VW-Abgasaffäre Das Institut, das VW auffliegen ließ

Es war ein Forschungsteam der West Virginia University, das dabei half, den Abgas-Test-Skandal bei VW aufzudecken. Schon in der Vergangenheit kam die Einrichtung Tricksereien rund um Emissionswerte auf die Schliche.

Eine Felge eines VW-Autos mit dem Volkswagen-Logo Quelle: dpa

Probleme beim Abgas-Ausstoß von Autos aufzudecken, ist für das Center for Alternative Fuels, Engines and Emissions der West Virginia University nicht neu. Die US-Forschungseinrichtung, die bei der Aufdeckung des Abgas-Test-Skandals bei Volkswagen half, war vor knapp zwei Jahrzehnten eine andere Emissionsuntersuchung mit ähnlichen Ergebnissen involviert.

So entdeckte das Center im Oktober 1998, dass mehr als 1,1 Millionen Lastwagen, deren Dieselmotoren Abgas-Inspektionen in der Fabrik bestanden hatten, für eine deutlich stärkere Verpestung verantwortlich waren als erlaubt. Grund dafür seien Geräte gewesen, die dazu entworfen waren, Emissionskontrollen zu bestehen, erklärte der Interimsdirektor der Forschungseinheit, Dan Carder.

Das Justizministerium gab die Erkenntnisse in dem Fall öffentlich bekannt. Anschließend stimmten mehrere Hersteller einem Vergleich in Höhe von einer Milliarde Dollar (rund 895 Millionen Euro) zu.

Stimmen zum Abgas-Skandal bei VW

Im VW-Fall wurde das Forschungsteam des West Virginia University vom International Council on Clean Transportation, angeheuert - einer Nonprofit-Organisation, die sich für Schadstoffbekämpfung einsetzt. Das Team sollte die Emissionen bei drei Autos messen: einem VW Jetta Baujahr 2012, einem VW Passat Baujahr 2013 und einem BMW X5 SUV. Der BMW bestand die Prüfung, doch wurden bei den VW-Fahrzeugen erheblich höhere Ausstöße festgestellt, wie aus Angaben der US-Umweltbehörde EPA hervorgeht.

Die Universität und der Council meldeten ihren Fund im Mai 2014 der EPA und dem California Air Resources Board (CARB), der Emissionsschutzbehörde des US-Staates. VW führte das Dilemma aber auf technische Probleme und unerwartete Umstände zurück. Der Autobauer startete Ende letzten Jahres sogar eine Rückrufaktion, doch eine deutliche Verbesserung blieb aus, wie die EPA erklärte.

Erst als EPA und CARB sich weigerten, VWs 2016-Dieselmodellen für den Verkauf freizugeben, räumte das deutsche Unternehmen ein, verdeckte Software in Millionen seiner Fahrzeuge weltweit installiert zu haben.

Mit dieser Praxis konnte VW den Erkenntnissen zufolge sieben Jahre lang ungestraft agieren, bis sich die Verfechter von „clean transportation“ - sauberem Transport - an die West Virginia University wandten. Dort werden Emissionen unter Verwendung von Ausrüstung untersucht, die in die Kofferräume von Autos passt. Statt die Untersuchungen im US-Staat West Virginia auszuführen, nahmen die Forscher ihr Zubehör an die Westküste der USA, wo nicht lange nach Dieselwagen gesucht werden musste.

In der Testeinrichtung von CARB hätten die Fahrzeuge wie erwartet funktioniert, erzählte Carder. Erst als die Autos auf die offene Straße genommen wurden, habe man „die Diskrepanzen in ihrer Leistung“ gesehen.

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Zu den anderen Arbeiten der Nonprofit-Einrichtung Center for Alternative Fuels, Engines and Emissions zählt Emissionsforschung bei Sattelschlepper-Flotten für Privatfirmen und bei militärischen Kampfwagen für einen Rüstungskonzern.

Der Forschungseinrichtung gehören sieben Hochschullehrer an, fünf in Vollzeit angestellte Ingenieure, fünf Techniker sowie mehr als 30 Doktoranden und Studenten im Aufbaustudium. Es wird nicht vom Staat oder der Universität unterstützt und ist auf Verträge mit außenstehenden Behörden und Unternehmen angewiesen - normalerweise zwischen drei und vier Millionen Dollar jährlich, wie Carder sagte.

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