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VW-Skandal Audi gibt nun doch verbotene Software zu

Der Abgas-Skandal lässt dem Volkswagen-Konzern keine Verschnaufpause. Auch Audi gibt zu, bereits seit 2009 eine Software eingebaut zu haben, die nach US-Gesetz unzulässig ist.

Das neue Who is Who im VW-Konzern
Stefan Knirsch Quelle: Audi
Hinrich Woebcken Quelle: dpa
Neuer Generalbevollmächtigter für die Aggregate-Entwicklung: Ulrich EichhornVolkswagen hat einen neuen Koordinator für die Aggregate-Entwicklung auf Konzernebene. Der WirtschaftsWoche bestätigte Ulrich Eichhorn, dass er im Frühjahr zu VW zurückkehrt. Der 54-Jährige kommt vom Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA), wo er die Verantwortung für die Bereiche Technik und Umwelt inne hatte. Zuvor war Eichhorn neun Jahre lang Entwicklungsvorstand bei der VW-Tochter Bentley. Eichhorn wird nicht Mitglied des Vorstands, sondern berichtet als Generalbevollmächtigter direkt an VW-Chef Matthias Müller – ähnlich wie der neue Chef-Stratege Thomas Sedran. Quelle: Presse
Der neue Generalbevollmächtigte für Außen- und Regierungsbeziehungen: Thomas StegEs ist kein Wechsel der Funktion, sondern der Zuordnung: Thomas Steg ist seit 2012 Generalbevollmächtigter des Volkswagen-Konzerns für Außen- und Regierungsbeziehungen. Bislang war dieser Bereich Bestandteil der Konzernkommunikation. Jetzt ist das Team um Steg als eigenständiger Bereich in das Ressort von VW-Chef Matthias Müller zugeordnet, an den Steg persönlich berichtet. Der diplomierte Sozialwissenschaftler wird zusätzlich das Thema Nachhaltigkeit verantworten. „Mit der Bündelung der Konzernzuständigkeiten und der neuen Zuordnung des Themas Nachhaltigkeit trägt Volkswagen dessen wachsendem Gewicht Rechnung“, teilte der Konzern mit. Steg begann seine berufliche Laufbahn 1986 als Redakteur der Braunschweiger Zeitung. Danach war er Pressesprecher zunächst des DGB Niedersachsen/Bremen, ab 1991 des Niedersächsischen Sozialministeriums und ab 1995 der SPD-Landtagsfraktion Niedersachsen. 1998 übernahm er im Bundeskanzleramt die stellvertretende Leitung des Büros von Bundeskanzler Gerhard Schröder, ab 2002 war er stellvertretender Regierungssprecher, ab 2009 selbstständiger Kommunikationsberater. Quelle: Presse
Der neue VW-Entwicklungsvorstand: Frank WelschKurz nach dem Bekanntwerden von Dieselgate wurde der Entwicklungsvorstand der Marke VW, Heinz-Jakob Neußer, beurlaubt. Bei der Aufsichtsratssitzung am 9. Dezember ernannte das Kontrollgremium Frank Welsch zu seinem Nachfolger. Der promovierte Maschinenbau-Ingenieur ist seit 1994 im Konzern. Über verschiedene Stationen in der Karosserie-Entwicklung, als Entwicklungsleiter in Shanghai und Leiter der Entwicklung Karosserie, Ausstattung und Sicherheit der Marke Volkswagen arbeitete er sich zum Entwicklungsvorstand von Skoda hoch. Diesen Posten hatte Welsch seit 2012 inne.Sein Vorgänger Neußer verlässt den Konzern allerdings nicht, sondern steht laut VW-Mitteilung "dem Unternehmen für eine andere Aufgabe zur Verfügung". Quelle: Volkswagen
Der neue VW-Beschaffungsvorstand: Ralf BrandstätterRalf Brandstätter wird Vorstand für Beschaffung der Marke Volkswagen. Der 47-Jährige folgt in seiner neuen Funktion auf Francisco Javier Garcia Sanz, der die Aufgabe als Markenvorstand in Personalunion zusätzlich zu seiner Funktion als Konzernvorstand für den Geschäftsbereich Beschaffung wahrgenommen hatte. In Zukunft wird Garcia Sanz zusätzlich zu seinen Aufgaben als Konzernvorstand Beschaffung die Aufarbeitung der Diesel-Thematik betreuen. Brandstätter kam 1993 in den Konzern. Seit dem ist der Wirtschaftsingenieur in verschiedensten Posten für die Beschaffung verantwortlich gewesen, zuletzt als Leiter Beschaffung neue Produktanläufe. Zwischenzeitlich war er auch Mitglied des Seat-Vorstands. Seit Oktober 2015 ist Brandstätter auch Generalbevollmächtigter der Volkswagen AG. Brandstätter berichtet wie der ebenfalls neu berufene Entwicklungschef Frank Welsch direkt an VW-Markenvorstand Herbert Diess. Quelle: Volkswagen
Neuer VW-Personalvorstand: Karlheinz BlessingMitten in der größten Krise der Konzerngeschichte bekommt Volkswagen mit dem Stahlmanager Karlheinz Blessing einen neuen Personalvorstand. Der Aufsichtsrat stimmte am 9. Dezember bei seiner Sitzung dem Vorschlag der Arbeitnehmerseite für den vakanten Spitzenposten bei Europas größtem Autobauer zu. Blessing folgt damit auf den bisherigen Personalvorstand Horst Neumann, dieser war Ende November in den Ruhestand gegangen. Der Ernennung war eine lange Suche nach einem geeigneten Kandidaten vorausgegangen. Blessing (58) ist seit 2011 Vorstandsvorsitzender der Stahlherstellers Dillinger Hütte. Zuvor war er Büroleiter des damaligen IG Metall-Vorsitzenden Franz Steinkühler und Anfang der 1990er Jahre Bundesgeschäftsführer der SPD. 1993 ersetzte er als Arbeitsdirektor bei der Dillinger Hütte Peter Hartz, der damals zu VW nach Wolfsburg ging. Blessing sei gut in der IG Metall vernetzt, habe aber auch unternehmerische Erfahrung, hieß es in den Konzernkreisen. Quelle: dpa

