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VW-Abgasaffäre "Wir haben Mist gebaut"

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Mehrfacher Schaden für VW

Zwar sind die US-Autokunden einiges gewohnt, General Motors und Zulieferer Takata mussten nach Problemen mit Zündschlössern und Airbags etwa 26 beziehungsweise fast 34 Millionen Autos in den USA zurückrufen; doch die Konzerne konnten stets auf technisches Versagen plädieren. „Volkswagen aber – so ist jedenfalls der aktuelle Kenntnisstand – hat bewusst und massiv getäuscht“, so Tobias.

Volkswagen gibt sich reumütig. „Wir waren unehrlich und haben unsere Kunden enttäuscht“, gab Amerika-Chef Horn am Abend zu - wohlwissend, das durchschaubare Dementis seine Lag nur verschlimmern und potentielle Strafen in die Höhe treiben dürften. Es gelte nun, die Autos umzurüsten und sich zu entschuldigen: bei den Kunden, aber auch bei den Mitarbeitern und den Vertragshändlern sowie den Behörden. „Wir werden zahlen, was wir zahlen müssen“, versprach Horn volle Kooperation mit der US-Umweltbehörde EPA. Der Applaus der Mitarbeiter und Gäste blieb verhalten – zu groß sind Unzufriedenheit und Verunsicherung

Vermintes Gelände – Volkswagen und die USA

Der Skandal um die manipulierten Abgastests trifft den VW-Konzern auf dem nach China weltgrößten Automarkt zur Unzeit. Denn Nordamerika ist für die Kernmarke der Wolfsburger eine chronisch schwächelnde Region mit enttäuschenden Absatzzahlen - dabei wollte sich Volkswagen vor allem dort nun stärker ins Zeug legen.

Der Grund für die Probleme liegt zum Teil in der Modellpolitik: Der Zwölf-Marken-Konzern hatte etwa der Nachfrage nach leichten offenen Kleintransportern, den Pick-ups, lange nichts entgegenzusetzen und fuhr bislang vielen Konkurrenten hinterher. Da dieses Segment zudem oft auf Dieselmotoren setzt, trifft eine mögliche Vertrauenskrise bei diesem Antrieb das Unternehmen gleich doppelt schwer.

Wachstumssorgen in den USA

Im Zeitraum von Januar bis August 2015 lag die VW-Pkw-Sparte in den USA mit 238 100 verkauften Personenwagen bisher 2,8 Prozent unter dem Vorjahreswert. Konzernweit kamen die Wolfsburger allerdings auf 405.400 Fahrzeuge – ein Plus von 2,7 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Für das gesamte Jahr 2014 lag der US-Absatz bei 599.734 Stück. Bis 2018 erhofft sich der Konzern einen Absatz von bis zu 800.000 Fahrzeugen.

Unklar ist, ob das überhaupt noch gelingen kann. Vom Abgas-Skandal betroffen sind die Modelle Jetta, Beetle, Passat, Golf und Audi A3, die zwischen 2009 und 2015 in den USA verkauft wurden – deren Verkauf in den USA wurde vorerst gestoppt. Die Umweltschutzbehörde EPA schließt nicht aus, bei den Ermittlungen auf weitere Manipulationen zu stoßen.


Auch außerhalb der Vereinigten Staaten sorgt der Skandal für Wirbel. Umweltschützer stellen den Diesel als zeitgemäßen Kraftstoff in Frage und die Autobauer als Betrüger unter Generalverdacht. Die grüne Fraktionschefin im Europaparlament, Rebecca Harms, hielt dem VW-Konzern „handfesten Betrug und Umweltkriminalität“ vor und forderte die EU-Kommission zur Klärung der Frage auf, ob auch in der EU derartige Testverfahren manipuliert werden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland forderte die Überprüfung sämtlicher Diesel-Modelle neuerer Bauart auf dem VW-Heimatmarkt.

In Südkorea kündigte das Umweltministerium am Dienstag an, den Schadstoffausstoß von Diesel-Fahrzeugen der Marken VW und Audi zu untersuchen.

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"Die Kollateralschäden des Betrugs werden Volkswagen auf Jahre begleiten. Die Reputation ist nachhaltig beschädigt und die Vertrauenswürdigkeit ist mehr als angekratzt", glaubt der Unternehmensethiker und Strategieforscher Nick Lin-Hi von der Universität Mannheim.

Um den Vertrauensverlust wieder gut zu machen, wird sich der Konzern einiges einfallen lassen müssen. Bislang bleibt es bei Plattitüden. Volkswagen stehe für Innovation, Qualität und Verantwortungsbewusstsein – im sozialen wie ökologischen Sinne, sagte Horn am Montag. „Diesem Versprechen müssen wir gerecht werden“, sprach der VW-Manager und verließ nach ein paar Sätzen zum neuen VW-Passat die Bühne.

Der Rest des Abends in Brooklyn gehörte Lenny Kravitz; die VW-Offiziellen vermieden es, sich unters Volk zu mischen, das zu „Fly away“ und „Are yo gonna go my way“ tanzte – und mit teurem Alkohol die VW-Sorgen herunterspülte.

Mit Material von dpa

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