VW und Renault Autobauer immer stärker unter Druck

Während der Absatz in Übersee nur so brummt, liegt er daheim am Boden - die Welt der Autobauer ist zweigeteilt. Die Folgen für manche Hersteller sind dramatisch. Das zeigen erste Quartalsbilanzen.

Gewinn und Umsatz sackten im Auftaktquartal 2013 bei Volkswagen zum Teil deutlich unter die Vergleichswerte von 2012. Quelle: Reuters

Die hartnäckige Absatzkrise in Europa setzt die Autobranche schwer unter Druck. Gleich mehrere Hersteller gaben am Mittwoch schlechte Nachrichten bekannt - Gewinnwarnung und Stellenabbau inklusive. Nach Monaten auf dem siechenden Markt stellt sich immer mehr die Frage: Wann ist das Tal endlich durchschritten?

Europas Branchenprimus Volkswagen legte am Mittwoch überraschend seine Quartalsbilanz vor - einen Tag vor der Hauptversammlung. Ergebnis: Gewinn und Umsatz sackten im Auftaktquartal 2013 zum Teil deutlich unter die Vergleichswerte von 2012. Dennoch hält VW an seinen bisherigen Jahresprognosen fest und will 2013 mehr Fahrzeuge ausliefern als im Jahr zuvor. Doch der Dax-Riese warnte mit Blick auf Europa: „Dem intensiven Wettbewerb und den daraus resultierenden Belastungen können wir uns jedoch nicht vollständig entziehen.“ VW-Vorstandschef Martin Winterkorn machte aber Hoffnungen „dass wir im weiteren Jahresverlauf an Fahrt aufnehmen können“.

