VW-Abgasskandal US-Händlerverband kritisiert Volkswagen

Mit dem Abgas-Skandal hat Volkswagen in den USA viel Vertrauen verspielt – bei den Kunden, aber auch den eigenen Händlern. Letztere gehen jetzt mit dem Autobauer hart ins Gericht – und sind dennoch optimistisch.

Premiere des 2016er US-Passats im September: Viele Änderungen kamen zu spät. Quelle: REUTERS

Die US-amerikanischen Volkswagen-Händler haben den Autobauer und dessen Modellauswahl scharf kritisiert. "Die Modelle waren veraltet und auch noch überteuert für den amerikanischen Markt", sagte der Chef des VW-Händlerverbandes, Alan Brown, der Zeitung "Die Welt". Der zweitgrößte europäische Hersteller habe es seit Jahren nicht verstanden, die richtigen Autos für den wichtigen US-Markt zu bauen.

Mit einem neuen, speziell für den US-Markt entwickelten Midsize-SUV will Volkswagen in den kommenden Jahren den Marktanteil in den USA von derzeit rund zwei Prozent ausbauen. Mit der Einführung des letzten reinrassigen US-Modells im Jahr 2011, dem US-Passat, konnte VW den Marktanteil auf drei Prozent steigern – da wichtige Updates und andere neue Modelle aber ausblieben, sank der Marktanteil wieder und stagniert inzwischen auf dem Niveau von 2009. Ob das neue SUV mitten im Dieselgate die erhoffte Abhilfe schaffen kann, ist noch unklar. "Deswegen trifft uns der Skandal nun besonders hart", so Brown.

Vermintes Gelände – Volkswagen und die USA

Seit Bekanntwerden der Affäre hätten die US-Händler aber nur einen leichten Umsatzrückgang verzeichnet, sagte Brown. Hauptsorge der US-Kunden sei, "wie sich ein Umbau der Wagen auf die PS-Leistung auswirken wird". So gebe es VW-Fahrer, die eine Umrüstung ihres Fahrzeugs grundsätzlich ablehnten. Die Reaktion auf den Skandal sei regional sehr unterschiedlich. Brown selbst ist Chef zweier Autohäuser in Texas, wo es den meisten seiner Kunden "ziemlich egal" sei, wie viel Abgase ihre Wagen in die Luft pusten.

US-Händler sprechen von gutem Krisenmanagement

Rund ein Fünftel der Autos bei den VW-Händlern in den USA waren bislang mit einem Dieselmotor ausgerüstet. Auf Anweisung aus Wolfsburg dürften Brown und seine Händlerkollegen die Dieselautos derzeit aber nicht verkaufen oder in den Showrooms ausstellen. Die Kosten übernimmt der Konzern. Nicht nur deshalb attestiert Brown Volkswagen ein gutes Krisenmanagement. Mit einer Infoseite und einer Hotline habe der Konzern die Kunden gut und schnell informiert. "Wir können aus der Krise gestärkt hervorgehen", so Brown. "Zumindest, wenn VW weiterhin so offen kommuniziert und gleichzeitig bei den Kunden mit vielen Rabatten um Entschuldigung bittet."

Was VW 2014 in den USA verkauft hat

Wie es mit Volkswagen in Nordamerika weitergeht, ist aber noch unklar. Offen ist, wie das Image der in den USA als solide und bislang sauber geltenden VWs gelitten und welche Folgen das auf den Absatz hat. Über die Zukunft des angekündigten Midsize-SUV hat der neue VW-Chef Matthias Müller bis jetzt geschwiegen. Auch die Neubesetzungen im Management des Nordamerika-Geschäfts können offenbar nicht so umgesetzt werden wie geplant: Noch im September teilte Volkswagen mit, dass der bisherige Skoda-Chef Winfried Vahland ab November das Nordamerika-Geschäft leiten solle – als neu geschaffene Instanz zwischen US-Chef Michael Horn und dem Vorstand in Wolfsburg. Doch laut zweier Medienberichte verlässt Vahland den Konzern ganz – wegen Differenzen über die US-Strategie.

US-Absatz deutscher Hersteller 2000-2025

Während der Skandal in Nordamerika das Geschäft durcheinander gewirbelt hat, will Volkswagen in einer anderen Region nichts an der Strategie ändern. Der wichtigste Automarkt China soll vom Sparkurs bei der Modellvielfalt zunächst ausgenommen bleiben – trotz der finanziellen Belastungen der weltweiten Abgas-Affäre. Man rechne in der Volksrepublik auch künftig mit "steigenden Marktanteilen" und wolle den Ausbau der Modellpalette "vorantreiben", so Volkswagen. Der Gesamtmarkt in China hat demnach besonders im September einen Aufwärtstrend erlebt. "Wir erwarten, dass diese positive Entwicklung bis zum Ende des Jahres anhalten wird", sagte VW-China-Chef Jochem Heizmann.

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Anders als in vielen anderen Ländern haben Volkswagens Manipulationen mit einer Software, die Abgastests bei Dieselmotoren schönte, in China bisher keine großen Wellen geschlagen. VW produziert auf seinem größten Absatzmarkt keine Dieselautos, dieser Antrieb ist auf Chinas Straßen auch kaum verbreitet.
In der vergangenen Woche hatte der Konzern angekündigt, in China lediglich 1946 Tiguan und vier Passats mit den betreffenden Motoren zurückrufen zu müssen. Allein in Europa muss die VW-Gruppe dagegen 8,5 Millionen Wagen zurückrufen, davon 2,4 Millionen in Deutschland.

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