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VW Führungsstreit lenkt von den wahren Problemen ab

Ferdinand Piëch gilt als Visionär und Machtmensch. Die VW-Führungskrise ist noch nicht ausgestanden, die Führungsriege soll kurz vor der Revolte gegen Piëch gestanden haben. Dabei geraten VWs reale Probleme außer Sicht.

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Piëch VW Quelle: dapd

Kommt ein Mann zum Autohändler und fragt nach dem neuen VW Golf. Der Verkäufer legt die Stirn in Falten: „Warum wollen Sie so ein kleines Auto kaufen? Nehmen Sie doch einen gebrauchten Phaeton – der wäre auch billiger.“

Einen Witz wie diesen reißt normalerweise niemand in Gesellschaft von VW-Managern, schon gar nicht, wenn der Aufsichtsratsvorsitzende und Vater des Luxus-Volkswagens Gastgeber ist: Ferdinand Piëch. Es dauerte daher einige Sekunden, bis die rund 200 Gäste im Dresdner Taschenbergpalais auf den Spott reagierten, den der Kabarettist Django Asül auf Piëchs 75. Geburtstag zum Besten gab. Erst vergewisserten sich die Gäste – aktive und ehemalige Top-Manager, Betriebsratsvorsitzende, Geschäftsfreunde, Politiker – mit einem Blick zum Ehrentisch von Piëch und seiner Frau Ursula. Als diese fröhlich lachten, lachten auch die Geladenen über den Hieb auf den technischen Vorzeige-Volkswagen, aber wirtschaftlichen Flop.

