VW-Produktionsstopp Volkswagen einigt sich mit Zulieferern

VW und zwei wichtige Zulieferer haben sich in ihrem beispiellosen Machtkampf geeinigt. Die gestoppte Belieferung soll kurzfristig wieder aufgenommen werden – die finanziellen Modalitäten sind aber weiter unklar.

Die Einigung im VW-Zulieferer-Streit steht offenbar. Quelle: dpa

Der Machtkampf zwischen VW und zwei wichtigen Zulieferern ist vorbei. Der Autobauer und die Unternehmen der Prevent-Gruppe einigten sich auf eine Lösung des Streits, wie der Autobauer am Dienstag mitteilte. „Über die Inhalte der Einigung wurde Stillschweigen vereinbart“, heißt es in der Mitteilung. Die Lieferanten sollen demnach die Belieferung von Volkswagen „kurzfristig“ wieder aufnehmen. „Die betroffenen Standorte bereiten demgemäß schrittweise die Wiederaufnahme der Produktion vor“ so VW weiter.

Zwischen Volkswagen und den beiden wichtigen Teilezulieferern tobt seit Tagen ein Streit um die Kündigung von Aufträgen. Die Hintergründe sind unklar. Wegen eines Lieferstopps stehen bei dem Autobauer viele Bänder still: Der Konzern wartet auf Getriebeteile und Sitzbezüge von den Zulieferern ES Automobilguss und Car Trim, die zur Unternehmensgruppe Prevent gehören.

Die Verhandlung fand in drei Räumen statt: Einem gemeinsamen Raum, einem für die VW-Delegation und einem für die Prevent-Delegation. Der Part, über den Stillschweigen vereinbart worden sei, betreffe die finanziellen Modalitäten, die letztlich der Grund für den Lieferstopp waren, sagte ein Insider aus Verhandlungskreisen der WirtschaftsWoche. Dass der Lieferstopp aufgehoben worden ist, wertet die Quelle aber als „deutliches Signal“, dass Prevent nicht unzufrieden mit dem Verhandlungsergebnis sei.

Diese VW-Werke waren von dem Lieferstopp betroffen

Die beiden Geschäftsführer der mit VW im Clinch liegenden Lieferanten CarTrim sowie ES Automobilgussseien machten sich den Kreisen zufolge direkt am Morgen wieder auf den Weg von Wolfsburg nach Sachsen, um die Belieferung von VW in ihren Betrieben sicherzustellen. Prevent und Volkswagen bereiten jetzt eine gemeinsame Pressemitteilung vor.

Wegen des Streits können laut VW insgesamt 27.700 Mitarbeiter in mehreren Werken nicht so arbeiten wie geplant. Allen voran steht im Stammwerk Wolfsburg die Produktion des wichtigsten VW-Modells Golf still. Der Autobauer sprach von „Flexibilisierungsmaßnahmen bis hin zu Kurzarbeit“. Die Zulieferer-Branche befürchtet bereits Auswirkungen auch auf andere Lieferanten. Die Bundesregierung hatte am Montag eine Lösung angemahnt.

