegEs ist kein Wechsel der Funktion, sondern der Zuordnung: Thomas Steg ist seit 2012 Generalbevollmächtigter des Volkswagen-Konzerns für Außen- und Regierungsbeziehungen. Bislang war dieser Bereich Bestandteil der Konzernkommunikation. Jetzt ist das Team um Steg als eigenständiger Bereich in das Ressort von VW-Chef Matthias Müller zugeordnet, an den Steg persönlich berichtet. Der diplomierte Sozialwissenschaftler wird zusätzlich das Thema Nachhaltigkeit verantworten. „Mit der Bündelung der Konzernzuständigkeiten und der neuen Zuordnung des Themas Nachhaltigkeit trägt Volkswagen dessen wachsendem Gewicht Rechnung“, teilte der Konzern mit. Steg begann seine berufliche Laufbahn 1986 als Redakteur der Braunschweiger Zeitung. Danach war er Pressesprecher zunächst des DGB Niedersachsen/Bremen, ab 1991 des Niedersächsischen Sozialministeriums und ab 1995 der SPD-Landtagsfraktion Niedersachsen. 1998 übernahm er im Bundeskanzleramt die stellvertretende Leitung des Büros von Bundeskanzler Gerhard Schröder, ab 2002 war er stellvertretender Regierungssprecher, ab 2009 selbstständiger Kommunikationsberater. Quelle: Presse
Der neue VW-Entwicklungsvorstand: Frank WelschKurz nach dem Bekanntwerden von Dieselgate wurde der Entwicklungsvorstand der Marke VW, Heinz-Jakob Neußer, beurlaubt. Bei der Aufsichtsratssitzung am 9. Dezember ernannte das Kontrollgremium Frank Welsch zu seinem Nachfolger. Der promovierte Maschinenbau-Ingenieur ist seit 1994 im Konzern. Über verschiedene Stationen in der Karosserie-Entwicklung, als Entwicklungsleiter in Shanghai und Leiter der Entwicklung Karosserie, Ausstattung und Sicherheit der Marke Volkswagen arbeitete er sich zum Entwicklungsvorstand von Skoda hoch. Diesen Posten hatte Welsch seit 2012 inne.Sein Vorgänger Neußer verlässt den Konzern allerdings nicht, sondern steht laut VW-Mitteilung
Der neue VW-Beschaffungsvorstand: Ralf BrandstätterRalf Brandstätter wird Vorstand für Beschaffung der Marke Volkswagen. Der 47-Jährige folgt in seiner neuen Funktion auf Francisco Javier Garcia Sanz, der die Aufgabe als Markenvorstand in Personalunion zusätzlich zu seiner Funktion als Konzernvorstand für den Geschäftsbereich Beschaffung wahrgenommen hatte. In Zukunft wird Garcia Sanz zusätzlich zu seinen Aufgaben als Konzernvorstand Beschaffung die Aufarbeitung der Diesel-Thematik betreuen. Brandstätter kam 1993 in den Konzern. Seit dem ist der Wirtschaftsingenieur in verschiedensten Posten für die Beschaffung verantwortlich gewesen, zuletzt als Leiter Beschaffung neue Produktanläufe. Zwischenzeitlich war er auch Mitglied des Seat-Vorstands. Seit Oktober 2015 ist Brandstätter auch Generalbevollmächtigter der Volkswagen AG. Brandstätter berichtet wie der ebenfalls neu berufene Entwicklungschef Frank Welsch direkt an VW-Markenvorstand Herbert Diess. Quelle: Volkswagen
Neuer VW-Personalvorstand: Karlheinz BlessingMitten in der größten Krise der Konzerngeschichte bekommt Volkswagen mit dem Stahlmanager Karlheinz Blessing einen neuen Personalvorstand. Der Aufsichtsrat stimmte am 9. Dezember bei seiner Sitzung dem Vorschlag der Arbeitnehmerseite für den vakanten Spitzenposten bei Europas größtem Autobauer zu. Blessing folgt damit auf den bisherigen Personalvorstand Horst Neumann, dieser war Ende November in den Ruhestand gegangen. Der Ernennung war eine lange Suche nach einem geeigneten Kandidaten vorausgegangen. Blessing (58) ist seit 2011 Vorstandsvorsitzender der Stahlherstellers Dillinger Hütte. Zuvor war er Büroleiter des damaligen IG Metall-Vorsitzenden Franz Steinkühler und Anfang der 1990er Jahre Bundesgeschäftsführer der SPD. 1993 ersetzte er als Arbeitsdirektor bei der Dillinger Hütte Peter Hartz, der damals zu VW nach Wolfsburg ging. Blessing sei gut in der IG Metall vernetzt, habe aber auch unternehmerische Erfahrung, hieß es in den Konzernkreisen. Quelle: dpa

+++Insider: VW drohen wegen Abgas-Krise Verluste+++

Die Marke VW wird Insidern zufolge wegen der hohen Kosten für den Abgasskandal in diesem Jahr wahrscheinlich rote Zahlen schreiben. "Das wird so kommen, weil VW die Hauptlast im Konzern trägt", sagte eine mit der Situation in dem Wolfsburger Konzern vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Ein anderer Insider verwies auf die Rückstellungen von 6,5 Milliarden Euro, die Volkswagen für das dritte Quartal für Rückrufe wegen manipulierter Abgaswerte angekündigt hatte.

