Wachsende Konkurrenz Wenn plötzlich nur noch Premium zählt

Volvo, Jaguar, Alfa Romeo – sogar Citroën und Ford drängen ins Premiumsegment. Ein kleiner Konkurrent kann BMW, Audi und Mercedes kaum schrecken, doch in der Summe steigt der Druck auf die Klassenführer.

Mercedes bringt die Power-C-Klasse
Audi A6An der Frontpartie wird sich gegenüber dem aktuellen Modell beim überarbeiteten A6 einiges tun. Der Grill bekommt einen neuen Look, ebenso die Schweinwerfer. Wie schon beim Facelift des A7 sind diese künftig auch als LED-Matrix-Scheinwerfer zu haben. Die 25 einzelnen Leuchtdioden lassen sich je nach Lichtsituation zu- und abschalten oder auch dimmen. Dazu gibt es ein intelligentes Kurvenlicht. Auch von hinten macht der A6 künftig eine sportlichere Figur. Die Heckschürze wird überarbeitet, links und rechts fallen hier beim S6 die doppelflutigen Auspuffrohre auf. Die Sportversion des A6 bekommt zudem ein optimiertes Fahrwerk, stärkere Bremsen, Sportlenkrad, Sitze und Carbon-Finish. Quelle: Audi
Audi TT RoadsterDie Ingolstädter zeigen die offene Version des TT mit Stoffverdeck. Der Roadster ist leichter und sportlicher als sein Vorgänger und bringt schmale Xenon-Plus-Schweinwerfer mit LEX- oder Matrix-LED-Technik mit. Wie beim Coupé (im Bild) findet sich auch im Roadster das Virtual Cockpit mit verschiedenen Anzeigemodi. Zum Start wird der Roadster mit zwei 2,0-Liter-TFSI Benziner mit 230 und 310 PS sowie dem 2,0 TDI Diesel mit 184 PS angeboten. Ab März 2015 soll der TT Roadster beim Händler stehen. Quelle: Audi
Audi TT SportbackAudi wird neben dem Serienmodell des TT Roadster ein Concept Car auf Basis des TT zeigen. Der TT Sportback soll als viertüriges Coupé einen Ausblick auf den Ausbau der Modellfamilie geben. Die Serienchancen des Sportback dürften allerdings höher sein als das zuletzt gezeigt SUV auf TT-Basis. Der TT Sportback könnte direkt neben die ebenfalls dynamisch gezeichneten Mercedes CLA und BMW 2er Gran Coupé antreten. Damit würden bei Audi zwei viertürige Kompakt-Limousinen nebeneinander existieren, die A3 Limousine ist allerdings deutlich praktischer veranlagt. Quelle: Audi
Citroën C4 Cactus 2L ConceptSchon ohne Hightech-Sparmodus sorgte der SUV Cactus mit seinem Luftkissen an den Flanken für Aufsehen. Jetzt setzt Citroën noch einen drauf und zeigt in Paris die 2-Liter-Version „Airflow“. Rund 100 Kilometer beziehungsweise 11 Prozent hat der Franzose abgespeckt, dank Aluminium in der Bodengruppe und Polycarbonat statt Glas im Panoramadach. Außerdem haben die Ingenieure und Designer des SUV aerodynamisch optimiert. So schließen und öffnen sich die vorderen Lufteinlässe bei Bedarf in drei Stufen. Die Außenspiegel fehlen bei dieser Studie ganz, dafür gibt es Kameras im Inneren. Für noch mehr Spritersparnis sorgen die schmalen, aber dafür großen 19-Zoll-Reifen. Dank neuem Hybridmotor soll der Cactus so in der Stadt bis zu 45 Prozent weniger Sprit verbrauchen. dieser neue „hydraulische Hybrid“, den die Citroen-Mutter PSA gemeinsam mit Bosch entwickelt hat, soll 2016 in die ersten Serienfahrzeuge kommen. Quelle: Citroën
Ferrari 458 Speciale AJa, es ist ein Spider, er heißt aber nicht so: Während dem 571 PS starken Sportwagen Coupé 458 Italia der offene 458 Spider folgte, hat Ferrari bei der Supersport-Version den Namen geändert. Dem 458 Speciale wird der 458 Speciale A zur Seite gestellt. Das A steht für „Aperta“, zu deutsch geöffnet. Der 458 Speciale A ist mit seinem 605 PS starken V8 der stärkste Spider in der Geschichte des Sportwagenbauers. Das auf 499 Exemplare limitierte Modell soll an die Motorsporterfolge der 458-Baureihe erinnern, unter anderem einen Doppel-Titel in der Langstrecken-Weltmeristerschaft WEC sowie den Klassensieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Neben dem starken Motor, der bereits drei Mal den Best Performance Engine Award gewonnen hat, wurde auch die Aerodynamik optimiert. Mit seinen innovativen Lösungen an Front und Heck soll der offene Speciale der aerodynamisch effizienteste Spider von Ferrari sein. Quelle: Ferrari
Fiat 500XBislang ist im Internet nur dieses verpixelte Bild aufgetaucht: Mit dem Kompakt-SUV 500X bringt Fiat das gefühlt auch x-te Derivat der 500er Serie auf die Showbühne. Das Plattform teilt sich der Italiener mit seinem amerikanischen Bruder Jeep Renegade, der im Oktober zum Händler kommt. Der 500X ersetzt den Sedici, den Fiat in Kooperation mit Suzuki baute. Der 500X wird wie der Renegade auch im Werk Melfi gefertigt. Die Produktion des Kompakt-SUV und des Jeep-Offroader sollen dafür sorgen, dass das Werk wieder ausgelastet wird.
Honda CivicHonda hat erste Details zum Civic des Modelljahrgangs 2015 bekannt gegeben und einen Civic Sport angekündigt. Sowohl Civic Fünftürer als auch Civic Tourer erhalten eine sportlichere Frontpartie, die über neue Scheinwerfer mit integriertem LED-Tagfahrlicht sowie einen neuen Stoßfänger verfügt. Der Civic Fünftürer wartet zudem mit einem neuen Heckstoßfänger, Seitenschwellerverkleidungen, einem schwarzen Heckspoiler und LED-Rückleuchten auf.Der Civic Sport soll sich beim Design am sportlichen Type R orientieren und verfügt über einen Wabengrill-Stoßfänger, schwarze 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, einen in Wagenfarbe lackierten Heckspoiler sowie schwarzen Dachhimmel. Quelle: Honda

