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VW China-Schwäche drückt Volkswagen-Absatz

Die Absatzflaute in China hat VW auch im Juli einen Verkaufsrückgang eingebrockt. Der Rückenwind aus Europa kann die Schwächen nicht ausgleichen – was sowohl die Marke als auch den Konzern ins Minus drückt.

Wie sich VW, BMW und Mercedes in China schlagen
Der größte Automarkt der WeltMit mehr als 18 Millionen neuen Pkw alleine im Jahr 2014 ist China der größte Automarkt der Welt. Fast ein Viertel aller Neuwagen weltweit werden hier verkauft. Dabei kommen auf 1000 Chinesen erst 61 Autos. In Deutschland sind es 540 auf 1000 Einwohner. Bei 1,3 Milliarden Chinesen ist das Potenzial noch riesig. Allerdings verlangsamt sich das Wachstum zusehends. Der chinesische Branchenverband geht für 2015 nur noch von drei statt sieben Prozent Wachstum aus. Auch der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) erwartet, dass sich die Turbulenzen an den chinesischen Finanzmärkten und die Abkühlung der Konjunktur auf den Automarkt auswirken. "China schaltet einen Gang zurück. Für das gesamte Jahr rechnen wir nun mit einem Plus von maximal vier Prozent", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann dem "Focus". Bisher war der VDA von sechs Prozent ausgegangen. Was das für die deutschen Hersteller bedeutet, sehen Sie in dieser Übersicht. Quelle: dpa
Volkswagen PkwFür die Wolfsburger ist China mit Abstand der wichtigste Markt. 2014 konnten die Wolfsburger 2,76 Millionen Autos im Reich der Mitte verkaufen – genau 35 Prozent aller Autos mit VW-Emblem. Im ersten Halbjahr 2015 setzte VW nur 1,3 Millionen Fahrzeuge ab (-6,7 Prozent). Wegen der schwachen ersten sechs Monate hat die Volkswagen AG ihre Absatzprognose für das gesamte Jahr gesenkt. Bisher war man von "moderatem Wachstum" ausgegangen, jetzt spricht das VW-Management nur noch von einer Zahl "auf dem Niveau des Vorjahres". Quelle: dpa
Noch große PläneTrotz sinkender Kaufleute möchte der Volkswagenkonzern seine Produktionskapazitäten weiter aufstocken. Bis 2019 sollen 22 Milliarden Euro in den Aufbau neuer und verbesserter Werke fließen. Der Absatz soll auf fünf Millionen Fahrzeuge steigen, 30.000 neue Jobs entstehen – dann hätte VW in China über 100.000 Mitarbeiter. Aktuell betreibt VW gemeinsam mit seinen Joint-Venture-Partnern FAW und SAIC 18 Werke in China – in acht rollen fertige Autos vom Band, die anderen stellen Bauteile her. Auf einer China-Reise mit Kanzlerin Angela Merkel im Sommer 2014 kündigte VW-Chef Martin Winterkorn an, in China zwei weitere Standorte eröffnen zu wollen. Quelle: dpa
AudiDie VW-Premiumtochter verkaufte 2014 genau 578.900 (+18 Prozent) Fahrzeuge in China. Mit "nur" 274.000 verkauften Audis nach den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres (+2 Prozent) sieht es für die geplanten 600.000 Verkäufe bis Jahresende schlecht aus. Chinesischen Medien schreiben, Audi habe das Ziel auf das Vorjahresniveau gesenkt, davon berichteten Händler. Seinen rund 400 chinesischen Vertragspartnern hat Audi Ausgleichszahlungen in Höhe von insgesamt 193 Millionen Dollar zugesagt. Wegen der schwachen Nachfrage in China hat Audi hat seine weltweiten Absatzziele für 2015 zurückgeschraubt. Statt einem Plus zwischen fünf und 9,9 Prozent rechnet Audi nur noch mit drei bis vier Prozent. Anfang des Jahres glaubte Audi-Chef Rupert Stadler noch an ein Wachstum von acht bis neun Prozent. Quelle: AP
BMWDie Bayern verkauften im vergangenen Jahr 456.000 Autos in China (+17 Prozent) – ein Fünftel aller weltweit verkauften BMW. Nach dem ersten Halbjahr 2015 ist die große Euphorie verflogen. Nur 230.000 Autos (+2,5 Prozent) schlugen die Händler los. Wegen des schwächeren Geschäfts soll BMW den rund 440 Betrieben eine Kompensation von 685 Millionen Euro zahlen. BMW kommentiert die Zahl nicht. Quelle: dpa
Trotz der "neuen Normalität", wie der ehemalige BMW-Chef Norbert Reithofer das abgeschwächte Wachstum nannte, die Pläne sind längst gemacht. Die Bayern produzieren künftig sechs statt drei Modelle für den lokalen Markt. Die Kapazitäten im Werk Shenyang wachsen um 100.000 auf 400.000 Autos jährlich. Bisher machen die in China gefertigten Pkw knapp 13 Prozent der weltweiten BMW-Produktion aus, 14.000 Mitarbeiter in China sind daran beteiligt. Erst kürzlich hat der Münchener Premiumhersteller die Kooperation mit Joint-Venture-Partner Brilliance bis 2028 verlängert. Der wiederrum hat am 13. Juli 2015 eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Für das erste Halbjahr sei ein Einbruch von 40 Prozent zu erwarten. BMW legt am 4. August seine Halbjahresbilanz vor. Quelle: REUTERS
MercedesBei den Schwaben gingen im vergangenen Jahr 281.588 Autos (+29 Prozent) ins Reich der Mitte und damit 15 Prozent aller Fahrzeuge. Im ersten Halbjahr fuhren in China 165.000 Autos mit Stern vom Hof – ein Plus von fast 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein fantastisches Ergebnis für Mercedes und seinen China-Chef Hubert Troska (im Bild). Die Stuttgarter punkten mit ihrer neuen Modellpalette und profitieren von der Umorganisation ihres Vertriebs. Quelle: REUTERS

