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VW/Cariad-Chef Dirk Hilgenberg „Das neue Zusammenarbeits-Modell ist eine Bedrohung für die Zulieferer“

Bis 2025 will VW den Eigenanteil bei der Softwareentwicklung auf 60 Prozent erhöhen. Quelle: imago images

Partnerschaften zwischen Zulieferern und Herstellern bestehen in der Autoindustrie seit Jahrzehnten. Doch bei der Softwareentwicklung werden sie aufgebrochen, verrät VWs Softwarechef. Der Hersteller will den Ton angeben.

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Dirk Hilgenberg, Chef von Volkswagens Softwaretochter Cariad, will bei der Entwicklung der Software-Plattform von VW und des Betriebssystems die Regeln in der Zusammenarbeit mit Zulieferern wie Bosch und Continental neu definieren. „Die etablierten Liefer- und Partnerschaftsstrukturen zwischen Autobauern und Zulieferern werden bei der Entwicklung von Software fürs Auto aufgebrochen“, sagte Hilgenberg in einem gemeinsamen Interview der WirtschaftsWoche und des Handelsblatts.

Der Cariad-Chef kündigt den Zulieferern eine Zusammenarbeit an, in der VW die Entwicklung diktiert. „Da gibt es nur zwei Wege: Entweder er geht eine Partnerschaft mit uns ein oder er kommt für uns als Zulieferer nicht infrage“, sagte der Cariad-Chef. Die finalen Gespräche mit den Zulieferern dazu liefen bereits.

Mit Blick auf das künftige Geschäft mit der Auto-Software, die bislang vor allem Zulieferer wie Bosch, Continental oder ZF entwickelt haben, geht Hilgenberg von einem Paradigmenwechsel aus. Cariad wolle einen Großteil der Software für das Betriebssystem VW OS 2.0. selbst entwickeln. „Das Zusammenarbeitsmodell mit den Zulieferern wird sich ändern, das ist durchaus eine Bedrohung für den ein oder anderen Zulieferer“, sagte Hilgenberg. Vorbild sei Tesla. „Schauen sie sich Tesla-Chef Elon Musk an. Seine Autos fahren, sammeln Daten, er macht alles selbst. Das ist auch unser Ziel.“

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Auch bei Software für das automatisierte Fahren will VW mit Cariad den Anteil der Eigenentwicklung massiv steigern. Auf der Automesse IAA Mobility in München haben die großen deutschen Zulieferer gerade erst die Entwicklung des automatisierten Fahrens zu einem ihrer Wachstumsgeschäfte bestimmt. „In den Ausbaustufen 1.1 und 1.2. wird die Sensorik und ein Großteil der Software für das automatisierte Fahren noch von großen Zulieferern kommen. Das wird sich mit Version 2.0 und unserem Betriebssystem VW.OS ändern. Bis 2025 werden wir unseren Eigenanteil der Softwareentwicklung auf rund 60 Prozent erhöhen“, sagte Hilgenberg.

Mehr zum Thema: VW und Co. versuchen hektisch, eigene Betriebssysteme zu entwickeln. Denn die Silicon-Valley-Giganten sind schon deutlich weiter – und drohen bald auch die deutsche Autoindustrie zu beherrschen.

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