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VW-Führungskrise Der bekannte Unbekannte aus Mlada Boleslav

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Vahland hat sein Pulver noch nicht verschossen

Natürlich profitiert Skoda in solchen Fällen von der Entwicklungsarbeit bei VW. Der Skoda Superb und VW Passat etwa teilen sich dieselbe neue Plattform – den sogenannten Modularen Querbaukasten. Auch Teile des Infotainment-Systems im Fabia und Superb stammen daraus. Sogar Fahrassistenzsysteme, die man bislang nur in Premiummodellen vorfand, halten Stück für Stück Einzug bei Skoda. Der Preis steigt allerdings nicht mit. Der neue Superb startet bei rund 25.000 Euro - rund 4000 Euro unter einem Audi A4. Die Fachpresse ist sich einig. „Der Superb dürfte nicht nur Ford Mondeo oder Opel Insignia das Leben schwer machen, sondern sicher auch den Konzernbrüdern VW Passat und Audi A4“, schreibt etwa die „Autobild“.

Die Baustellen des VW-Konzerns
VW in den USA Quelle: dpa
Winterkorn mit dem Chinesischen Vize-Premier Ma Kai Quelle: obs
VW Quelle: dpa
MAN Quelle: dapd
Hauptwerk in Wolfsburg Quelle: dpa

Dass es ein Skoda mit einem Audi aufnehmen kann, ist nicht nur dem Technik-Baukasten, sondern auch Vahland zu verdanken. Haftete der Marke lange ein leicht altbackenes Ostblock-Image mit den Attributen praktisch, aber nicht wirklich schön an, haben der Skoda-Chef und sein Designer-Team elegante Autos geschaffen, die immer öfters die Blicke auf sich ziehen. „Die Entscheidung für den Kauf eines Autos hängt nicht unbedingt von der Technik allein, sondern zunehmend von der Marke und ihren Emotionen ab“, sagt Vahland. „Deshalb haben wir uns entschieden, die Marke Skoda stärker emotional aufzuladen und zu verjüngen. Ein schönes Auto kostet keinen Pfennig mehr.“

Mit soliden Autos gutes Geld verdienen

Viele Kunden haben inzwischen begriffen, dass unter der Haube bei Skoda zu großen Teilen dieselbe Technologie steckt wie bei der Premium-Volumenmarke VW oder sogar der Edel-Tochter Audi. Unter einem Interview, in dem Skoda-Chef Vahland nach dem Erfolgsgeheimnis der Marke gefragt wird, kommentiert ein Nutzer spöttisch: „Ist doch klar: Man kauft einen Audi zum halben Preis. Wer was "Besseres" als Skoda oder Seat innerhalb des VW-Einheitsbreis kauft, schmeißt das Geld zum Fenster raus.“

Fakt ist: Wer auf den Premium-Touch verzichten kann, spart in der Anschaffung mehrere tausend Euro. Damit können die Tschechen auch zunehmend bei den wichtigen Firmenkunden punkten, der Flottenanteil von Skoda wächst stetig. Und Vahland hat bewiesen, dass man mit soliden, aber einfachen Autos gutes Geld verdienen kann. Eine Erkenntnis, die in Wolfsburg unter dem Perfektionisten Winterkorn abhandengekommen zu sein scheint.

Die Opfer des Ferdinand Piëch
Porsche-Miteigner und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch Quelle: dapd
Audi Quelle: dpa
Franz-Josef Kortüm Quelle: obs
Herbert Demel Quelle: dpa
Franz-Josef Paefgen Quelle: AP
José Ignacio López Quelle: REUTERS
Bernd Pischetsrieder Quelle: dpa

Das Vahland auch anders kann, hat er vor seiner Zeit bei Skoda bewiesen. Als China-Chef bei Volkswagen hat sich der Automanager bereits auf dem inzwischen wichtigsten Einzelmarkt des Autoherstellers seine Sporen verdient. In Fernost ließ er von 2006 bis 2010 auf Basis des alten Golf den Verkaufsschlager Lavida bauen, errichtete Fabriken, kurbelte den Absatz im Reich der Mitte an und schraubte die Kosten herunter.

Der 58-Jährige bringt vor allem den richtigen Stallgeruch mit. Er kennt den VW-Konzern seit Jahren. Der gelernte Wirtschaftsingenieur begann seine Karriere in den 1980er Jahren zwar bei Opel, wechselte aber schon 1990 zu Audi und wurde 2002 erstmals in den Skoda-Vorstand berufen. 2005 ging Vahland dann nach China.

Er genießt vor allem intern einen guten Ruf. Sein Erfolg kann sich auch bei Skoda sehen lassen: Zuletzt stieg die Rendite der Tschechen im laufenden Geschäft auf sieben Prozent. Im ersten Quartal 2015 verbuchte Skoda ein Absatzplus von 7,2 Prozent. Dazu kommt die geknackte Marke von einer Millionen Autos.

In Arbeit
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Dabei hat Vahland noch nicht einmal sein ganzes Pulver verschossen: Skoda arbeitet an einer zweiten SUV-Baureihe, die offenbar kurz vor der Serienreife steht. „Eine SUV-Familie, neben den Limousinen und Kombis, das wäre ein tolles drittes Standbein für Skoda“, sagt Vahland. „Ein SUV oberhalb des Yeti, unseres kompakten SUV, ist schon relativ konkret, obwohl noch nicht final beschlossen. Ich habe aber schon drin gesessen und bin ihn schon gefahren.“

Alles andere seien nur Gedankenspiele. Von diesen wird es bis zur VW-Hauptversammlung am 5. Mai wohl noch einige geben.

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