Davon dürfte ein Großteil bei der Hauptmarke VW verbucht werden, sagte die Person. Von weltweit insgesamt elf Millionen Fahrzeugen mit einer Manipulationssoftware entfallen fünf Millionen auf die Kernmarke VW. Auch der "Spiegel" berichtete vorab darüber. VW äußerte sich nicht dazu.

+++KBA-Massentest im VW-Abgasskandal dauert noch Wochen+++

Die Prüfungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) im Zusammenhang mit der VW-Abgas-Affäre werden Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt zufolge noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Behörde prüfe derzeit sehr viele Diesel-Autos von allen in Deutschland vertretenen Volumenherstellern darauf hin, ob es wie bei VW-Modellen die Manipulation von Abgaswerten gibt. "Wir gehen davon aus, dass es einige Wochen dauert, bis ein Abschlussbericht über alle Fahrzeuge, die vom KBA gerade getestet werden, veröffentlicht werden kann", sagte Dobrindt am Freitag nach einer Konferenz mit den Landesverkehrsministern in Worms. Zugleich hat das KBA über den VW-Plan zu entscheiden, die mit der Betrugssoftware ausgestatteten 2,8 Millionen Fahrzeuge in Deutschland in Ordnung zu bringen. Hier sei mit einer "zeitnahen" Entscheidung der Behörde in Flensburg zu rechnen, ergänzte Dobrindt.

Was bei der Rückruf-Aktion auf VW-Besitzer zukommen könnte

Die von Dobrindt eingesetzte Untersuchungskommission zum Betrug bei Volkswagen wird am Dienstag erneut in die Konzernzentrale nach Wolfsburg zu Gesprächen reisen. Auch nach dem ausführlichen Antrag von VW zur geplanten Rückrufaktion gibt es Dobrindt zufolge noch Fragen zur notwendigen Änderung an den Motoren mit 1,6-Litern Hubraum. Doch zeige der Antrag von VW, dass der Konzern die Austauschaktion bewältigen könne. "Wir in der Untersuchungskommission haben den Eindruck gewonnen, dass Volkswagen in der Lage ist, die Probleme zu beheben", sagte der Bundesverkehrsminister.


+++Porsche steigert Auto-Verkäufe im September um knapp ein Drittel +++

Nach der Sommerpause haben die Verkäufe des Sport- und Geländewagenbauers Porsche wieder angezogen. Im September lieferte die Stuttgarter VW-Tochter weltweit 20.475 Autos an Kunden aus, wie Porsche am Freitag mitteilte. Das ist ein Plus von 29 Prozent im Vergleich zu Vorjahresmonat. Den größten Zuwachs verbuchte Porsche in Europa, wo der Hersteller um 51 Prozent zulegte. In den USA, China und Deutschland erhöhten sich die Auslieferungen jeweils um etwa ein Viertel.

+++VW-Betriebsratschef Osterloh fordert E-Phaeton für Werk in Dresden+++

Bei VW kommen nach dem angekündigten verschärften Sparkurs des neuen Konzernchefs Matthias Müller wegen des Abgas-Skandals nun erste konkrete Projekte auf den Prüfstand. Nach Ansicht von Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh muss dabei etwa über die Zukunft der unter Absatzproblemen leidenden VW-Luxuslimousine Phaeton gesprochen werden. „Also wenn schon Phaeton, dann als Elektro-Fahrzeug mit 800 Volt, 15 Minuten Ladezeit und mit 500 Kilometer Reichweite“, sagte Osterloh am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Osterloh hatte bereits bei der VW-Betriebsversammlung am Dienstag in Wolfsburg den Phaeton in der bisherigen Ausführung infrage gestellt. Darüber hatten bereits verschiedene Medien berichtet.

+++Fällige VW-Anleihe beschert Konzern "kostenlose" Kapitalerhöhung+++

Bei der Volkswagen AG wird im kommenden Monat eine 3,7 Milliarden Euro schwere Anleihe fällig. Doch die Struktur der Papiere wird für den krisengeschüttelten Autohersteller wohl keine neuen finanziellen Kopfschmerzen bringen. Die Anleihen mit Laufzeit bis 9. November werden nämlich in VW-Aktien und nicht in bar zurückgezahlt, weil sie in Aktien gewandelt werden müssen. Angesichts des starken Aktienkurseinbruchs nach dem Abgasskandal werden die Investoren womöglich Titel erhalten, die weniger wert sind als das, was die Anleihen einst gekostet haben.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

Die Rückzahlung in Aktien anstelle von Barmitteln dürfte für Volkswagen ein Segen sein. Denn das Unternehmen steht womöglich vor Milliarden Euro an Rechtskosten, nachdem es zugegeben hatte, bei den Abgaswerten für rund 11 Millionen seiner Diesel-Fahrzeuge geschummelt zu haben.

+++Rätselraten um Kurssprung der VW-Stammaktien+++

Ein 15-prozentiger Kurssprung der Stammaktien von Volkswagen hat am Freitag für Aufsehen gesorgt. Dabei wechselten am Vormittag bereits mehr als drei Mal so viele Papiere den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag. Sie kosteten zeitweise 133,75 Euro. Offenbar deckten sich einige Anleger, die auf weitere Kursverluste wegen der Abgas-Affäre gesetzt hatten, wieder mit VW-Titeln ein, um ihre Verluste zu begrenzen, sagte ein Börsianer. Ein anderer verwies auf ein Gerücht, dem zufolge Großaktionär Porsche Holding seine Beteiligung aufstockt. Bei der Porsche Holding war dazu am Freitag kein Kommentar zu erhalten.

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