Die erfolgreichsten Autobauer der Welt
Wer ist Verkaufs-, Gewinn- und Flexibilitäts-Champion?Erst vor wenigen Wochen präsentierten die Autobauer auf der 83. Internationalen Automobilsalon in Genf ihre Innovationen und legten damit den Grundstein für neue Erfolge. Wie erfolgreich die größten Automobilhersteller der Welt sind und wer die Nummer eins unter den neun absatzstärksten Autobauern ist, damit hat sich das CAR-Center Automotive Research unter Leitung von Ferdinand Dudenhöffer auseinandergesetzt. Als Kriterien für den Erfolg haben die Experten drei Kategorien definiert: Verkaufserfolg (Absatzentwicklung), Gewinnmargen sowie Flexibilität & Effizienz. Als Maßstab hierfür gilt der Umsatz pro Mitarbeiter. Hat ein Konzern einen geringen Umsatz pro Mitarbeiter - also eine geringe Arbeitsproduktivität - ist seine Effizienz verbesserbar. Quelle: dpa
Peugeot-CitroenFahrzeugabsatz: 2,95 Millionen Gewinnmarge 2012: -3,9 % Umsatz pro Mitarbeiter: 187.000 Gewinn pro Fahrzeug: - 510 EuroDer französische Autobauer kränkelt, zu viele Mitarbeiter erzeugen Verluste. Das Problem mit den Überkapazitäten kommt beim niedrigen Umsatz pro Mitarbeiter zum Vorschein. Hier bildet Peugeot-Citroen das Schlusslicht. Dudenhöffer: "Schwierig stellt sich die Lage bei den Automarken dar, die überwiegend in Europa agieren. So hat Peugeot-Citroen 510 Euro Verlust pro verkauftem Fahrzeug erwirtschaftet" Quelle: dpa
HondaFahrzeugabsatz: 3,96 Millionen Gewinnmarge 2012: 5,5 % (1,8 in der Autosparte) Umsatz pro Mitarbeiter: 490.000 Gewinn pro Fahrzeug: 319 Euro Die hohe Gewinnmarge kann trügen - beim japanischen Hersteller hat die Automobilsparte nur 1,8 Prozent Gewinn erwirtschaftet. Autoexperte Dudenhöffer: "Honda hat im Automotive-Geschäft die Nachwirkungen der Naturkatastrophen des Jahres 2011 noch zu verdauen. Dies zeigt, wie wichtig für Honda Power-Tools und Motorräder als wichtige Konzernsparten sind". Quelle: REUTERS
Fiat-ChryslerFahrzeugabsatz: 4,29 Millionen Gewinnmarge 2012: 4,5 % Umsatz pro Mitarbeiter: 391.000 Gewinn pro Fahrzeug: 1579 EuroChrysler hat den im Jahr 2012 den größten Gewinn pro Fahrzeug eingefahren und erreicht damit Platz eins vor allen anderen Autobauern im Nicht-Premium-Bereich. Dudenhöffer: "Die Überraschung ist sicher Fiat-Chrysler. Für beide Unternehmen wurde noch vor ein paar Jahren keine Zukunft mehr vorausgesagt. Mittlerweile ist Fiat-Chrylser profitabler als der VW-Konzern ohne Audi. Dabei enthält VW ohne Audi noch Porsche, Bentley, Lamborghini, Bugatti – ist also durchaus vergleichbar mit Fiat-Chrylser, die Ferrari und Maserati halten. Fiat-Chrysler-Chef Marchionne hat also deutlich besser abgeschnitten als vielfach vermutet. Allerdings hat sich Fiat-Chrysler durch hohe Einsparungen bei Produktinvestitionen sein Ergebnis 'verdient'. Langfristig hat Fiat-Chrylser damit ein höheres Risiko". Quelle: REUTERS
FordFahrzeugabsatz: 5,67 Millionen Absatzwachstum 2008-2012: 2 % Gewinnmarge 2012: 5,9 %Umsatz pro Mitarbeiter: 586.000 Euro Gewinn pro Fahrzeug: + 890 Euro Ford Auto; - 967 Ford Europe Ford liegt beim Umsatz pro Mitarbeiter auf Platz zwei, und kann auch eine erstaunlich hohe Ebit-Marge ausweisen. Dudenhöffer: "Überraschend ist die hohe Profitabilität von Ford trotz hoher Verluste im Europageschäft. Ähnliches gilt auch für GM mit den Europaverlusten und Fiat-Chrysler." Beim Absatz und Absatzwachstum belegt Ford allerdings den letzten Platz. Quelle: AP
Renault-NissanFahrzeugabsatz: 7,60 Millionen Absatzwachstum 2008-2012: 25 % Gewinnmarge 2012: 3,5 % Umsatz pro Mitarbeiter: 353.000 Euro Gewinn pro Fahrzeug: - 241 Euro Renault ; + 890 Euro Nissan Den Absatz konnte Renault-Nissan in den vergangenen fünf Jahren zwar ordentlich steigern - vergleichsweise stärker als Toyota oder GM - doch in den anderen Kategorien sieht es mau aus. Die Ebit-Marge ist mit 3,5 Prozent die geringste unter den Big Six (Toyota, Ford, Hyundai-Kia, GM, Renault Nissan, VW). Mit einem Verlust von 241 Euro pro verkauftem Neuwagen hat Renault massiv unter den Krise in seinem Kernmarkt Europa gelitten. Quelle: REUTERS
General MotorsFahrzeugabsatz: 9,29 Millionen Absatzwachstum 2010-2012: 11 % Gewinnmarge 2012: 5,2 % Umsatz pro Mitarbeiter: 534.000 Euro Gewinn pro Fahrzeug: 635 Euro Die US-Mutter des deutschen Autobauers Opel liegt in allen Kategorien im Mittelfeld. Beim Absatz weltweit die Nummer drei, reicht es bei den restlichen Kennzahlen nur für den vierten Platz. Beim Gewinn pro Fahrzeug ergeben sich je nach Marke im GM-Konzern große Unterschiede. So fuhr Opel-Vauxhall im vergangenen Jahr pro Fahrzeug einen Verlust von 834 Euro ein, im Gesamtkonzernschnitt reicht es dank der starken US-Marken wie Chevrolet und Buick für 635 Euro - ein Platz im hinteren Mittelfeld. Skoda liegt etwa mit einem Wert von 758 Euro deutlich vor GM. Quelle: dpa
VW KonzernFahrzeugabsatz: 9,34 Millionen Absatzwachstum 2010-2012: 49 % Gewinnmarge 2012: 6,0 % Umsatz pro Mitarbeiter: 350.000Gewinn pro Fahrzeug bei VW Pkw: 751 Euro Der Volkswagen-Konzern schafft es in fast allen Kategorien auf den zweiten Platz. Nur beim Umsatz pro Mitarbeiter bildet VW das Schlusslicht im Ranking. Dudenhöffer: "Legt man die Profitabilitätskennziffer Ebit-Marge zugrunde, arbeitet der VW-Konzern zwar gut, aber unter Berücksichtigung der großen Europa-Probleme von Fiat, Opel und Ford relativiert sich die Profitabilität". Der VW-Gewinn wird außerdem maßgeblich durch Audi geprägt. Rechnet man Audi heraus, bleibt dem VW-Konzern eine Ebit-Marge von 4,2 Prozent . "Gegenüber Ford, GM und auch Chrysler-Fiat (4,5 %) ist das ernüchternd." Quelle: dpa
ToyotaFahrzeugabsatz: 9,7 MillionenAbsatzwachstum 2010-2012: 9 % Gewinnmarge (Ebit-Marge) 2012: 4,8 % Umsatz pro Mitarbeiter: 635.000 Euro Gewinn pro Fahrzeug: 707 Euro Mit 9,74 Millionen Fahrzeugen ist Toyota klar Marktführer im Jahr 2012. Auch beim Umsatz pro Mitarbeiter liegt Toyota mit 635.000 Euro vor VW, GM, Renault-Nissan, Hyundai-Kia und Ford. Weniger punkten können die Japaner beim Absatzwachstum und bei der Ebit-Marge. In beiden Kategorien landen sie auf Platz fünf unter den Big Six. Quelle: dpa
Hyundai-KiaFahrzeugabsatz: 7,12 Millionen Absatzwachstum 2008-2012: 71 % Gewinnmarge 2012: 9,1 %Umsatz pro Mitarbeiter: 580.000 ( Mitarbeiterzahl geschätzt)Gewinn pro Fahrzeug: 1183 Euro Hyundai-Kia ist mit einer Ebit-Marge von 9,1 % klarer Profit-Champion bei den großen Autokonzernen, vor VW, Ford, GM und Toyota. Dudenhöffer: "Hyundai-Kia ist der mit klarem Abstand profitabelste Volumenhersteller. Der Ebit-Margen-Vergleich signalisiert, dass eine hohe Belegschaft keine Profitabilitätsvorteile hat. Die höchste Wachstumsgeschwindigkeit und höchste Profitabilität wird - nimmt man Hyundai-Kia als Benchmark - mit relativ kleiner Mitarbeiterzahl erreicht. " Hyundai liegt bei der Gewinnmarge, beim Absatzwachstum und beim Gewinn pro Fahrzeug unter den Big Six auf Platz eins. Allerdings befinden sich Premiumhersteller bei einigen Indikatoren noch vor den Big Six... Quelle: REUTERS
DaimlerFahrzeugabsatz: 2,19 Millionen Gewinnmarge (Ebit-Marge) 2012: 7,5% Umsatz pro Mitarbeiter: 415.000 EuroGewinn pro Fahrzeug: 3023 Euro Die Premiumhersteller bauen zwar weniger Autos als die Big Six - doch sie überholen die großen Autobauer in anderen Bereichen um Längen - beim Umsatz pro Mitarbeiter und pro Fahrzeug zum Beispiel. Sie spielen in einer eigenen Liga. Quelle: REUTERS
BMWFahrzeugabsatz: 1,84 Millionen Gewinnmarge (Ebit-Marge) 2012: 10,9 % Umsatz pro Mitarbeiter: 726.000 EuroGewinn pro Fahrzeug: 4132 EuroAuch bei der Gewinnmarge haben die Premiumhersteller die Nase vor. BMW ist ein gutes Beispiel dafür. Dudenhöffer: "Mit 4132 Euro pro Fahrzeug hat BMW mit seinen Marken BMW, Mini und Rolls-Royce im Jahr 2012 BMW den zweithöchsten Gewinn unter den deutschen Autobauern erzielt." Quelle: AP
Vor den Bayrischen Motorenwerke befindet sich Porsche: Die Schwaben konnten 2012 17.056 Euro Gewinn pro Fahrzeug und eine Marge von 17,6 Prozent rausholen. Dudenhöffer: "Wer hohe Umsätze pro Mitarbeiter generieren kann, erwirtschaftet im Automobilgeschäft höhere Renditen. Dies zeigt sich auch im Premiumgeschäft. Porsche konnte im Jahr 2012 pro Mitarbeiter einen Umsatz von 792.000 Euro erwirtschaften". Quelle: dpa

