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VW-Erbe Stefan Piëch Einer der Wichtigsten in der „vierten Generation“

Ferdinand Piëchs Neffe Stefan könnte einer der wichtigsten VW-Erben werden. Derzeit beschäftigt ihn vor allem die Zukunft des Kinderfernsehens. Bald könnte er einer der mächtigsten Männer der deutschen Industrie werden.

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Ferdinand Piëchs Neffe Stefan Piëch Quelle: dpa Picture-Alliance

Der Hausherr empfängt im dunklen Anzug. Das Hemd bis oben geschlossen, die Krawatte sitzt picobello, so führt Stefan Piëch durch sein Reich. Die Buchhaltung, die Programmdirektion, den Vertrieb, das Filmlager. Dann öffnet der 47-Jährige einen Schrank, Hunderte Ordner stehen hier in Reih und Glied und enthalten „unser größtes Kapital“, sagt Piëch.

Es sind Lizenz- und Rechteverträge mit Produktionsfirmen aus aller Herren Länder für alle Formen von Kinderfernsehen; Zeichentrickserien, Märchenfilme, Abenteuer, mit bekannten und weniger bekannten Helden wie Altair, Fix & Foxi und Urmel. Kein anderer deutscher Anbieter hat hier mehr zu bieten als die von Piëch geführte, börsennotierte Your Family Entertainment.

Das alles klingt nach großer Oper. Doch tatsächlich ist Your Family trotz seines üppigen Rechtefundus und des stetig wachsenden Bedarfs der internationalen Medien- und Technologiekonzerne nach publikumsträchtigen Inhalten eine eher kleine Nummer. Der börsennotierte Betrieb meldete im vergangenen Jahr einen Umsatz von nicht ganz vier Millionen Euro, die Marktkapitalisierung beträgt fast 18 Millionen Euro. Nach gut sieben Minuten ist man dann auch schon durch mit der Unternehmensführung und kennt die wichtigsten Köpfe.

Das Leben des Ferdinand Piëch
Mit Autos kommt er schon früh in Kontakt: Ferdinand Piëchs (rechts) Großvater war der legendäre Käfer-Konstrukteur Ferdinand Porsche (Mitte). Auf dem Bild bewundern sie gemeinsam sie ein Modell des Porsche 356 Nr. 1. Quelle: obs
Die Leidenschaft ist geweckt: 1963 beginnt der junge Ferdinand Piëch, beim Autobauer Porsche zu arbeiten. Das Foto zeigt ihn 1967 mit Cowboyhut an der Rennstrecke. Quelle: Presse
Bei Porsche arbeitet sich der Maschinenbauer hoch, bis er 1971 technischer Geschäftsführer wird. Hier ist Piëch (rechts) mit Porsche-Pilot Jo Siffert am Rande der belgischen Rennstrecke Spa-Francorchamps zu sehen. Quelle: Getty Images
1972 wechselt Piëch zu Audi, zwei Jahre später leitet er bereits die technische Entwicklung – und nur ein Jahr später ernennt ihn der Autobauer zum technischen Vorstand. Hier präsentiert er 1982 eines seiner Prestigeobjekte: den Audi 100. Quelle: dpa Picture-Alliance
An der Spitze von Audi angekommen, wird Piëch 1988 Vorstandsvorsitzender. In seine Zeit fällt unter anderem das 25-jährige Audi-Bestehen mit sieben Millionen verkauften Fahrzeugen. Quelle: dpa Picture-Alliance
1993 folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter: Piëch wird Vorstandsvorsitzender bei VW, den Posten behält er bis 2002. Bundeskanzler Schröder (links) galt für ihn als verlässlicher Unterstützer – beide liebten die Macht. „Ferdinand Piëch hat die Automobilbranche geprägt wie kein Zweiter“, sagte der Ex-Kanzler einmal über Piëch. Der entgegnete, Autobauen sei nur sein Hobby. Quelle: dpa
2002 übergibt Piëch die Geschäfte bei VW an seinen Nachfolger Bernd Pischetsrieder (rechts). Er selbst wechselt in den Aufsichtsrat. Quelle: dpa

Und doch lohnt es sich, einen genaueren Blick auf Unternehmen und Chef zu werfen: Denn der jetzige Medienunternehmer Stefan Piëch könnte zukünftig einer der wichtigsten Männer der deutschen Industrie werden. Er ist der Sohn von Hans Michel Piëch, dem langjährigen Aufsichtsratsmitglied von Porsche und Volkswagen.

Seitdem dessen Bruder Ferdinand im Streit alle Volkswagen-Ämter verließ, ist Hans Michel der starke Mann im Clan: Mitte November trat Ferdinand auch einen Großteil seiner Porsche-SE-Aktien an seinen Bruder Hans Michel ab. Über die Porsche SE, die mehr als die Hälfte der VW-Stammaktien hält, kontrolliert der Clan den Volkswagen-Konzern.

Aktionärsverteilung der Volkswagen AG

Was bedeutet das für seinen Sohn Stefan? Ein Aufsichtsratssitz bei der VW-Tochter Seat ist bisher sein einziger offizieller Berührungspunkt mit dem Konzern. Das könnte sich aber bald ändern. Denn bei den Porsches und Piëchs wird gerade die Macht von der dritten an die vierte Erbengeneration in Form von Porsche-SE-Anteilen weitergereicht. Über 30 Erben der vierten Generation könnten theoretisch in die großen Fußstapfen von Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche treten. Tatsächlich trauen die Familien das aber nur wenigen zu.

Einer, dem in der Sippe beste Chancen für eine künftige Schlüsselrolle bescheinigt werden, ist Stefan Piëch. Das liegt an seiner Erfahrung als Unternehmer, natürlich aber auch am riesigen Aktienbesitz des Vaters. Wenn der 75-jährige Hans Michel seine Anteile an Sohn Stefan und seine fünf Schwestern weiterreicht, dürfte für den TV-Unternehmer ein neuer Lebensabschnitt beginnen. Ist ein Mann, der bisher einen kleinen Medienmittelständler führte, dem gewachsen?

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