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VW US-Behörde untersucht mögliche Vertuschung von Sicherheitsmängeln

Exklusiv

Für Volkswagen wird die Lage in den USA immer bedrohlicher: Die Verkehrssicherheitsbehörde überprüft, ob VW Sicherheitsprobleme und technische Mängel verschwiegen hat. Den Wolfsburgern drohen Milliardenklagen.

Eine US-Fahne spiegelt in Logo und Kühlergrill eines Volkswagen-Fahrzeugs Quelle: dpa

Nicht nur die oberste Umweltbehörde des Landes, die EPA, hat den Autokonzern Volkswagen im Visier und wirft ihm manipulierte Abgaswerte bei VW-, Audi- und Porsche-Modellen vor. Auch die nationale US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA geht nach Informationen der WirtschaftsWoche nun gegen den VW-Konzern vor.
Die Behörde, die dem amerikanischen Verkehrsministerium unterstellt ist, überprüft, ob VW möglicherweise Sicherheitsprobleme bei Fahrzeugen verschwiegen hat. NHTSA-Sprecher Gordon Trowbridge erklärte gegenüber der WirtschaftsWoche, dass die Behörde „in Diskussionen mit VW-Verantwortlichen eine Überprüfung des Sachverhalts durch einen unabhängigen, externen Gutachter angeordnet hat“. Diese Prüfung sei „Teil der Bemühungen von VW, die Sicherheitsvorschriften einzuhalten“.

Eine US-Sprecherin von VW beteuerte gegenüber der WirtschaftsWoche die Absicht mit der Behörde zu kooperieren und den Sachverhalt aufzuklären.

Autohersteller, die auf dem US-Markt Fahrzeuge vertreiben, sind verpflichtet, die NHTSA über Unfälle mit Toten oder Verletzten zu unterrichten. Berichtspflicht besteht, wenn mögliche Geschädigte beim Hersteller Ansprüche geltend gemacht haben. Die Zahl solcher Schadenersatzforderungen, die Volkswagen gemeldet hat, war in den vergangenen Jahren derart niedrig, dass die Behörde nun der Frage nachgeht, ob VW Klagen und damit womöglich technische Mängel verschwiegen hat.

Die Wolfsburger haben in den USA einen ähnlich hohen Marktanteil wie BMW oder Daimler. Doch während Daimler im vergangenen Jahr 200 Schadenersatzforderungen an die Aufsichtsbehörde meldete und BMW 143, waren es bei VW nur 47. Wie eine Auswertung von NHTSA-Zahlen durch die WirtschaftsWoche ergab, waren die VW-Zahlen in den Jahren zuvor sogar noch niedriger: Zwischen 2007 und 2013 meldete VW durchschnittlich nur 18 Fälle pro Jahr.

Matthias Müller in Abgasskandal verstrickt?

„Was hinter diesen Zahlen steckt, wissen wir nicht“, sagte der Manager eines anderen deutschen Autobauers im Gespräch mit der WirtschaftsWoche, „aber nachvollziehen kann unsere Fachabteilung dies beim besten Willen nicht.“

Die größten Rückrufe der letzten Jahre

Sollte der von NHTSA angeordnete, externe Gutachter Belastendes finden, könnte das für VW „noch explosiver als Dieselgate sein“, sagt der US-Staranwalt Steve Berman von der Kanzlei Hagens Berman Sobol Shapiro in Seattle im US-Bundesstaat Washington. Berman hatte 1998 als leitender Rechtsberater der US-Bundesstaaten einen Schadenersatz der Tabakindustrie von rund 216 Milliarden Dollar erstritten und war in Milliardenklagen gegen etliche andere Konzerne erfolgreich.

„Die Berichte an die NHTSA sind sakrosankt“, warnt er. General Motors etwa habe bei den defekten Zündschlössern, die über 100 tödliche Unfälle verursachten, die NHTSA nicht korrekt informiert. „Die US-Regierung hat allein dafür eine Strafe von 90 Millionen Dollar verhängt“, erläutert Berman.

Der neue rechtliche Ärger kommt für VW-Chef Matthias Müller zur Unzeit. Denn seit Montag steht der Verdacht im Raum, dass der Skandal um manipulierte Abgaswerte weitere Modelle von Audi und Porsche betreffen könnte. Damit wäre erstmals auch Porsche betroffen – also jene Marke, die bis vor Kurzem von Müller selbst geleitet wurde. Eine Verstrickung Müllers in den Abgasskandal erscheint damit möglich. Sie könnte ihn als VW-Chef letztlich untragbar machen.

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