VW-Skandal Chefin der kalifornischen Umweltbehörde kritisiert VW scharf

Exklusiv

Mary Nichols, Chefin der kalifornischen Umweltbehörde „California Air Resources Board“ (CARB), kritisiert den Umgang von Volkswagen mit dem Abgasskandal scharf.

VW Quelle: AP

Der Konzern habe seit Bekanntwerden des Skandals aus Sicht der Behörde nicht adäquat reagiert, sagte sie im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Volkswagen geht mit dem Skandal aus meiner Sicht bislang nicht richtig um“, sagte Nichols. „Sie haben Rückstellungen für den finanziellen Schaden gebildet und haben eine Untersuchung gestartet. Ihnen geht es dabei darum, sich den Aktionären gegenüber gut darzustellen. Aber ich denke nicht, dass sie das wahre Ausmaß des Schadens, der bereits angerichtet wurde, erkannt haben.“

Entscheidend sei aus Sicht der Behörde, dass Volkswagen die mit den Emissionen verbundenen Umwelt- und Gesundheitsschäden erkenne und nun echte Lösungen für die Emissionsprobleme präsentiere: „In Kalifornien sind Stickoxide aus Pkw eine Hauptursache für die Feinstaub- und Ozon-Belastung“, so Nichols. „Jedes zusätzliche Gramm Stickoxide vergrößert die Gesundheitsbelastungen unserer Bürger. Volkswagen hat das in keiner Weise anerkannt oder Anstrengungen unternommen, wirklich das Problem zu lösen.“

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

CARB hat zusammen mit der amerikanischen Bundesumweltbehörde EPA den VW-Skandal durch eigene Ermittlungen ausgelöst und Volkswagen zu Zwangsmaßnahmen verpflichtet. Darüber hinaus drohen Volkswagen Strafzahlungen von US-Behörden in zweistelliger Milliardenhöhe. Je nach Schwere des Vergehens können die Strafen höher oder niedriger ausfallen. Nichols macht VW und seinen Aktionären derzeit wenig Hoffnung, dass die Strafen eher milde ausfallen könnten. Der Fall sei „der größte, unmittelbare Verstoß gegen Gesetze, den ich jemals aufgedeckt habe“, sagte Nichols der WirtschaftsWoche. „Es ist eine sehr schwerwiegende Sache, die sicherlich zu sehr hohen Strafen führen wird. Und nicht nur das. Es wird auch zu umfangreichen Klagen von Verbrauchern führen.“ Die Höhe der Strafen, so Nichols, „wird davon abhängen, wer im Management in die Entscheidungen eingebunden war. Und davon, welche wirklich substanziellen Maßnahmen Volkswagen vorschlägt, wie sie dieses Problem der zu hohen Emissionen abstellen wollen. Oder ob sie nur PR-Kampagnen starten, die zeigen sollen, dass sie eigentlich gute Leute sind“.

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