Der VW-Konzern profitiert derzeit von der starken Position auf seinem wichtigsten Absatzmarkt China - dort gab es im Auftaktquartal gut 21 Prozent Verkaufsplus. Damit gleichen die Wolfsburger die Belastungen in Europa aus. Ganz anders das Bild bei Daimler: Dort kommen zur Absatzkrise in Europa Probleme im Wachstumsmarkt China. Ein verpatzter Jahresstart brockte den Schwaben gleich die zweite Gewinnwarnung binnen weniger Monate ein. Der Dax-Konzern rechnet für 2013 nicht mehr damit, das operative Ergebnis von 2012 (8,1 Milliarden Euro) erreichen zu können. „In den ersten drei Monaten des Jahres haben sich viele Märkte, insbesondere Westeuropa, konjunkturbedingt schlechter entwickelt als erwartet“, erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Die Probleme daheim schlugen auch beim französischen Autobauer PSA Peugeot Citroën aufs Neue mächtig ins Kontor. Im ersten Quartal fielen die Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,5 Prozent auf 13,03 Milliarden Euro, wie der nach VW zweitgrößte europäische Hersteller am Mittwoch mitteilte. In der Autosparte allein lag das Minus sogar bei 10,3 Prozent. Schwarze Zahlen gab es lediglich bei der Zulieferer-Tochter Faurecia, die zum Beispiel Fahrzeugsitze herstellt.

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