Diese Sätze zerstörten Manager-Karrieren
Paul Singer: „Kleinfeld hat eine einzigartig charismatische Persönlichkeit, er nutzt seine Beziehungen dazu, weiterhin angestellt zu sein“Elliott-Chef Paul Singer hielt den Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld, der 2016 den Metallspezialisten vom Aluminiumkonzern  Alcoa abgespalten hat, schon lange für eine Fehlbesetzung. Seit Anfang 2017 hat der Hedgefonds-Manager alles daran gesetzt, den Deutschen an der Spitze von Arconic loszuwerden. Es herrsche eine hierarchische Kultur im „schicken New Yorker Konzernsitz“, weit weg vom Kunden, was schon bei der Vorgängerfirma Alcoa zu „dramatischer Minderleistung“ geführt habe. Kleinfeld habe eine „einzigartig charismatische Persönlichkeit“, er nutze seine Beziehungen dazu, „weiterhin angestellt zu sein“, stellte er zuletzt fest. Die Schlammschlacht zwischen Singer und Kleinfeld hatte die gesamte Wall Street in den Bann gezogen. Elliott durchkämmte jede Börsenpflichtmitteilung, sprach von Fabrikarbeitern bis zu Aufsichtsräten mit Mitarbeitern von Arconic. Der schwerste Vorwurf: Kleinfeld habe mit dem Geld von Arconic Stimmen von Aktionären gekauft, es soll gar eine Verbindung mit der Schmiergeldaffäre von  Siemens geben, wo Kleinfeld bis 2007 die Geschäfte führte. Quelle: Reuters
Klaus Kleinfeld: „Das erinnert mich an diese Mafia-Filme, wo es heißt: ‚Das ist nicht persönlich gemeint‘“Erst war er Siemens-Chef, dann machte er in den Vereinigten Staaten weiter Karriere: Klaus Kleinfeld (Mitte) gilt als einer der bekanntesten deutschen Manager in den USA. Nun hat er seinen Posten als Vorstandschef und Chairman beim Metallkonzern Arconic aufgegeben. Mit diesem Rücktritt hat sich Hedgefonds-Manager Paul Singer im erbitterten Streit gegen den Manager durchgesetzt. Singers Fonds Elliott Management ist Aktionär bei Arconic – und drängte seit Monaten auf eine Ablösung des ehemaligen Siemens-Mannes. Auf eine Frage nach dem Clinch mit dem Hedgefonds antwortete Kleinfeld Anfang des Jahres auf dem Podium einer New Yorker Finanzkonferenz mit einem Scherz. „Das erinnert mich an diese Mafia-Filme, wo es heißt: ‚Das ist nicht persönlich gemeint.‘“ Fast alle Gäste im Saal lachten. Nur zwei im Publikum verzogen keine Miene: Sie arbeiten für Elliott. Am Ende war der Druck wohl doch zu groß. Kleinfeld kommentiert seinen Rückzug nun wie folgt: „Wir haben eine Menge erreicht. Heute ist Arconic in guter Position für die nächste Phase.“ Nur künftig ohne den Manager aus Deutschland. Quelle: dpa
Paul Achleitner: „Es geht bei diesen Fragen um die Zukunft der Institution Deutsche Bank, nicht um die von Individuen.“Ein Vertrauensbeweis liest sich anders, als das Interview, das der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, kurz vor der Hauptversammlung im Mai 2015 der Wirtschaftswoche gab. Statt sich deutlich hinter die Vorstandsdoppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen zu stellen, ging er auf Distanz. „Niemand ist unersetzbar“, sagt er. Quelle: dpa
Ferdinand Piëch: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn"Mit einfachen Worten machte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch (rechts) im April 2015 klar, dass er von seinem langjährigen Weggefährten und VW-Chef Martin Winterkorn (links) abrückt. „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", ließ Piëch verlauten und verdeutlichte damit, dass er mit der Arbeit des Konzernchefs nicht mehr zufrieden ist. Winterkorns Vertrag läuft im kommenden Jahr aus. Dass er spätestens im Frühjahr 2017 als Aufsichtsratsvorsitzender auf Piëch folgen würde, galt bislang als ausgemacht. Ob es wirklich so kommt, ist nun äußerst fraglich. Quelle: dpa
Berthold Beitz: „Cromme bleibt"Der Industriekonzern Thyssen-Krupp kämpfte Anfang 2013 um die Existenz. Aufgrund von gut fünf Milliarden Euro Verlust durch Fehlinvestitionen, Korruption und Kartellabsprachen, stand auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme vor dem Aus. Viele Jahre hatte Patriarch Berthold Beitz nicht mit der Presse gesprochen, doch in dieser Situation griff er zum Hörer und rief beim Handelsblatt an: „Cromme bleibt“, sagte er und wollte damit Spekulationen um das Aus von Cromme ein Ende setzen. In Wahrheit offenbarte der Satz, in welcher prekärer Situation das Unternehmen war. Nur vier Monate später musste der Aufsichtsratschef Cromme den Konzern trotzdem verlassen. Quelle: dpa
Josef Ackermann: „Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen, Persönlichkeit aber kann man nicht lernen."Josef Ackermann verkündete im Jahr 2011, dass er zwei Jahre später als Chef der Deutschen Bank ausscheiden würde. Gleichzeitig machte er Angaben dazu, wie er sich das Profil seines Nachfolgers vorstellte: „Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen, Persönlichkeit aber kann man nicht lernen." Damit verdeutlichte Ackermann seine Abneigung gegen den designierten Nachfolger Anshu Jain. Vor allem warb er auch für seinen eigenen Favoriten, den Bundesbank-Chef Axel Weber. Doch all das nützte Ackermann wenig: Bereits Ende Mai 2012 musste er seinen Posten zugunsten einer Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen räumen. Axel Weber ging zur Schweizer Großbank UBS. Quelle: dapd
Metro-Aufsichtsratsmitglied: „Soweit ich das übersehe, gibt es keine Mehrheit mehr für ihn."Zwar ist unklar, wer genau der Urheber dieses Zitats war, die Botschaft vom Aufsichtsrat der Metro AG für den damaligen Vorstandsvorsitzenden Eckhard Cordes war dennoch eindeutig. „Soweit ich das übersehe, gibt es keine Mehrheit mehr für ihn", hieß es im Jahr 2011. Für Eckhard Cordes war das der Anfang vom Ende. Zu eindeutig hatte sich eine Mehrheit gebildet, die sich gegen eine Verlängerung seines 2012 auslaufenden Vertrages aussprach. Grund dafür waren charakterliche Zweifel, nachdem sich Cordes in einer Bar im russischen St. Petersburg beleidigend über Aufsichtsratsmitglieder geäußert hatte. Hinzu kamen Zweifel, ob Cordes seine Verkaufspläne für die Konzerntöchter je würde umsetzen können. Zum 31. Dezember 2011 legte Cordes sein Amt als Vorstandschef der Metro AG nieder. Quelle: dpa

