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VW-Übernahme Ex-Porsche-Manager unter Anklage

Die rechtliche Aufarbeitung der gescheiterten Übernahme von VW durch Porsche erhält weiteren Schub. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart erhebt Anklage, die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.

Eine Motorhaube eines Porsche Fahrzeugs mit dem Firmenlogo Quelle: dpa

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Anklage wegen des Verdachts des Kreditbetrugs gegen drei ehemalige Verantwortliche aus dem Finanzbereich von Porsche erhoben. Die Anklage hängt mit dem gescheiterten Versuch von  Porsche zusammen, VW  zu übernehmen. Die Beschuldigten, unter ihnen nach WirtschaftsWoche-Informationen auch Ex-Finanzvorstand Holger Härter, hätten im Rahmen der Verhandlungen zur Refinanzierung der von der Porsche Automobil Holding SE abgeschlossenen Kredite unrichtige oder unvollständige Angaben gegenüber einer der beteiligten Banken gemacht.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart die niedersächsische Staatskanzlei um Amtshilfe ersucht. Das bestätigte die Staatskanzlei der WirtschaftsWoche. Das Ersuchen ging am 14. Februar ein. Es gehe um den „Verdacht des Verstoßes gegen das Verbot der Marktmanipulation“. Die Staatskanzlei stellt nun Unterlagen für die Staatsanwaltschaft zusammen.

VW und Porsche FAQ

Das Land Niedersachsen war als VW-Großaktionär von der Übernahmeschlacht in den Jahren 2005 bis 2009 unmittelbar betroffen. Die Staatsanwaltschaft will herausfinden, ob es für Porsche schon wesentlich früher als öffentlich verkündet feststand, dass der Sportwagenhersteller Volkswagen komplett übernehmen wolle. Hätte Porsche die Übernahmepläne wider besseren Wissens dementiert, könnte dies Kursmanipulation gewesen sein. Das Unternehmen bestreitet alle Vorwürfe.

Bestrittene Vorwürfe

Damit gerät zugleich die Rolle des soeben zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff ins Blickfeld, der damals als Ministerpräsident von Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat saß. Nach einem Bericht der WirtschaftsWoche im Februar erweckt Wulff den Verdacht, früher als bisher zugegeben, davon gewusst zu haben, dass Porsche den Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages mit VW anstrebe. Dieses Insiderwissen könnte Wulff widerrechtlich für sich behalten haben. Wulff wollte sich dazu nicht äußern.

Das Hilfegesuch der Stuttgarter Staatsanwaltschaft in Hannover ist die neueste Ausweitung der rechtlichen Aufarbeitung des Übernahmekampfs zwischen Porsche und VW. Begonnen hatte diese vor zweieinhalb Jahren, als die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen ehemalige Porsche-Manager um Ex-Vorstandschef Wendelin Wiedeking und seinen Finanzvorstand Holger Härter Ermittlungen aufnahm. Dann folgten Investoren, die seit Ende des vergangenen Jahres vor den Landgerichten Braunschweig und Stuttgart Schadensersatz in Höhe von über vier Milliarden Euro gegen Porsche und Volkswagen geltend machen. Parallel dazu sind Milliardenklagen vor US-Gerichten anhängig. Die Beklagten bestreiten alle Vorwürfe.

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