Wandel kostet Milliarden: SUV und China sollen Audi wieder nach vorne bringen
Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, steht vor der Bilanz-Pressekonferenz neben einem Audi E-tron Prototype.
Foto: dpaDie große Schmach bleibt Rupert Stadler dieses Jahr erspart. 2017 hatten am Morgen der Jahrespressekonferenz Dutzende Ermittler und Staatsanwälte die Audi-Zentrale durchsucht, um Beweismaterial im Zuge der Abgasskandal-Ermittlungen sicherzustellen. Und Stadler musste wenige Meter weiter im Firmenmuseum vor Journalisten aus aller Welt gute Miene zum bösen Spiel machen und die Unternehmensbilanz präsentieren. Der Aufruf, wieder nach vorne zu blicken, wirkte angesichts der Staatsanwälte im Haus absurd.
Am Donnerstag versucht es Stadler erneut: „Wir sprechen heute über einen Aufbruch“, beginnt er seine Rede. „Aufbruch bedeutet, dass wir Altes durchbrechen und uns Neuem stellen.“
Ganz kann Stadler die Vergangenheit jedoch nicht hinter sich lassen. Bei den wichtigsten Kennzahlen lag Audi zwar knapp über dem Vorjahr. Der Umsatz beispielsweise ist erstmals über die Marke von 60 Milliarden Euro gestiegen. Auf dem Operativen Ergebnis von 4,7 Milliarden Euro lasten jedoch weitere Rückstellungen wegen der Diesel-Krise in Höhe von 387 Millionen Euro.
Platz 14: Audi Q8/e-tron
2017: 368 Einheiten
2016: -
Im Geschäftsbericht weist der Konzern für 2017 368 produzierte Einheiten des Audi Q8/e-tron aus. Das ist allerdings ein Wert ohne große Aussagekraft, da sowohl der Q8 als auch der e-tron erst noch in den Handel kommen. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Showcars und die sogenannte Nullserie: Damit wird die Fertigung getestet, die Fahrzeuge werden in der Regel demontiert und zu Qualitätszwecken analysiert.
Foto: AudiPlatz 13: Audi R8
2017: 3179 Einheiten
2016: 3688 Einheiten
Beim Sportwagen R8 gingen die Produktionszahlen zurück. Das liegt an der sinkenden Nachfrage: Das Modell ist in die Jahre gekommen, zuletzt gab es (außer einer limitierten Sonderserie mit Heckantrieb) wenig Neues. Andere Sportwagen sind inzwischen moderner.
Foto: AudiPlatz 12: Audi A8
2017: 15.854 Einheiten
2016: 24.179 Einheiten
Das Flaggschiff A8 hatte 2017 mit einem Produktionseinbruch zu kämpfen. Der Grund ist der Generationenwechsel auf das aktuelle Modell: Die Nachfrage nach dem Vorgänger sank, zudem standen wegen der nötigen Umbauarbeiten die Bänder zeitweise still. Für den A8 wird 2018 als erstes volles Produktionsjahr des aktuellen Modells der Gradmesser für den Erfolg, nicht der Wert von 2017.
Foto: AudiPlatz 11: Audi A7
2017: 16.968 Einheiten
2016: 26.308 Einheiten
Die erste Generation des A7 war 2017 in ihrem letzten Produktionsjahr. Da die Kundschaft der teuren Fließhecklimousine wohl eher Wert auf das aktuelle Modell denn auf ein paar tausend Euro Preisnachlass legt, sank die Nachfrage zuletzt spürbar. Der Nachfolger steht bereits in den Startlöchern.
Foto: AudiPlatz 10: Audi TT
2017: 22.174 Einheiten
2016: 26.886 Einheiten
Auch beim Coupé TT ging die Nachfrage im vergangenen Jahr zurück. Bei der 2014 eingeführten Baureihe steht bald eine Modellpflege an. Sollte das Interesse dann nicht steigen, könnte es das für den TT gewesen sein: Seine Produktion gilt als vergleichsweise teuer, mit anderen Modellen lassen sich nur wenige Synergien herstellen. Falls Audi im Zuge der Sparmaßnahmen auch bei ganzen Baureihen den Rotstift ansetzt, könnte der TT gestrichen werden.