Ja, Piëch, der starke Mann mit den stahlblauen Augen und der scharfen Zunge, den Kritiker als „eisiges Machtpaket“ und „gnadenlosen Siegertyp“ geißeln, besitzt durchaus die Fähigkeit zur Selbstironie. Auf dem Hotelzimmer fand jeder seiner 200 geladenen Gäste eine Hörbuchversion des Karl-May-Romans „Unter Geiern“. Und über der Einladung stand der Satz des österreichischen Schriftstellers Ödön von Horváth: „Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu.“

Präsidium angeblich kurz vor Revolte gegen Piëch

An das Zitat könnte sich in den vergangenen Tagen auch VW-Chef Martin Winterkorn, der auf der Feier vor drei Jahren mit Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh an der Seite von Piëch und Gattin am Ehrentisch Platz nahm, erinnert haben. Denn da kam Piëch noch seltener dazu, ganz anders zu sein, als ihm nachgesagt wird. Mit dem Ausspruch „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“ vor zehn Tagen im „Spiegel“ hatte Piëch seinen langjährigen Vertrauten öffentlich angezählt und den Konzern in eine Führungskrise gestürzt.

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    Seit Ende vergangener Woche ist klar, dass Winterkorn bleibt – entgegen Piëchs Willen. Bei der entscheidenden Sitzung des Aufsichtsrats-Präsidiums in Salzburg stand der mächtige Firmenpatriarch mit seinem Vorhaben, Winterkorn abzuservieren, offenbar isoliert da. Im Präsidium hatte er alle anderen fünf Stimmen gegen sich, wie informierte Kreise berichten. Laut der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ ist es sogar beinahe zu einer Revolte gegen Piëch gekommen.

    Piëch und seine Figuren

    So hätte sich der 78-jährige Aufsichtsratsvorsitzende hartnäckig geweigert, Winterkorn als Vorstandschef zu behalten. Nach Angaben der FAS forderte er zumindest eine Kompensation für sein Wohlverhalten. Einem Bericht der „Bild am Sonntag“ zufolge warf Piëch dabei seinem Cousin und Firmenmiteigentümer Wolfgang Porsche vor, ihn „killen“ zu wollen. Die anderen fünf Präsidiumsmitglieder verweigerten Piëch jedoch das Zugeständnis und wären laut dem FAS-Bericht auch dazu bereit gewesen, ihn notfalls zum Rücktritt aufzufordern.

    Öffentlich zumindest versuchen die Mitglieder des mächtigen Präsidiums die Wogen zu glätten. Der frühere IG-Metall-Chef und Aufsichtsrats-Vize Berthold Huber sagte: „Zur aktuellen Diskussion stelle ich klar: Es gibt keinen Grund, den Rücktritt von Dr. Piëch zu betreiben. Wir haben die feste Absicht, mit Dr. Piëch und Dr. Winterkorn den erfolgreichen Weg von Volkswagen auch in Zukunft fortzusetzen.“ Auch das Land Niedersachsen als Großaktionär trat Spekulationen um die Zukunft Piëchs entgegen. „Ministerpräsident Stephan Weil hat stets betont, dass er die erfolgreiche Zusammenarbeit sowohl mit dem Vorstandsvorsitzenden des VW-Konzerns als auch mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden fortsetzen will. An dieser Haltung hat sich nichts geändert“, teilte Regierungssprecherin Anke Pörksen mit.

    Dennoch: Die Stimmung ist angespannt. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, will das Präsidium nochmals über die Führungskrise beraten – noch vor der Hauptversammlung am 5. Mai. Vordringliches Ziel des Treffens der Mitglieder des Präsidiums des Aufsichtsrats solle sein, ein vernünftiges Miteinander von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und VW-Chef Martin Winterkorn zu erreichen, berichtete das Blatt unter Berufung auf das Umfeld des Gremiums. Die Arbeit zwischen den beiden müsse funktionieren. Dazu müsse es eine Klarstellung geben.

    Der Weg ist zweitrangig, das Ergebnis zählt

    Wenn Piëch etwas will, ist der Weg für ihn zweitrangig. Gute Unternehmensführung, die von angelsächsischen Investoren immer beschworene Corporate Governance, interessiert ihn nur am Rande. Für den 78-jährigen Piëch, Aufsichtsratschef und Sprecher der Familienaktionäre geht es um nichts Geringeres als um sein Lebenswerk, sein Vermächtnis. Piëch überlässt nichts dem Zufall, jeder seiner Züge ist von langer Hand vorbereitet. Der Ingenieur ist „ein Ass in Präzision, Taktik und Strategie“, weiß ein langjähriger Wegbegleiter. Und er liebt es, seine Gegner zu verwirren, meist mit Sätzen, die eine zweite Bedeutungsebene haben, wie bei einem Orakel. Worauf sie zielen, wird oft erst einige Zeit später klar.