Kurz vor dem Jahreswechsel macht Audi medienwirksam nochmals Dampf: Die VW-Tochter stockt ihr größtes Investitionsprogramm der Unternehmensgeschichte nochmals auf. 24 Milliarden Euro stecken die Ingolstädter von 2015 bis 2019 in die Entwicklung neuer Modelle und Technologien. Zwei Milliarden mehr als im vorherigen Planungszeitraum. Elektromobilität, Vernetzung und Leichtbau sind für Chef Rupert Stadler die Themen, mit denen die Premiummarke nachhaltig wachsen soll. Das Aufrüsten beim Investitionsprogramm verschafft Audi nicht nur die nötige Schlagkraft gegen den bayerischen Erzrivalen BMW. Die Zahl der Hersteller, die ebenfalls ein Stück vom Premium-Kuchen abhaben wollen wird immer größer.

Mit der Studie "Divine", der Göttlichen, gab sich Citroën etwa auf dem Pariser Autosalon gänzlich unbescheiden. Der französische Autobauer will an das große Erbe der Edeltochter DS (déesse = Göttin) anknüpfen. Die göttlichen Autos der Linie aus den Jahren 1955 bis 1975 zählen zu den gefragtesten Klassikern. Das Design setze Maßstäbe, die DS wurde zum Mythos. Doch Citroën schaffte es nicht die Geschichte weiterzuerzählen. Der Mythos verblasste, die Oberklasse-Limousine C6 wurde sogar mangels Erfolg 2012 eingestellt.

Diese traurige Kapitel will PSA-Chef Carlos Tavares endgültig schließen. 500.000 DS-Modelle verkaufte Citroën in den vergangenen vier Jahren, Divine, "die Göttliche", soll den Weg in die höheren Absatzsphären weisen. Mit ihrem gewagten Design – vom schildpanzerartigen Heck bis zu edelstem Leder aus der Sattlerei Rue Faubourg Saint Honore und Swarowski-Kristallen im Cockpit – die Divine ist eine in Stahl gegossene Kampfansage an die deutschen Premiumhersteller: "Attention, allemands, wir kommen!"

Eine Armada von Herausforderern

Und die Franzosen kommen nicht alleine. Eine ganze Armada von Importeuren plant den Angriff auf die Premium-Platzhirsche BMW, Audi und Mercedes. An der Spitze der schwedische Hersteller Volvo, dicht gefolgt vom britischen Jaguar-Land-Rover-Konzern. Volvo hat den SUV XC 90 und Jaguar die Kompaktlimousine XE, die BMW 3er und 4er Konkurrenz machen soll, ins Rennen geschickt.