Diese Zulieferer sind besonders abhängig von VW
Platz 15: Thyssen-KruppIm Geschäftsjahr 2014 erwirtschaftete Thyssen-Krupp durch Geschäfte mit Volkswagen einen Umsatz von rund 2 Milliarden Euro. Die Summe macht allerdings lediglich 5 Prozent am Gesamtumsatz aus. Angaben beruhen auf Geschäftsberichte, Unternehmenspräsentationen, Berechnungen und Schätzungen. Quelle: Bloomberg, HRI Stand: 28. September 2015 Quelle: dpa
Platz 14: LeoniDie Leoni AG aus Nürnberg ist als Hersteller von Kabeln und Drähten auf Bordnetz-Systeme spezialisiert. Als Zulieferer für Volkswagen machte das Unternehmen 2014 einen Umsatz von 243 Millionen Euro, das waren 6 Prozent des Gesamtumsatzes. Quelle: dpa
Platz 13: RheinmetallAuch Rheinmetall erzielt 6 Prozent seines Gesamtumsatzes mit VW, 294 Millionen Euro waren es im Geschäftsjahr 2014. Quelle: dpa
Platz 12: ZF FriedrichshafenRund 1,5 Milliarden Euro erlöste der Konzern mit den Wolfsburgern, 9 Prozent des Gesamtumsatzes im Geschäftsjahr 2014. Quelle: dpa
Platz 11: ContinentalDer Dax-Konzern erwirtschaftete durch VW-Aufträge im Geschäftsjahr 2014 einen Umsatz von rund 3 Milliarden Euro, die immerhin 9 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachten. Quelle: dpa
Platz 10: DelphiDer US-Zulieferer Delphi Automotive setzte bei Geschäften mit VW 2014 rund 1,2 Milliarden Euro um – 10 Prozent des Gesamtumsatzes. Quelle: dpa
Platz 9: Elring-KlingerDer unter anderem auf Zylinderkopf und Spezialdichtungen spezialisierte Konzern machte durch Geschäfte mit VW absolut den geringsten Umsatz in der Rangliste: lediglich 142 Millionen Euro. Die Summe machte trotzdem 10 Prozent des Gesamtumsatzes im Geschäftsjahr 2014 aus. Quelle: dpa
Platz 8: KukaDer Roboter-Spezialist erwirtschaftete bei Geschäften mit VW 326 Millionen Euro, 11 Prozent des Gesamtumsatzes. Quelle: dpa
Platz 7: HarmanDie Automobilsparte des US-Unternehmens Harman stellt Lautsprecher, Audiogeräte und Infotainmentsysteme her. Das Geschäft erwirtschaftete nur mit VW-Aufträgen im Jahr 2014 einen Umsatz von 616 Millionen Euro, 11 Prozent des Gesamtumsatzes des Unternehmens. Quelle: AP
Platz 6: MagnaAuch beim kanadisch-österreichischen Konzern Magna machten die Geschäfte mit VW 11 Prozent des gesamten Konzernumsatzes aus – mit einer Summe von rund 3,7 Milliarden Euro ist dies allerdings absolut der höchste Wert im Ranking. Quelle: AP
Platz 5: Schaeffler Die Schaeffler-Gruppe setzte durch Geschäfte mit VW im Jahr 2014 rund 1,6 Milliarden Euro um, eine Summe, die 13 Prozent des Konzernumsatzes ausmachte. Quelle: dpa
Platz 4: Plastic OmniumDer französische Kunststoffverarbeiter Plastic Omnium setzte durch VW-Aufträge 781 Millionen Euro um, was 15 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachte. Quelle: Screenshot
Platz 3: FaureciaDer französische Zulieferer Faurecia, einer der zehn größten Automobilzulieferer der Welt, erwirtschaftet sein Geld in den vier Geschäftsbereichen Autositze, Innenraumausstattung, Kunststoffaußenteile und: Abgassysteme. Das Geschäft mit VW brachte im Geschäftsjahr 2014 einen Umsatz von rund 3,4 Milliarden Euro, was stolze 18 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachte. Quelle: obs
Platz 2: GrammerDer Oberpfalzer Automobilzulieferer Grammer erwirtschaftete durch Geschäfte mit VW 23 Prozent seines Umsatzes, 317 Millionen Euro. Quelle: dpa
Platz 1: SHW AutomotiveDer Zulieferer SHW Automotive kann auf eine 640-jährige Tradition zurückblicken; die Geschichte des metallverarbeitenden Unternehmens geht in direkter Linie bis auf die ersten Hüttenwerke in Württemberg im 14. Jahrhundert zurück. Heute ist der Hersteller von unter anderem Bremsscheiben, Pumpen und Motorenkomponenten so abhängig von VW wie kein anderer Zulieferer: 178 Millionen Euro, die im Geschäftsjahr 2014 durch VW-Aufträge umgesetzt wurden, machten 41 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Quelle: dpa

Bei der Firma ES Automobilguss in Schönheide im Erzgebirge war für diesen Dienstag zudem eine Betriebsversammlung geplant, wie die dpa erfuhr. Daraus erhofften sich die Arbeitnehmervertreter Antworten auf die vielen Fragen zur Zukunft des Zulieferers.

Volkswagen hatte neben der Verhandlungslösung auch immer betont, notfalls auf gerichtlichem Wege eine Herausgabe der Teile zu verlangen. Das Landgericht Braunschweig hatte einstweilige Verfügungen erlassen, welche die Lieferanten zur Wiederaufnahme der Belieferung verpflichten. VW könnte aber frühestens Ende dieser Woche seine Ansprüche per Gerichtsvollzieher durchsetzen und die Teile holen lassen.

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