Foto: AudiPlatz 9: Audi A1
2017: 95.346 Einheiten
2016: 105.252 Einheiten
Der A1 erreicht allmählich das Ende seiner Produktionszeit. Seit 2010 wird der Kleinwagen angeboten, 2015 gab es eine Modellpflege. Der Nachfolger ist genehmigt, wird aber nicht mehr in Brüssel, sondern bei Seat in Spanien gebaut werden. Die dreitürige Variante entfällt bei der zweiten Generation.
Foto: AudiPlatz 8: Audi Q2
2017: 102.084 Einheiten
2016: 19.419 Einheiten
Der Produktionsrückgang beim A1 hat auch mit diesem Modell zu tun: Der Q2 hat zwar viele neue Kunden für Audi erobert, einige aber auch vom Kauf eines A1 abgehalten. Dennoch dürfte sich der Q2 für Audi gelohnt haben, in seinem ersten vollen Jahr hat das Kompakt-SUV sechsstellige Produktionszahlen erreicht – aber neben dem A1 womöglich auch dem Q3 intern einige Kunden weggeschnappt. Interessant wird, ob der Q2 dieses Niveau 2018 halten oder gar noch ausbauen kann.
Foto: AudiPlatz 7: Audi Q7
2017: 106.515 Einheiten
2016: 103.344 Einheiten
Absatz und Produktion des Q7 sind sehr stabil. Das große SUV hat sich bei knapp über 100.000 Fahrzeugen eingependelt.
Foto: AudiPlatz 6: Audi A5
2017: 119.595 Einheiten
2016: 65.117 Einheiten
2016 stand beim A5 ein Modellwechsel an. Im ersten vollen Jahr hat die zweite Generation wieder das Niveau des Vorgängers erreicht. Die beliebteste Variante der A5-Baureihe ist der viertürige Sportback.
Foto: AudiPlatz 5: Audi Q3
2017: 205.006 Einheiten
2016: 231.452 Einheiten
Das Interesse am Q3 ist 2017 spürbar zurückgegangen, es wurden mehr als 20.000 Exemplare weniger gefertigt als 2016. Das Modell hat zwar ein Facelift erhalten, dennoch dürfte der modernere Q2 im Lifestyle-Sektor und die wachsende SUV-Konkurrenz außerhalb von Audi dem Q3 zugesetzt haben.
Foto: AudiPlatz 4: Audi A6
2017: 259.618 Einheiten
2016: 276.211 Einheiten
Der A6 steht kurz vor einem Modellwechsel, der Nachfolger wurde in diesem Frühjahr in Genf präsentiert. Entsprechend sank die Nachfrage nach dem Auslaufmodell, Berichten zufolge musste Audi mit starken Rabatten den Absatz stabilisieren, sonst wären die Produktionszahlen des Businessmodells wohl noch weiter gesunken.
Foto: AudiPlatz 3: Audi Q5
2017: 289.959 Einheiten
2016: 297.750 Einheiten
Die zweite Generation des Q5 ist im Januar 2017 in den Handel gekommen – 2017 kann also somit nicht als volles Produktionsjahr gezählt werden. Dennoch zeigt die Stagnation im Vergleich zum Auslaufmodell 2016: Die Zeiten, in denen sich ein Audi-SUV von alleine verkauft, sind vorbei. Absatz und Produktion (im neuen Werk in Mexiko) laufen konstant, viel Wachstum hat der Q5 aber nicht gezeigt.
Foto: AudiPlatz 2: Audi A3
2017: 313.380 Einheiten
2016: 361.983 Einheiten
Der Einbruch der A3-Produktionszahlen sollte Audi zu denken geben. Das Modell ist (mit einem Facelift 2016) seit 2012 auf dem Markt und sollte eigentlich erst 2019 abgelöst werden. Ein Produktionsrückgang um fast 50.000 Einheiten ist mehr als nur ein vertretbares Minus.
Foto: AudiPlatz 1: Audi A4
2017: 325.307 Einheiten
2016: 357.999 Einheiten
Der A4 ist Bestseller und Sorgenkind zugleich. Zwar wurden 2017 über 325.000 Exemplare gebaut. Doch das waren das 33.000 Fahrzeuge weniger als im Vorjahr – dabei ist das Modell erst seit 2015 auf dem Markt und sollte eigentlich 2016/2017 voll durchschlagen. Stattdessen muss Audi stark gegensteuern: Es sind Berichten zufolge eine große oder zwei kleinere Modellpflege-Maßnahmen geplant, bei denen das Design stark verändert wird. Sogar teure Änderungen am Blech werden dabei vorgenommen. Insgesamt könnte das Facelift des A4 bis zu 700 Millionen Euro kosten. Audi will diese Zahl nicht kommentieren.