Angesichts der angespannten Lage in wichtigen Märkten wie China, Brasilien und Russland ist der Fahrzeugabsatz bei Volkswagen im Juli weiter zurückgegangen. Nach einem bereits schwachen Vormonat sanken die Verkäufe konzernweit um 3,7 Prozent auf 792.100, wie Volkswagen am Dienstag mitteilte. In den ersten sieben Monaten liegt der Absatz des Zwölf-Marken-Konzerns im Vergleich mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 1,0 Prozent im Minus.

"Die gesamtwirtschaftlichen Situationen in China, Russland und Brasilien sind nach wie vor angespannt", sagte Vertriebsvorstand Christian Klingler am Dienstag. "Teilweise deutlichen Rückenwind verspüren wir hingegen in Nordamerika und vor allem in Europa."

Die Kernmarke VW lieferte im Juli 457.800 Autos aus und damit knapp 7 Prozent weniger als im Vorjahr. Auf die ersten sieben Monate gerechnet ergibt sich ein Rückgang von 4,3 Prozent. Bei der Tochter MAN gingen die Verkäufe per Ende Juli sogar um über 13 Prozent zurück. Die Premiummarke Audi, der Sportwagenbauer Porsche sowie die Töchter Seat, Skoda und Scania legten hingegen allesamt in den ersten sieben Monaten zu.

China trifft VW empfindlich

Die rückläufige Entwicklung des chinesischen Marktes traf Volkswagen als dortiger Marktführer besonders empfindlich. Bis Ende Juli lieferten die Wolfsburger nur knapp 2 Millionen Fahrzeuge in China aus und damit über 5 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei Volkswagen Pkw belief sich das Minus inklusive Hongkong auf fast 8 Prozent.

China bereitet vielen westlichen Herstellern zunehmend Sorgen. Im Juli waren die Verkaufszahlen auf dem weltgrößten Automarkt wegen der Wirtschaftsflaute des Landes den vierten Monat in Folge gesunken – das ist die längste Schwächephase seit mindestens fünf Jahren. Für den Volkswagen-Konzern steht besonders viel auf dem Spiel, denn die Wolfsburger fahren in der Volksrepublik einen Großteil ihres Gewinns ein. VW und die Tochter Audi, in China unangefochtener Platzhirsch im Oberklasse-Segment, dampften ihre Absatzziele ein.

Fahrzeugproduktion und -absatz in China seit 2008

Zum Teil deutlichen Rückenwind habe der Konzern hingegen aus Nordamerika und vor allem aus Europa verspürt, sagte Klingler weiter. Auf dem Heimatmarkt Deutschland beispielsweise entschieden sich mit 781.700 knapp 6 Prozent mehr Kunden für ein neues Fahrzeug von VW. In den USA zogen die Auslieferungen um gut 3 Prozent an.

Der Trend dürfte sich fortsetzen. „Auch für das zweite Halbjahr erwarten wir, dass die uneinheitliche Entwicklung der Märkte in den einzelnen Regionen ein bestimmender Faktor bleiben wird“, sagte Klingler.

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