VW-Abgas-Skandal VW-Ingenieure gestehen Einbau von Manipulations-Software

VW steht im Abgas-Skandal vor einem Milliardenschaden. Laut Zeitungsberichten gestanden jetzt VW-Ingenieure, die Manipulations-Software bewusst eingebaut zu haben. Die Nachrichten im Überblick.

Diese Zulieferer sind besonders abhängig von Volkswagen
ThyssenKrupp Quelle: dpa
LEoni Quelle: dpa
Rheinmetall Quelle: dpa
ZF Friedrichshafen Quelle: dpa
Continental Quelle: dpa
US-Zulieferer Delphi Automotive Quelle: dpa Picture-Alliance
Elring-Klinger Quelle: dpa

+++VW-Ingenieure gestehen Einbau von Manipulations-Software +++

Im VW-Abgas-Skandal liegen einem Zeitungsbericht zufolge erste Geständnisse vor. Wie die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf die interne Revision des Autobauers berichtete, sollen mehrere VW-Ingenieure bei Befragungen ausgesagt haben, sie hätten 2008 die Manipulations-Software installiert.

„Wir kommentieren diese Berichte nicht“, sagte ein VW-Sprecher dazu am Sonntag. Das Unternehmen treibe die Aufklärung der Geschehnisse voran. „Sobald wir belastbare Ergebnisse haben, werden wir darüber informieren.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte den Konzern zu einer raschen Aufklärung des Skandals um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen auf.

„Ich hoffe, dass VW jetzt schnell die notwendige Transparenz herstellt und die Dinge aufarbeitet“, sagte Merkel dem Deutschlandfunk in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview. Die vor gut zwei Wochen bekanntgewordene Affäre um manipulierte Abgas-Tests bei Dieselfahrzeugen sei „natürlich ein einschneidendes Ereignis, das nicht gut ist“, sagte die Kanzlerin. Zugleich betonte sie: „Ich glaube aber, dass die Reputation der deutschen Wirtschaft, das Vertrauen in die deutsche Wirtschaft damit nicht so erschüttert ist, dass wir nicht weiter als ein guter Wirtschaftsstandort gelten.“

Diese Zulieferer sind besonders abhängig von Volkswagen
ThyssenKrupp Quelle: dpa
LEoni Quelle: dpa
Rheinmetall Quelle: dpa
ZF Friedrichshafen Quelle: dpa
Continental Quelle: dpa
US-Zulieferer Delphi Automotive Quelle: dpa Picture-Alliance
Elring-Klinger Quelle: dpa

Laut „Bild am Sonntag“ (BamS) befand sich der Dieselmotor EA 189, an dem bei VW seit 2005 gearbeitet worden war, kurz vor der Serienreife. Es sei aber keine Lösung gefunden worden, wie sowohl die Abgasnormen als auch die Kostenvorgaben für den Motor eingehalten werden konnten. Daher sei die Entscheidung gefallen, die Manipulations-Software zu verwenden, hätten die Ingenieure gegenüber der internen Revision zu Protokoll gegeben. Unklar sei aber weiterhin, wer die Anweisung für die Installation der Manipulations-Software gab.

Wie das Blatt weiter berichtet, sei für die Manipulation der Abgaswerte auch eine Software des Zulieferers Continental verwendet worden und zwar für die kleinere 1.6-Liter-Variante. Conti-Sprecher Felix Gress sagte der Zeitung: „Wir hatten keine Hinweise auf einen Missbrauch unserer Technik. Die uns von uns gelieferte Software konnte keine Abgaswerte manipulieren.“ Bei VW wollte man sich auch zu dieser Frage nicht äußern.

In der VW-Belegschaft wachsen unterdessen die Sorgen. „Natürlich gibt es Ängste, wie sich die Situation weiterentwickelt“, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh der „BamS“. „Es gibt aber auch Wut über die, die uns das eingebrockt haben. Wir lassen nicht zu, dass die Kollegen die Zeche zahlen.“

+++Merkel fordert rasche Aufarbeitung von VW-Skandal+++

Im VW-Abgas-Skandal hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Autobauer zu einer raschen Klärung aufgefordert. „Ich hoffe, dass VW jetzt schnell die notwendige Transparenz herstellt und die Dinge aufarbeitet“, sagte Merkel dem Deutschlandfunk in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview. Die vor gut zwei Wochen bekanntgewordene Affäre um manipulierte Abgas-Tests bei Dieselfahrzeugen sei „natürlich ein einschneidendes Ereignis, das nicht gut ist“, sagte die Kanzlerin. Zugleich betonte sie: „Ich glaube aber, dass die Reputation der deutschen Wirtschaft, das Vertrauen in die deutsche Wirtschaft damit nicht so erschüttert ist, dass wir nicht weiter als ein guter Wirtschaftsstandort gelten.“

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

+++EU-Parlamentschef Schulz greift VW wegen Abgas-Skandal an+++

Im Abgas-Skandal bei Volkswagen hat EU-Parlamentspräsident Martin Schulz den Autobauer mit scharfen Worten attackiert. „Das war ein Anschlag auf den Standort Deutschland, auf viele tausend Kunden und Arbeitnehmer“, sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). „Es ist kaum zu fassen, was da mit Fahrlässigkeit und möglicherweise sogar krimineller Energie gemacht wurde.“ Schulz forderte die rasche Einführung neuer Prüfverfahren, die Kontrollen müssten schärfer werden. Zugleich unterstrich Schulz, VW sei „ein starker Konzern (...), der alle Chancen hat, die Krise zu überstehen“.

Der EU-Parlamentschef forderte, die Schuldigen rasch juristisch zur Rechenschaft zu ziehen. „Ob Volkswagen, ob Deutschland verlorenes Vertrauen zurückgewinnt, entscheidet sich auch bei der Aufarbeitung des Skandals.“ Zudem betonte Schulz: „Unabhängig von der strafrechtlichen Beurteilung sieht das Aktien- und Gesellschaftsrecht grundsätzlich eine Managerhaftung mit Privatvermögen vor.“ Mögliche Abfindungs- oder Bonusforderungen von VW-Managern seien „völlig unverständlich“.

+++Designierter Aufsichtsratschef sieht VW in Existenz bedroht +++

Der designierte VW -Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sieht den Autobauer einem Medienbericht zufolge wegen des Abgasskandals in einer äußerst prekären Lage. Pötsch habe bei einer internen Veranstaltung in Wolfsburg von einer "existenzbedrohenden Krise für den Konzern" gesprochen, berichtete die Zeitung "Welt am Sonntag" vorab. Demnach sei er aber sicher, das "kriegen wir hin", wenn alle mitzögen. Dem Bericht zufolge steht auch das geplante Investitionsbudget von mehr als 100 Milliarden Euro bis 2018 auf dem Prüfstand. Da sei viel Luft zum Sparen, zitierte die Zeitung einen Insider. Auch im Sommer 2014 gestartete Effizienzprogramme sollten noch mal verschärft werden. VW lehnte eine Stellungnahme ab.

Volkswagen hat zugegeben, die Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen mit einer Software manipuliert zu haben. Nach Konzernangaben sind weltweit bis zu elf Millionen Fahrzeuge betroffen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%