Aus den Vorwürfen der US-Behörden wird Gewissheit: Auch in größeren Dieselautos von VW und den Konzerntöchtern Audi und Porsche hat eine verbotene Software für niedrigere Abgaswerte gesorgt. Audi räumte am Montagabend die Installation eines Programms in V6 TDI 3,0-Liter-Motoren ein, das in den USA als illegale Schummelsoftware gilt. Zumindest in Europa konnte VW zuletzt aber auch mal mit positiven Nachrichten aufwarten.

Bislang hatte der Konzern in den USA nur zugegeben, bei 2,0-Liter-Motoren gezielt getrickst zu haben. Als der Abgas-Skandal im September ins Rollen kam, hatte der später zurückgetretene VW-Chef Martin Winterkorn schnell ein umfassendes Schuldgeständnis im Namen des Konzerns abgegeben. Die Anfang November von den US-Umweltbehörden EPA und CARB erhobenen Vorwürfe gegen den größeren, von der Tochter Audi entwickelten Motor waren bislang aber stets abgestritten worden. Der Konzern bemühte sich, den Fall vom bereits gebeichteten Skandal abzugrenzen und als vermeintliches Missverständnis mit den US-Aufsehern um eine eigentlich legitime Software darzustellen. Nun teilte Audi aber mit, den US-Behörden seit 2009 in Zulassungsverfahren insgesamt drei Programme nicht offengelegt zu haben. Eines davon werde nach geltender US-Gesetzgebung als „Defeat Device“ betrachtet. So bezeichnen EPA und CARB verbotene Programme zur Manipulation von Abgas-Messwerten.