    Die Baustellen des VW-Konzerns
    VW in den USA Quelle: dpa
    Winterkorn mit dem Chinesischen Vize-Premier Ma Kai Quelle: obs
    VW Quelle: dpa
    MAN Quelle: dapd
    Hauptwerk in Wolfsburg Quelle: dpa

    So auch diesmal. Sticheleien gegen Winterkorn hatte es in den zurückliegenden Wochen mehr als einmal gegeben, wohl auch Gespräche mit dem VW-Manager, der als Piëchs Ziehsohn gilt. Zwar ist der VW-Konzern insgesamt gut unterwegs: Der Titel des weltgrößten Automobilherstellers ist in Reichweite, Absatz und Umsatz bewegen sich auf Rekordniveau.

    VW-Rendite geringer als die von Skoda

    Doch das verstellt den Blick auf gravierende Probleme, die einem wie Piëch ein Gräuel sein müssen und deren Lösung er zu erzwingen trachtet. Vor allem das Geschäft in den USA läuft schleppend. Seit 2013 meldet VW – von kleinen Spitzen abgesehen – rückläufige Verkaufszahlen, während die Konkurrenten zulegen. Im März verkaufte Winterkorn in den Vereinigten Staaten 18 Prozent weniger Volkswagen als im März 2014. BMW, Audi, Porsche und Mercedes wuchsen dagegen zweistellig. Damit stellt Winterkorn Piëchs Geduld auf eine harte Probe – die USA sind für VW nicht nur wirtschaftlich bedeutsam, sondern auch ein Prestigemarkt. Für die Wolfsburger ist die 2011 eröffnete Fabrik in Chattanooga der zweite Versuch, vor Ort Volkswagen zu produzieren, nachdem sie 1988 vor den Konkurrenten General Motors und Ford kapituliert und sich zurückgezogen hatten.

    VW Porsche Piëch

    Noch mehr als die verpassten Chancen auf dem US-Markt muss Piëch die schwache Umsatzrendite der Kernmarke VW schmerzen. Nur 2,5 Prozent schaffte die Urzelle des Konzerns 2014. 2001, im letzten Jahr, in dem Piëch als Vorstandschef wirkte, war die Umsatzrendite von VW mit 4,7 Prozent fast doppelt so hoch.

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      Winterkorn beteuert, das Effizienzprogramm „Future Tracks“ beginne zu greifen. „Vor allem beim Thema Komplexität und Variantenvielfalt sind plötzlich Veränderungen möglich, die bisher undenkbar schienen“, bestätigt Betriebsratschef Bernd Osterloh.

      Gleichwohl sieht Osterloh noch „wesentlich mehr“ Sparpotenzial als die von Winterkorn geplanten fünf Milliarden. Damit trifft er einen wunden Punkt bei Winterkorn, der Piëch nicht verborgen geblieben sein dürfte. Änderungen an Modellen im letzten Moment, sagt der Betriebsratschef – häufig auf Wunsch von Winterkorn selbst – verschlängen in der Summe einen dreistelligen Millionenbetrag. VW könne deutlich profitabler wirtschaften, hielte sich Winterkorn mit diesen Anfällen von Qualitätsfanatismus zurück.

