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VW-Aufsichtsrat Hans Dieter Pötsch wird bei VW nichts ändern

Die Familien Porsche und Piech wollen den VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch zum Aufsichtsratschef von Volkswagen machen. Sie wollen Kontinuität – offenbar um jeden Preis.

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Quelle: dpa

Mehr Kontinuität geht nicht. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn darf offenbar an der Spitze des Konzerns bis 2018 weitermachen, wie wir seit gestern wissen. Heute folgte die Mitteilung der Porsche SE, dass die Eigentümer der SE – also die sieben Stämme der Familien Porsche und Piech – gedenken, den jetzigen VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch zum VW-Aufsichtsratschef zu machen. Wenn die Familienstämme, die über die SE knapp 51 Prozent an VW halten, das wollen, dann wird es wohl geschehen.
Als VW-Urgestein und enger Vertrauter von Winterkorn bringt Pötsch alles – bloß keinen Wandel.

Die neue VW-Konzernstruktur

Das Winterkorn-Pötsch-Gespann kann ungestört weiter machen wie bisher. Dieses Signal der Großaktionäre ist eindeutig: Sie wollen in Wolfsburg Kontinuität um jeden Preis. Sie hoffen, dass ein eingespieltes Team die Brandherde im Konzern schneller löscht als Manager, die zwar einen echten Aufbruch verkörpern, dafür aber erst einmal Unruhe verbreiten und Reibungsverluste produzieren.
Pötsch ist ein brillianter Finanzjongleur

Wer ist der Mann, der künftig wohl die Geschicke von Deutschlands bekanntestem und größtem Unternehmen lenken wird? Der 64-Jährige ist seit mehr als 12 Jahren bei Volkswagen. Als Finanzvorstand erlebte er turbulente und extrem herausfordernde Jahre. Der Übernahmeangriff von Porsche auf VW hielt ihn zwischen 2005 und 2008 auf Trab. Nach dessen Scheitern musste er eine hoch komplizierte Einigung mit Porsche erarbeiten, die eine Integration des operativen Geschäfts des Sportwagenbauers in die Volkswagen AG beinhaltete.

Auch der Kauf der LKW-Bauer Scania und MAN fiel in seine Amtszeit. Pötsch brillierte als Steuerfuchs (VW vermied 1,5 Milliarden Euro Steuern bei der Übernahme von Porsche) und cleverer Finanzjongleur: Durch die Umschuldung einer zweistelligen Milliardensumme sparte er dem Konzern hunderte Millionen Zinsen – pro Jahr. Wenn Porsche SE-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche heute über Pötsch sagt, dass er „entscheidenden Anteil an der erfolgreichen Entwicklung der Volkswagen AG in den vergangenen Jahren hatte“, dann ist das mehr als nur eine Floskel.

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    Pötschs Ansehen im Konzern war in den vergangenen Jahren so gut, dass er als möglicher Nachfolger von Winterkorn gehandelt wurde, obwohl er als Mann der Finanzen nach der üblichen VW-Logik dafür gar nicht in Frage kommt. VW macht in der Regel nur Manager mit Technik-Hintergrund zum Chef. Doch Pötsch hatte Winterkorn beerben können, wenn dieser an die Spitze des Aufsichtsrats gewechselt wäre – quasi als Interimschef, bis ein anderer, ein jüngerer Nachfolger gefunden ist.


    Pötsch könnte nur eine Zwischenlösung sein

    Daraus wurde nun nichts. Der Machtkampf zwischen Ex-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech und Winterkorn, der mit dem Abgang von Piech endete, hat die alten Planungen durcheinander gewirbelt. Intensiv wurde in den vergangenen Monaten nach einem neuen Aufsichtsratschef gefahndet. Gerne hätten die Porsches und Piechs einen aus ihrer Mitte auf dem Posten gesehen, doch scheinbar konnte man sich nicht auf einen Kandidaten einigen.

    Gut möglich, dass aus der jüngeren Familienriege erst noch ein passender Kandidat aufgebaut werden muss und Pötsch bis dahin die Zwischenlösung ist. Auch Winterkorn werden Ambitionen nachgesagt, nach seinem Ausscheiden an der Konzernspitze 2018 an die Spitze des Aufsichtsrats zu wechseln.

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    Pötschs Wechsel wird ein weiteres Stühlerücken zur Folge haben. Wer wird ihn als Finanzvorstand beerben? Eine gewichtige Frage, nicht bloß, weil das Amt per se wichtig ist. In der neuen Konzernstruktur, die VW in einigen Wochen bekanntgeben will, wäre Pötsch offenbar eine besondere Rolle zugekommen.

    Dem Vernehmen soll VW wie eine Holding geführt werden, in der Martin Winterkorn und der Finanzvorstand übergreifende Verantwortung haben, ergänzt um die Chefs von vier neu gebildeten Markengruppen. Audi-Chef Rupert Stadler, ein gelernter Controller und Finanzexperte, wäre ein möglicher Pötsch-Nachfolger.

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      Pötsch müsste als Aufsichtsratschef Winterkorn bei der strategischen Neuausrichtung des Konzerns unterstützen, ihm helfen, die drängendsten Probleme im Konzern – die wegbrechenden Märkte in Schwellenländern, das lahme US-Geschäft, die im Branchenvergleich zu hohen Kosten – schnell anzugehen und nicht zuletzt in den kommenden zwei Jahren den richtigen Nachfolger für Winterkorn zu finden.

      Die Frage muss erlaubt sein, warum das Gespann jetzt die Lösungen finden sollte, die es in den letzten Jahren nicht gefunden hat. Eine Antwort könnte sein: Es kontrolliert sie nicht mehr auf Schritt und Tritt der einst so allmächtige Ferdinand Piech. Sie können jetzt tun, was sie für richtig halten.
      Vielleicht geht das gut. VW und seinen 550.000 Mitarbeitern ist es zu wünschen. Aber Skepsis ist angebracht, wenn der beste Kumpel des Vorstandschefs direkt aus dem Vorstandsjob an die Spitze des Aufsichtsrats gehoben wird. Nach Corporate-Governance-Kriterien eine Katastrophe. Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, meint dazu: „Wir schätzen Herrn Pötsch als Finanzvorstand sehr, aber wir sind gegen seinen direkten Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrates. Ein Aufsichtsratsvorsitzender braucht kritische Distanz, um Dinge zu hinterfragen. Das ist ohne Cooling-off nicht möglich.“

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