Foto: AudiInzwischen ist auch Stadler klar, dass ihn das Thema Diesel noch länger begleiten wird. Im Dezember kündigte er noch an, die „Taskforce Diesel“ zum Ende des ersten Quartals auflösen zu wollen. Doch weitere Rückrufe im Januar machten diesen Plan zunichte. Zudem schweben mögliche Anklagen aus den staatsanwaltlichen Ermittlungen über dem Unternehmen. „Die Dieselkrise ist für uns noch nicht abgeschlossen“, muss Stadler jetzt einräumen. Man arbeite "unermüdlich" an lückenloser Aufklärung.
Ohne den Diesel-Sondereinfluss hätte Audis Ergebnis die Fünf-Milliarden-Euro-Marke geknackt, die Operative Rendite wäre auf 8,4 Prozent gestiegen. So bleiben nur 7,8 Prozent – wobei bei Audi das wichtige China-Geschäft nur im Finanzergebnis bilanziert wird. Rechnet man das Ergebnis der chinesischen Joint Ventures hinzu, würde sich die Operative Marge um rund einen Prozentpunkt erhöhen. Doch selbst Skoda kommt inzwischen auf eine Marge von über neun Prozent.
Die Auslieferungen konnte Audi im vergangenen Jahr auf einen Rekordabsatz von 1,88 Millionen Fahrzeugen steigern, trotz großer Probleme in China zu Beginn des Jahres 2017. Weil Audi mit SAIC einen zweiten Partner an Bord holen wollte, streikten die Händler des Partners FAW über Monate. „Die Verhandlungen mit FAW und dem Händlernetz haben uns im ersten Halbjahr Stückzahlen gekostet“, sagt Stadler. Im zweiten Halbjahr habe es aber jeden Monat Rekordverkäufe gegeben, die die Verkäufe bis Ende des Jahres leicht ins Plus brachten.
„Das zeigt, wie attraktiv die Produktpalette für unsere Kunden ist und wie loyal sie uns zur Seite stehen in wahrlich schwierigen Zeiten“, freut sich Stadler. Doch die Konkurrenz ist stärker gewachsen. Im Premium-Dreikampf mit Mercedes und BMW wurde Audi innerhalb weniger Jahre von der Spitze auf den dritten Platz durchgereicht.
Audi muss aufholen – kann das 2018 noch klappen?
Die Autobranche setzt auf dem Genfer Autosalon rund ein halbes Jahr nach der IAA das nächste Elektro-Ausrufezeichen. Neben mehreren Elektro-Konzepten feiern auch einige Serienmodelle Premiere. Die Bandbreite reicht von üppig dimensionierten Elektro-Luxusautos über Einfach-Konstruktionen für die urbane Nische bis zu neuen Plug-in-Hybriden.
34 Milliarden Euro Investition in der Strategie „Roadmap E“ sollen beim VW-Konzern gewährleisten, dass die Flotte der verfügbaren E-Autos deutlich wächst. Mit dem I.D. Vizzion (im Bild) zeigen die Wolfsburger, wie eine elektrische Luxuslimousine in drei bis vier Jahren aussehen könnte. Mit gehobenem Komfort und viel Reichweite: Fast 700 Kilometer soll der auf 111 kWh dimensionierte Akku leisten können.
Foto: VolkswagenDas von Konzerntochter Audi präsentierte Kompakt-SUV e-tron kommt noch in diesem Jahr mit einer Reichweite von 500 Kilometern auf den Markt. Geht der Akku zur Neige, soll mit einem Ladestrom von 150 Kilowatt eine Neubetankung in rund 30 Minuten möglich sein.
Foto: AudiKommendes Jahr könnte auch ein SUV-artiges E-Fahrzeug von Porsche debütieren: Die seriennahe Studie Mission E Cross Turismo ist mit einer Batterie für 500 Kilometer ausgestattet, sie soll sich in 15 Minuten zu 80 Prozent aufladen lassen. Darüber hinaus ist der Antrieb sehr kraftvoll: Motoren an beiden Achsen mobilisieren mehr als 600 PS, was einen 100-km/h-Sprint aus dem Stand in 3,5 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erlaubt.
Foto: Porsche500 Kilometer Reichweite ist der neue Standard auch bei den in wenigen Monaten verfügbaren Serienfahrzeugen: So zum Beispiel beim I-Pace von Jaguar, der zum Preis von 80.000 Euro zu kaufen ist. Mehr zum Jaguar I-Pace lesen Sie hier.