Mit dem Baukasten in ein neues Zeitalter
Die zweite Generation des XC90 schlägt bei Volvo ein neues Kapitel der Unternehmensgeschichte auf. Als erstes Modell der Schweden basiert das Groß-SUV auf der eigens entwickelten spalierbaren Produkt-Architektur (SPA), auf dem künftig alle größeren Volvo-Modelle aufbauen werden. Quelle: Volvo
In die Entwicklung des SPA und die Umrüstung der Werke auf die neue Produktionsweise hat Volvo insgesamt rund 75 Milliarden schwedische Kronen (acht Milliarden Euro) investiert. Diese hohe Summe war nötig, da es schlichtweg keine passende Plattform im Unternehmen gab – als Volvo von 1999 bis 2010 zu Ford gehörte, basierten die Modelle auf Plattformen der US-Mutter. Nach der Übernahme durch Geely musste eine eigene Technik-Basis her. Quelle: Volvo
Die Grundidee der SPA: Nur ein Maß, der Abstand zwischen Vorderachse und A-Säule, ist festgelegt. Sämtliche andere Größen sind wie im Schaubild gezeigt variabel. Somit können auf einer Plattform mit gleichen Motoren und Fahrwerksteilen unterschiedlich große Autos gebaut werden – von der künftigen Generation der Mittelklasse-Limousine S60 bis hin zum jetzt vorgestellten Groß-SUV XC90. Das spart Entwicklungs- und Produktionskosten. Quelle: Volvo
Daher kommt dem XC90 als Vorreiter der Baukasten-Strategie bei Volvo eine besondere Rolle zu. Firmenchef Håkan Samuelsson sprach bei der Vorstellung von „einem der wichtigsten Tage der Unternehmensgeschichte“. Diesen Neuanfang – schließlich ist der XC90 das erste vollständig unter der Regie des neuen Eigentümers Geely entwickelte Modell – symoblisiert Volvo auch durch ein neues Logo. Quelle: Volvo
Der Schriftzug wurde etwas schlanker und moderner, die Buchstaben haben nun einen schwarzen Hintergrund. Bislang war dieser blau, die Farbe ist aber komplett aus dem neuen Logo verschwunden. Zudem weist jetzt die diagonale Strebe den selben Winkel wie der Pfeil auf. Quelle: Volvo
Das neue Logo dürften aber selbst Fachleute erst bei näherer Betrachtung erkennen. Deutlich auffälliger und für jeden weithin sichtbar sind die neuen, T-förmigen Tagfahrleuchten, die beim XC90 selbstbewusst in den Rückspiegeln der vorausfahrenden Autos auftauchen. Diese „Thors Hammer“ genannte Lichtsignatur ist Teil der neuen Designsprache und wird sich nach und nach in allen neuen Modellen der Schweden wiederfinden. Quelle: Volvo
Eine weitere Besonderheit des SPA-Baukastens: Es gibt nur noch Motoren mit vier Zylindern und zwei Litern Hubraum. Die prestigeträchtigen Sechs- und Achtzylinder haben bei Volvo ausgedient. Den Einstieg bilden zwei Diesel mit 190 oder 225 PS, darüber rangieren zwei Benziner mit jeweils 254 PS und 320 PS. Quelle: Volvo

Fiat-Chrysler bringt laut Plan bis 2018 acht Premium-Modelle der fast schon tot geglaubten Marke Alfa Romeo auf die Straße, Nissan will mit seiner Edel-Tochter Infiniti den Durchbruch auf dem europäischen Markt schaffen und Ford hat unter dem Namen "Vignale" eine neue Ausstattungslinie nebst dazugehörigem Showroom-Konzept angekündigt. Nicht zu vergessen: Toyotas Nobelableger Lexus, der in den USA große Erfolge feiert, will ebenfalls endlich in Europa punkten.

Der Zeitpunkt ist günstig...

Die Zeiten für den Vorstoß ins Premium-Geschäft sind günstig wie nie. Der Markt für Premiumfahrzeuge hat seit dem Jahr 2000 stärker zugelegt als der gesamte Pkw-Markt. Das CAR Center Automotive Research geht davon aus, dass das auch so bleibt. Bis 2030 soll das Segment jährlich um 5,6 Prozent wachsen, der Pkw-Markt nur um 3,5 Prozent. Franzosen, Italiener, Briten, Schweden und Japaner haben dabei vor allem eines vor Augen: eine üppige Marge. Während mit Klein- und Kompaktwagen nur magere ein bis vier Prozent vom Umsatz hängen bleiben – in der vergangenen Jahren mussten PSA und Fiat sogar draufzahlen, um Fahrzeuge abzusetzen und die Werke am Laufen zu halten – locken bei Premiumfahrzeugen zwischen acht und 12 Prozent.

Woraus sich der Preis eines Neuwagens zusammensetzt

Der Run auf die Oberklasse sei "auch aus der Not geboren", sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive in Bergisch Gladbach mit Blick auf die veränderten Angebote der Autobauer. "Die Premiumhersteller dringen in alte Reservate der Volumenhersteller ein." Seit geraumer Zeit bieten sie nämlich auch kleine, sparsame Stadtflitzer, kompakte Zweitautos oder ausladende Familienkutschen an. So ziehen sie Kunden an, die früher billigere Marken gekauft haben. "Die Volumenhersteller werden zerdrückt – von oben von den Premiumherstellern mit ihrem Image, von unten von den Low-cost-Anbietern wie Hyundai, Kia oder später den Chinesen. Um aus dieser Problematik ein Stück weit zu entkommen, flüchten sie sich in die Oberklasse."

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