      Was auf Winterkorns To-Do-Liste steht
      Sind die gesteckten Ziele zu halten?Bis 2018 will Martin Winterkorn den Volkswagen-Konzern zum größten Autohersteller der Welt machen und an Toyota und General Motors vorbeiziehen. Auf der Präsentation der Bilanz im März 2014 sagte er, die Chancen stünden gut, schon 2014 die magische Marke von 10 Millionen Fahrzeugen zu knacken. Spätestens 2018 will der VW-Chef eine Rendite von 8 Prozent erreichen. Dieses Ziel ist dem Manager offenbar wichtiger, als Absatz-Primus zu werden. Als wichtigste Effizienzmaßnahme gilt die Einführung des Baukastensystems, bei dem möglichst viele gleiche Teile für verschiedene Modelle verwendet werden. Das Prinzip gilt als zukunftsweisend für die gesamte Branche. Allerdings... Quelle: dpa
      Querbaukasten spart nicht so viel Geld, wie erhofft... ist von den erhofften Einsparungen noch nichts zu sehen. In der im März vorgelegten Bilanz waren sie jedenfalls nicht zu entdecken. Stattdessen kostet die Einführung des Systems den Konzern bis 2018 Investitionen in Höhe von 84 Milliarden Euro. Auf Basis der MQB (Modularer Quer-Baukasten) sollen über 30 Modelle der Kompakt- und Mittelklasse auf den Markt kommen. Volkswagen hatte sich eine Senkung von Stückkosten und Einmalaufwendungen für Werkzeuge um jeweils 20 Prozent erhofft. Quelle: dpa
      Absatzrückgang in den USA und BrasilienSeit 13 Monaten in Folge kämpft Volkswagen bei seiner Kernmarke VW mit abnehmenden Verkäufen in den USA. Im April 2014 waren es gut 8 Prozent weniger - immerhin fiel der Rückgang nicht mehr zweistellig aus. Als Grund für die Absatzflaute gilt, dass VW die Modelle in den USA nicht rasch genug überarbeitet. Auch in Brasilien brachen die Auslieferungen im April ein - um fast 18 Prozent. Einziger Trost: Für Premium-Tochter Audi lief es gut. Die Ingolstädter konnten auf dem amerikanischen Markt im April 19 Prozent mehr Autos verkaufen als im Vorjahresmonat und setzen damit ihre Erfolgsfahrt fort. Allerdings fährt Audi der deutschen Konkurrenz BMW und Daimler auf dem US-Markt noch immer hinterher. Quelle: dpa
      Scania - Übernahmedebakel mit Happy EndIm ersten Anlauf war Volkswagen mit der Komplettübernahme von Scania gescheitert. Bis zum Ablauf der Frist konnte sich VW nur 25,62 Prozent der Scania-Aktien der anderen Anteilseigner sichern und kontrollierte damit einschließlich der bereits gehaltenen Papiere lediglich 88,25 Prozent, statt angestrebter 90. Nun hat es aber doch noch geklappt. Am Morgen des 13.5, pünktlich zur VW-Hauptversammlung, kommt die frohe Kunde aus Schweden: Der schwedische Fonds Alecta will seine 16,3 Millionen Papiere an die Wolfsburger verkaufen. Damit hätte VW die 90-Prozent-Hürde genommen. Der Konzern muss allerdings noch die offizielle Finanzmarktinformation von Alectas abwarten. VW hatte 200 schwedische Kronen je Aktie geboten. Insgesamt lässt sich Winterkorn die Komplettübernahme 6,7 Milliarden Euro kosten. Scania gilt in Schweden als eine der letzten Ikonen, die Verhandlungen hatten sich über Wochen hingezogen. Die Wolfsburger wollen durch die Übernahme einen neuen Nutzfahrzeug-Giganten gemeinsam mit Tochter MAN schmieden. Quelle: REUTERS
      Wo ist die Elektro-Strategie?Das Ein-Liter-Auto XL 1 ist zweifelsohne ein Hightech-Ökomobil, das seines gleichen sucht. Doch viel mehr als ein Prestige- und Sammlerobjekt ist der schicke Flitzer, aus dem sich Chefaufseher Piech bereits zur Hauptversammlung 2013 quälte, nicht. Der 111.000 Euro teure Wagen ist nicht für die Serienproduktion gedacht. Im Angebot hat VW den e-Up!, den e-Golf und bei Tochter Audi den A3 e-tron Plug-In-Hybrid sowie ab 2015 den Sportwagen R8 e-tron. Letzterer sollte zunächst nicht in Serie gehen, nun aber doch kommen - ein kleines Wunder. Als Innovatoren haben sich die Wolfsburger in punkto E-Mobilität mit diesem Modell-Sammelsurium nicht hervorgetan. Stattdessen gilt BMW mit i3 und i8 als Innovationstreiber bei den Stromern. Quelle: dpa
      Ferdinand Piëch meckertDem VW-Aufsichtsratschef sind die Brötchen, die seine erster Mann Winterkorn backt, offenbar zu klein. Auf dem Genfer Automobilsalon mäkelte er: „Wir sind nicht wirklich gut unterwegs – nur besser als andere“. Und er deutete Veränderungen im Management an: „Wo gehobelt wird, fliegen Späne.“ Mehr mochte er aber nicht sagen. Dem Chefaufseher geht es offenbar in einigen Bereichen nicht schnell genug voran.... Quelle: dpa
      Schneller am Modellrad drehenWinterkorn selbst hat bereits angedeutet, wo er mehr Tempo machen will: Schnellere Modellwechsel sind angesagt. Immer mehr Computer- und Internetbasierte Technologien halten Einzug in die Fahrzeuge - und hier dreht sich das Entwicklungsrad deutlich schneller. „Das“, so Winterkorn, „zwingt uns dazu, darüber nachzudenken, ob die üblichen Modellzyklen von sieben bis acht Jahren nicht deutlich kürzer werden müssten“. Zumindest sollte es möglich sein, Modelle durch ein Software-Update schneller wieder aufzufrischen. Quelle: dpa

