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VW-Abgasaffäre Volkswagen hat Warnungen wohl ignoriert

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Kontrollbehörde setzt VW ein Ultimatum

Das KBA setzt den Wolfsburgern bei der Aufklärung des Falls das Messer auf die Brust: "Das Kraftfahrtbundesamt hat VW aufgefordert, einen verbindlichen Maßnahmen- und Zeitplan vorzulegen, aus dem ersichtlich wird, bis wann eine technische Lösung der betreffenden Fahrzeuge umgesetzt werden kann", sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Die Frist laufe bis zum 7. Oktober. Falls VW nicht reagiere, werde die Behörde den Autos die "Typengenehmigung" entziehen, schrieb die "Bild am Sonntag". Damit dürften die Fahrzeuge nicht mehr verkauft und bewegt werden.

Ein VW-Sprecher betonte, das Unternehmen stehe in Kontakt mit dem KBA. "Es ist unser Ziel in der nächsten Woche einen groben Zeitplan zu haben zu den betreffenden Punkten." Es sei im ureigenen Interesse von VW, die Sache so schnell wie möglich zu klären. Die Gespräche fänden auf höchster Ebene statt. In Italien bat der VW-Landeschef Massimo Nordio laut Zeitung "Corriera della Sera" Händler bereits, Autos des Konzerns mit bestimmten Motoren nicht mehr zu vertreiben.

Der neue VW-Chef Matthias Müller steht vor einer Herkulesaufgabe. Er muss Europas größten Autobauer aus der Krise führen und für Glaubwürdigkeit sorgen - bei Kunden und Investoren, in der Politik und bei den rund 600.000 Mitarbeitern. "Unser Unternehmen steht vor nie dagewesenen Herausforderungen", schrieb er laut "Handelsblatt" gemeinsam mit Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh am Freitagabend an die Belegschaft. "Wir klären jetzt schonungslos auf." Die Vorgänge dürften sich keinesfalls wiederholen. VW müsse nun bei der internen Aufsicht und der Unternehmensführung neue Maßstäbe in der Branche setzen.

Die Affäre hatte vergangene Woche dem langjährigen Firmenchef Martin Winterkorn das Amt gekostet. Auf VW kommen Milliardenlasten zu, die Aktie hat innerhalb weniger Tage massiv an Wert verloren. Dennoch pocht Winterkorn laut "Bild am Sonntag" auf die Auszahlung seines noch bis Ende 2016 laufenden Vertrags. Im Aufsichtsrat gebe es allerdings Widerstände gegen die Forderung. Der Manager verdiente im vergangenen Jahr 15,9 Millionen Euro und war damit Spitzenreiter unter den Chefs der 30 Dax-Unternehmen.

Zentrale Personalentscheidungen bei VW

In der Politik und Wirtschaft geht derweil die Angst um, dass durch den Abgas-Skandal deutsche Produkte in Verruf geraten. Wenn ein Weltkonzern wie VW sich so eklatant über Umweltregeln hinwegsetze, dann werfe dies einen Schatten auf die Versprechen deutscher Unternehmen, sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) dem "Handelsblatt". Altmaier betonte im "Tagesspiegel am Sonntag", VW sei für das Image der hiesigen Wirtschaft mitverantwortlich. Es sei im "deutschen Interesse, dass die Vorgänge bei Volkswagen aufgeklärt und die notwendigen Konsequenzen gezogen werden".

Auto



Bei Aktienanlegern war zuletzt die Sorge aufgekommen, auch andere Autobauer könnten bei Abgas-Tests geschummelt haben. Daimler -Chef Dieter Zetsche sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", sein Unternehmen halte sich an die gesetzlichen Vorgaben. "Wir haben keinerlei Manipulationen an unseren Fahrzeugen vorgenommen." Auf die Frage, ob alle Hersteller Betrüger seien, sagte er: "Klare Antwort: Nein!"

Das sieht auch die Mehrheit der Deutschen so. Einer Umfrage des Instituts Emnid für die "Bild am Sonntag" zufolge haben 44 Prozent der Befragten "großes Vertrauen", elf Prozent sogar "sehr großes Vertrauen" in die technischen Angaben der Hersteller.

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