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VW Piëch quengelt und drängelt

Dem Patriarchen geht das Programm „Mach 18“, das Volkswagen bis 2018 an die Weltspitze führen soll, nicht schnell genug voran. Auf dem Autosalon in Genf deutet er weitere Veränderungen im Management an.

Lamborghini Huracan Quelle: dpa

Die Markenabende des Volkswagen-Konzerns am Vorabend großer Automessen haben etwas von jenen Paraden, mit denen die Staaten des Ostblocks früher die Erinnerung an glorreiche Siege in längst vergangenen Schlachten feierten. Zu markiger Marschmusik rollten damals die neuesten Panzer, Geschütze und Raketen über den Boulevard, auf der Ehrentribüne am Wegesrand nahmen altgediente Generäle und führende Politiker die Truppenparade ab.

Panzer und Geschütze gibt es bei Volkswagen zwar nicht zu sehen, wenngleich der Konzern über die Nutzfahrzeugtochter MAN auch am Panzerhersteller Rheinmetall beteiligt ist. Aber Raketen hat der Konzern durchaus im Programm – als Weltpremiere wird in Genf der neue Lamborghini Huracan präsentiert, der in 3,2 Sekunden auf Tempo 100 schießt. Und auch der neue Rembrandt-Bugatti (benannt nach einem jüngeren, als Bildhauer tätigen Bruder des Firmengründers, nicht nach dem niederländischen Maler) kann mit seinem 1200 PS starken Motor durchaus als Geschoss bezeichnet werden.

Blasmusik wurde zwar in Genf nicht gespielt, dafür markige Klänge des 21. Jahrhunderts im Dubstep-Takt, als die Neuigkeiten aus dem Konzern aufmarschierten und an der Ehrentribüne mit den Mitgliedern des VW-Aufsichtsrats vorbeiparadierten: Der neue Audi TT sowie die Hybridautos Audi A3 und VW Golf GTE, der neue (bärenstarke, aber konventionell angetriebene) Seat Leon Cupra, der überarbeitete Bentley Continental Speed (jetzt mit Frontspoiler in Wagenfarbe) sowie Konzeptautos von VW, Skoda und der Designschmiede Giugiaro. Doch echte Kracher waren in diesem Jahr nicht darunter.