      Am meisten bedroht jedoch das Projekt Winterkorns Renommee, mit dem er den VW-Konzern zum weltweit flexibelsten Autokonzern machen will: eine Art Lego-System, das den Bau unterschiedlicher Modelle aus weitgehend identischen Baugruppen erlaubt. Die Aufwendungen dafür sind gewaltig, die Einsparungen, die Winterkorn versprochen hatte, halten sich aber in Grenzen, was Winterkorn bereits verklausuliert einräumte.

      Die Vermutung liegt nahe, dass Piëchs Ärger über die gestiegenen Kosten von Monat zu Monat anschwoll. Denn er steht wie kein anderer VW-Chef vor ihm nicht nur für den großen Wurf, den führenden Autokonzern der Welt zu schmieden. Piëch war immer auch der rigide Kostenkiller, auch wenn er dieses unschöne Geschäft gern mal von anderen ausführen und diese dann fallen ließ.

      Niederlagen als Siege verkauft

      Piëch hat es immer geschafft, Skandale spurenlos an sich abperlen zu lassen und sich im Gegenzug in Erfolgen zu sonnen. Er glänzte mit der Restrukturierung der spanischen Tochter Seat und der Wiederbelebung der Skoda-Werke in Tschechien. Stolz zeigte er sich auch mit technischen Wunderwerken wie dem Drei-Liter-Lupo von 1999 und dem Ein-Liter-Auto.

      Eine Präsentation des Prototyps des Ökomobils XL 1, von dem im vergangenen Jahr 250 Exemplare zum stolzen Preis von 111.000 Euro verkauft wurden, ist geradezu typisch für Piëchs Methode, sich in der Öffentlichkeit zu inszenieren. Es war im April 2002, als er den Vorstandsvorsitz an Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder abgab, ein kalter, regnerischer Tag. Piëch fuhr mit dem futuristischen Ökofahrzeug von Wolfsburg zur VW-Hauptversammlung nach Hamburg. In grauem Mantel, mit passender Kappe und federleichten Ferrari-Schuhen, die er Tags zuvor gekauft hatte, präsentierte er sich als künftiger VW-Chefkontrolleur. Die Bilder von der Fahrt in einem Meisterwerk der Ingenieurkunst brannten sich ins Gedächtnis der Aktionäre und Journalisten.

      VW Porsche Piëch

      Niederlagen versteht Piëch zeit seines Lebens perfekt als Siege zu verkaufen. 1998 erwarb er die britische Nobelmarke Rolls-Royce für umgerechnet gut 700 Millionen Euro. Dabei versäumte er es aber, neben dem angestaubten Werk im englischen Crewe auch die Namensrechte zu kaufen. 2002 ging Rolls-Royce daher an den Münchner Konkurrenten BMW, der sich die Rechte gesichert hatte. Piëch musste sich mit der Schwestermarke Bentley begnügen. Er habe, ließ er danach wissen, von Anfang an nur die sportlichere Marke haben wollen, weil diese mehr wirtschaftliches Potenzial besitze. Die Verkaufszahlen geben ihm inzwischen recht.