Defeat Devices, auf Deutsch als Abschalteinrichtung bezeichnet, können feststellen, ob sich ein Auto im Emissionstest befindet. Nur dann wird die Abgasreinigung voll aktiviert. Im Normalbetrieb ist die Luftverpestung deutlich höher als auf dem Prüfstand. Der Einbau solcher Software verstößt gegen US-Klimaschutzgesetze und kann mit drastischen Strafen geahndet werden. VW drohen immense Bußgelder, teure Rechtsstreits und hohe Rückrufkosten. Zwar bestreitet Audi weiter eine vorsätzliche Täuschung. Ein Sprecher sagte, es handele sich bei dem strittigen Programm nicht um eine Manipulations-Software: „Dann müsste das System auf dem Prüfstand anders agieren als auf der Straße - das ist aber nicht der Fall. Das Fahrzeug erkennt nicht, wenn es auf dem Prüfstand steht.“ Für die US-Regulierer zählt aber, dass die Software in den USA illegal ist und der Hersteller sie über Jahre nicht vorschriftsgemäß angemeldet hat.

Die lange Liste der Offenbarung
VW Passat US-Version, Modelljahrgang 2016 Quelle: PR
Betroffen: Seat Ibiza (falsche Werte bei CO2-Zertifizierung angegeben) Quelle: PR
Auch bei den Benzinern gibt es Probleme, und zwar mit dem CO2 Quelle: PR
Betroffen? Skoda-Modelle online prüfen. Quelle: PR
Skoda Yeti Quelle: PR
Weltweit sind bei Skoda rund 1,2 Millionen Fahrzeuge von der Abgas-Thematik betroffen. Quelle: PR
Skoda Octavia Quelle: PR

Audi hat nach eigenen Angaben mit den Umweltbehörden weitere Schritte der Zusammenarbeit vereinbart und volle Kooperation versprochen. Der Verkaufsstopp für die betroffenen Modelle sei bis auf weiteres verlängert worden. Das Unternehmen werde das Programm nun überarbeiten, detailliert dokumentieren und in den USA erneut zur Genehmigung vorlegen. Das Unternehmen schätzt den finanziellen Aufwand auf „einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag“.

Audis Erklärung ändere nichts am Vorgehen der Behörden, sagte ein CARB-Sprecher. Erst am Freitag hatten sie mit zusätzlichen Strafen gedroht. Zuvor war bekanntgeworden, dass die Software nicht nur in Volkswagen, Audi- und Porsche-Modellen der Baujahre 2014 bis 2016 installiert, sondern bereits seit 2009 verwendet wurde. Dadurch stieg die Zahl der betroffenen Wagen von 10 000 auf 85 000 an. Dazu kommen in den USA mehr als 480 000 VW- und Audi-Autos mit 2,0-Liter-Diesel, bei denen der Konzern im September Manipulationen zugegeben hatte. Unterdessen kommt VW wenigstens in Europa bei der Bewältigung des Skandals voran. Für mehr als 90 Prozent der betroffenen Konzernfahrzeuge in Europa seien inzwischen Lösungen bestätigt, sagte Vorstandschef Matthias Müller am Montag in Wolfsburg vor rund 1000 Führungskräften. Dabei sei der Aufwand für die Nachrüstung „technisch, handwerklich und finanziell überschaubar“. Der Deutschen Presse-Agentur lagen Auszüge der Rede Müllers vor.

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Bei Autos mit 1,6 Liter-Motoren sind demnach laut Müller keine „grundlegenden Eingriffe“ am Motor notwendig - wie VW zunächst angenommen habe. Für die Autos seien neben einem Software-Update zwar auch Hardware-Maßnahmen erforderlich. Dabei gehe es aber um „relativ einfache Veränderungen“ am Luftgitter beziehungsweise an der Luftfilterkassette, sagte Müller in der Rede. Bei der Abgas-Software geht es um Werte für das gesundheitsschädliche Stickoxid. Mitte September hatte Volkswagen eingeräumt, weltweit elf Millionen Dieselfahrzeuge mit diesen verbotenen Programmen ausgestattet zu haben. Außerdem aber hatte VW bei 800 000 Autos falsche Angaben zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) gemacht. Konzernchef Müller kündigte an, Mitte Dezember einen Zwischenbericht zum Skandal vorlegen zu wollen.

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