Die Stars des Genfer Autosalons
McLaren 650S 650 PS und eine Spitzengeschwindigkeit von 333 km/h: Mit dem 650S präsentiert McLaren ein Fahrzeug für Tempofreunde und eine Weiterentwicklung des MP4-12C. Der schnittige Renner wird von einem 3,8-Liter-Biturbo-V8 zu Spitzenleistungen angetrieben: Von Null auf Tempo benötigt der 650S genau drei Sekunden. Die 200er-Marke knackt er in 8,4 Sekunden. Der Preis für den Sportwagen: mindestens 231.500 Euro. Quelle: dpa
McLaren 650S SpiderNeben dem Coupé bietet McLaren sein PS-Monster 650S auch als Cabrio an. Der Spider ist technisch identisch mit der geschlossenen Variante. In beiden Fällen ist der Innenraum mit Alcantara ausgekleidet. Wer den Fahrtwind im neuen McLaren-Cabrio genießen will, muss allerdings Abstriche bei der Spitzengeschwindigkeit machen. Statt 333 schafft die Cabrio-Variante "nur" 329 Stundenkilometer. Beim Verbrauch soll es hingegen keine Unterschiede zwischen Coupé und Cabrio geben: Beide schlucken 11,7 Liter. Quelle: AP
C4 Cactus Aventure "Auf ins Gelände", ruft Citroën mit dieser Fahrzeug-Studie. Der Aventure ist die Off-Road-Variante des C4 Cactus. Verstärkt, höhergelegt und mit geländetauglichen Reifen und Felgen soll der Fünftürer Abenteurer sicher durch die Wildnis bringen. Die kleinen Luftkissenpolster an der Seite dienen angeblich als zusätzlicher Schutz. Angetrieben wird der Aventure von einem Benzin- (82 oder 110 PS) oder Dieselmotor (92 oder 100 PS). Mehrere verbaute GoPro-Kameras sollen jedes Abenteuer im Bild festhalten. Quelle: AP
Jaguar F-Type Die britische Luxusmarke bringt den Super-Sportler F-Type als Coupé nach Genf mit. Gezeigt wurde er davor schon auf der LA Auto Show und in Tokyo. Jetzt steht er zum ersten Mal auf europäischen Boden. Im Mai 2013 hatte Jaguar den Nachfolger des legendären E-Type auf die Straße gebracht - bisher nur als Cabrio. Jetzt kommt das 550-PS-Geschoss (R-Version von 0 auf 100 km/h in 4,2 Sekunden) in der geschlossenen Version. Sie basiert auf dem 2011 auf der IAA vorgestellten Studie C-X16. Kostenpunkt: Zwischen 67.000 und 104.000 Euro. Quelle: AP
Ferrari California TMit dem Nachfolger des California geht Ferrari neue Wege. Erstmals arbeitet ein neu entwickelter V8-Turbo unter Haube. Der bringt den Sportwagen auf 560 PS und 755 Nm Drehmoment, ein satter Leistungsgewinn im Vergleich zum Vorgänger-Modell. Von Null auf Hundert schafft es der California T in 3,6 Sekunden. An der Optik hat Ferrari hingegen wenig geändert. Auch verwandelt sich der Sportwagen weiterhin auf Knopfdruck von einem Coupé in ein Cabrio. 14 Sekunden soll das Einklappen des Dachs dauern. Quelle: REUTERS
Volvo Concept EstateMit dem Concept Estate zeigt Volvo in Genf das letzte von drei Fahrzeugkonzepten. Wie bei den beiden vorherigen Studien Concept Coupé und XC Coupé wird die Frontpartie von den T-förmigen Scheinwerfer und den konkaven Kühlergrill geprägt. Das Kombi-Konzept orientiert sich am Design des als "Schneewittchen-Sarg" bekannten Volvo 1800 ES aus den 1970er Jahren. Der Innenraum ist schlicht gehalten: Ein Touchscreen auf der Mittelkonsole ersetzt die meisten Schalter und Regler und wird so zum zentralen Element im Cockpit. Quelle: REUTERS
Range Rover Evoque „Autobiography Dynamic” Von außen sind die Autobiography Dyamic Modelle der Briten durch ein höherwertig gestaltete Karosserie zu erkennen - unter anderem gibt es diamantgedrehte 20-Zoll-Alu-Schmiederäder, neue Designelemente in Atlas Silver und eine tiefer gezogene Frontschürze mit modifizierten Nebelscheinwerfereinfassungen sowie seitlichen Lufteinlässen. Im Innenraum gibt es viel Leder mit Bezügen in insgesamt sechs Farbkombinationen. Mit 285 PS und 400 Nm starkem 2,0-Liter-Benzin-Motor kommt diese Evoque-Variante noch sportlicher daher. Auch das Neungang-Getriebe wurde neu abgestimmt. Quelle: Range Rover

Porsche-Chef Matthias Müller rollte vor gezählten 1281 Besuchern gar in einem alten Bekannten auf die Bühne – der Porsche 918 Spyder hatte seine Weltpremiere schon auf der Frankfurter IAA im Herbst vergangenen Jahres und ist längst im Handel. Und als Neuigkeit von VW Nutzfahrzeuge hatte Markenchef Eckhard Scholz lediglich einen mit allerlei Tand aufgehübschten VW-Bus in die Schweiz gebracht – die Antwort des mit aller Macht an die Weltspitze strebenden Konzerns auf die brandneue V-Klasse von Mercedes.

Entsprechend enttäuscht zeigte sich der oberste Truppeninspekteur, VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, nach der Abnahme der Parade. „Wir sind nicht wirklich gut unterwegs – nur besser als andere“, tat er in kleiner Runde kund und deutete dabei weitere Veränderung im Management an: „Wo gehobelt wird, fliegen Späne.“ Präziser mochte er aber nicht werden: „Schauen Sie sich um“. Dass sein Blick dabei auf Audi-Chef Rupert Stadler fiel, der in dem Treiben etwas verloren vor „seinem“ neuen TT stand, war sicherlich nur ein Zufall.

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