      Doppelrolle in der Porsche-Übernahme

      Seine Durchsetzungskraft ist für den Porsche-Piëch-Clan Fluch und Segen zugleich. Von allen Plänen, die er in seinem Leben geschmiedet hat, war der Versuch, Volkswagen durch Porsche zu übernehmen, wohl der genialste und zugleich rechtlich riskanteste. Die Idee, mithilfe von Porsche VW zu schlucken, hatte Piëch bereits um die Jahrtausendwende. Dann, 2005, schien der Zeitpunkt günstig: VW steckte in der Krise, die Aktie war günstig wie selten zuvor. Der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking präsentierte den Eigentümerfamilien einen Plan, wie der Sportwagenhersteller bei VW einsteigen und schrittweise den Anteil erhöhen könnte. Offen ist, ob Piëch diesen Anlauf zur VW-Übernahme einfädelte. Sicher ist nur, dass Wiedeking von den Piëchs und Porsches dafür grünes Licht bekam.

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        Diese 20 entscheiden über Winterkorns Zukunft
        Der Familienpatriarch und Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch hat am Freitag die Diskussion um die künftige Führungsstruktur bei Volkswagen losgetreten. Er sei „auf Distanz“ zu VW-Vorstandschef Martin Winterkorn, so Piëch. Bislang hatte Winterkorn als möglicher Piëch-Nachfolger gegolten. Quelle: dpa
        VW-Vorstandschef Winterkorn (l.) ließ am Samstag verlauten, er werde sich nicht so schnell geschlagen geben im Führungskampf. Ein Grund für diesen Optimismus: Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat stellten sich hinter ihn – und auch die Vertreter des Landes Niedersachsens, die auf der Kapitalseite sitzen, klingen versöhnlich. Quelle: dpa
        Im VW-Aufsichtsrat, der über Winterkorns Zukunft entscheidet, sitzen zehn Arbeitnehmervertreter und zehn Arbeitgebervertreter. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Vorsitzende Ferdinand Piëch. Quelle: dpa
        Al-Abdullah ist Vertreter des Emirats Katar. Der Staat am Persischen Golf hält über die Gesellschaft Qatar Holding insgesamt 17 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen. Zu den aktuellen Vorgängen gibt es keine Äußerungen von ihm - und es sind auch keine zu erwarten. Diskretion zeichnet den Anker-Aktionär aus. Dass Katar Piëch in den Rücken fällt, ist unwahrscheinlich. Quelle: dpa
        In der Öffentlichkeit präsent ist hingegen das Land Niedersachsen, das 20 Prozent der Stimmrechte an VW hält. „Diskussionen dieser Art sind in jedem Fall schädlich für das Unternehmen“, sagte Ministerpräsident Weil am Samstag der Tagesschau zum Machtkampf. „Wenn man etwas zu besprechen hat, dann sollte man das intern tun. Die Vertreter des Landes Niedersachsen werden sich nicht an einer öffentlichen Diskussion beteiligen.“ Das ist zumindest kein weiterer Dolchstoß für Winterkorn. Quelle: dpa
        Der Wirtschaftsminister Niedersachsens ist der zweite Vertreter des Landes im Aufsichtsrat. Er stärkte gegenüber der Bild am Sonntag Winterkorn den Rücken. „Wir schätzen die Arbeit des Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn sehr. (...) Ich sehe der Ankündigung durch Herrn Piëch auch aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Aufsichtsrat sehr gelassen entgegen.“ Das bedeutet, dass das Land Niedersachsen sich bei einer Kampfabstimmung auf die Seite der Arbeitnehmer schlagen könnte. Quelle: dpa
        Die Familien Porsche und Piëch halten über die Porsche Automobil Holding SE die Mehrheit am Volkswagen-Konzern. Ob Piëchs Vorstoß mit dem Porsche-Clan abgestimmt war, ist nicht bekannt. Aus dem Umfeld von Wolfgang Porsche (links, neben Porsche-CEO Michael Müller), dem Sprecher des Familienclans, hieß es am Wochenende: „Am Ende ziehen die Familien bei wichtigen Entscheidungen an einem Strang.“ Damit kann Winterkorn hier wohl nicht auf Rückendeckung zählen. Offiziell wollte sich kein Porsche-Familienvertreter äußern, so die Bild am Sonntag. Quelle: dpa

        Das Ansinnen entwickelte sich zur Übernahmeschlacht und zum Wirtschaftskrimi des Jahrzehnts. Piëch spielte darin eine zweifelhafte Doppelrolle: Als Porsche-Miteigentümer profitierte er von Wiedekings Übernahmestrategie, als VW-Aufsichtsratschef hätte er den Angriff aber abwehren müssen. Darum wurde er zunehmend schmallippig, als es um Wiedeking ging.

        Dennoch hätte Porsche im Oktober 2008 Volkswagen beinahe mithilfe von Aktienoptionen übernommen. Dann kam die Finanzkrise, das Konstrukt von Wiedeking brach im letzten Augenblick zusammen, Piëch schlug sich auf die VW-Seite. Zurück blieben Investoren, die sich von Porsche falsch informiert fühlten; die Milliardenprozesse laufen bis heute.

        „Am Ende siegt Piëch“

        Piëch selbst und seine Angehörigen gingen als strahlende Sieger aus der gescheiterten Übernahme hervor: Die Holding Porsche SE, die den beiden Familien zu 100 Prozent gehört, erhielt 50,73 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen. Aus den Besitzern der kleinen Sportautoschmiede war der einflussreichste Aktionär des größten europäischen Autobauers geworden.

        „Piëch kann man in einem Satz beschreiben“, so Ex-Bundespräsident Christian Wulff, damals als Ministerpräsident im VW-Aufsichtsrat: „Es wird viel gestritten – und am Ende siegt Piëch.“ Ex-Porsche-Chef Wiedeking und sein damaliger Finanzvorstand Holger Härter fielen bei Piëch in Ungnade und mussten gehen. Nachfolger an der Porsche-Spitze wurde der VW-Stratege Matthias Müller.

        Mit der Berufung des früheren BMW-Entwicklungschefs Herbert Diess zum neuen Markenvorstand von VW und des Ex-Daimler-Managers Andreas Renschler zum Leiter der neuen VW-Nutzfahrzeugsparte sind noch weitere Kandidaten hinzugekommen. Renschler hat sein Amt allerdings erst am 1. Februar angetreten, Diess kommt am 1. Juli. Beide werden für neuen Schwung sorgen. Unruhe im Konzern stiften sie schon jetzt.

        Wer auch immer die Führung übernimmt, das Programm steht:

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          • Die Muttermarke VW muss schnell und merklich profitabler werden.
          • Auf dem US-Markt muss VW mit mehr neuen Fahrzeugen nach amerikanischem Geschmack Gas geben.
          • VW braucht rasche Erfolge beim Verschmelzen der Lkw-Töchter MAN und Scania zu einem schlagkräftigen Laster-Verbund.

          Was VW 2014 in den USA verkauft hat

          Auch im Aufsichtsrat ist noch nicht absehbar ausgemacht, wer das Sagen haben wird, wenn Piëch 2017 ausscheiden sollte. Es galt in Wolfsburg eigentlich als entschieden, dass Winterkorn Ende 2016, spätestens 2018, in den Aufsichtsrat wechseln würde, um dort Piëch-Gattin Ursula zu helfen, den Familienstamm der Piëchs im VW-Kontrollgremium zu repräsentieren.

          Keine „Königin Ursula“

          Solchen Planspielen hat Piëch jetzt eine Absage erteilt: „Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen. Und das sind keine Familienmitglieder, das ist auch nicht meine Frau.“ Mehr als einfache Aufsichtsrätin werde sie nicht werden.

          Das hörte sich vor einem Jahr noch anders an. „Königin“ des VW-Konzerns sollte und wollte Ursula Piëch, 58, zwar nie werden, sagte sie, „eine Überhöhung wäre tödlich“. Trotzdem hatte Gatte Ferdinand sie zielstrebig auf die Aufgaben im Aufsichtsrat vorbereitet, um dort die Piëchs vor allem gegenüber den Porsches zu vertreten

          Auto



          Ursula Piëch („Ich bin eine ganz unbedeutende Frau“) bemüht sich seit Jahren, mit ihrer fröhlichen wie unkomplizierten Art, die Spannungen zwischen den beiden Familienstämmen abzubauen. Zu den jungen Porsches hat sie ein gutes Verhältnis.

          Bei den Alten des Clans gibt es gegen die frühere Kindergärtnerin und Gouvernante immer noch Vorbehalte. „Uschi“ würde deshalb lieber weiter im Hintergrund wirken. Sollte ihr Gatte tatsächlich in den Ruhestand treten und den Generationswechsel einleiten, was derzeit niemand in der Familie glauben mag, wird sie jedoch nicht umhinkommen, aus dem Schatten herauszutreten – mitten unter die Geier.

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