Foto: Jaguar Land RoverDeutlich weniger als der Jaguar dürfte der Kona Elektro von Hyundai kosten, der nach neuer und strengerer WLTP-Messung eine Reichweite von 470 Kilometern bietet. Den Kona bietet Hyundai im Sommer zusätzlich in einer Version mit kleiner dimensionierten Batterie und schwächerer Motorisierung an.
Foto: WirtschaftsWocheEine Diversifizierung beim Antrieb hat Renault bei seinem erfolgreichen E-Kleinstwagen Zoe vorgenommen. Neben dem weiterhin verfügbaren R90-Antrieb zeigen die Franzosen ein neues Aggregat mit einer um 17 PS auf 109 PS erhöhten Leistung.
Foto: WirtschaftsWocheRenaults Allianzpartner Nissan hat in Genf die zweite Generation des Kompakten Leaf dabei, der dieser Tage in Deutschland offiziell startet, vorläufig mit einer Motor-Batterie-Variante. Ende 2018 erweitert Nissan das Angebot um eine zweite Variante mit deutlich über 500 Kilometern Reichweite. Mehr zum Nissan Leaf lesen Sie hier.
Foto: NissanFür den Einsatz in Städten sind Elektroautos mit riesiger Batterie eigentlich überdimensioniert und teuer. Wie es smarter geht, zeigen in Genf einige elektrische Minimobile. Besonders sehenswert ist die Serienversion des Microlino, dessen Design stark an die historische BMW Isetta erinnert. Ab Sommer ist der Zweisitzer mit 20 PS starkem E-Motor zum Preis von rund 12.000 Euro zu haben. Die Einstiegsversion bietet eine 8-kWh-Batterie für rund 120 Kilometer Reichweite, darüber hinaus ist eine 14,4-kWh-Version für mehr als 200 Kilometer verfügbar. Mehr zum Microlino lesen Sie hier.
Foto: PresseEine Alternative für den urbanen Einsatz zeigt der Rollerhersteller Quadro mit dem elektrisch angetriebenen Vierrad-Scooter Qooder. 2019 soll das 46 PS starke Schmalspurfahrzeug mit zwei Batterievarianten für 130 beziehungsweise 260 Kilometer Reichweite auf den Markt kommen. Der Preis könnte bei rund 15.000 Euro liegen.
Foto: PresseGegenüber vom Quadro-Stand präsentiert die japanische Firma Fomm mit dem Concept One einen elektrisch angetriebenen Schmalspur-Zweisitzer. Das nur gut 1,30 Meter breite und 445 Kilogramm leichte Minimobil bietet einen 14 PS starken Motor, der auf maximal 85 km/h beschleunigt. Die rund 15 kWh große Batterie soll nach WLTP 160 Kilometer Reichweite erlauben. Nochmals kleiner dimensioniert ist der Micron M1. Es handelt sich um einen besonders schmalen Twizy-Klon für einen Passagier. Der rund 360 Kilogramm leichte Stromer wird von einem 20 PS starken E-Motor angetrieben, der Hersteller gibt eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h an. Zwei Batteriegrößen mit 8 beziehungsweise 16 kWh speichern Strom für 80 oder 160 Kilometer. In zwei Jahren soll eine modernere Version namens Micron M2 mit ähnlichen technischen Eckdaten und zwei Sitzen zur Serienreife gebracht werden.
Foto: WirtschaftsWocheIn Hinblick auf die rein elektrische Reichweite deutlich bescheidener geben sich die neuen Plug-in-Hybride in Genf. Bentley hat den Bentayga elektrifiziert, der einen Dreiliter-Benziner mit einem E-Motor kombiniert. Die Batterie soll gut 50 Kilometer rein elektrische Fahrt ermöglichen.
Foto: imago imagesMercedes stellt in Genf zudem einen Diesel-Plug-in-Hybridantrieb vor, der ab Sommer für C- und E-Klasse angeboten werden soll. Das Dieselaggregat wird ergänzt von einem 122 PS starken E-Motor und einer 13,5-kWh-Batterie, mit der man bis zu 50 Kilometer rein elektrisch fahren kann.
Foto: DaimlerFür das laufende Jahr rechnen die Ingolstädter mit Auslieferungen „mindestens auf Vorjahresniveau“. Ein genaues Wachstum will keiner der Manager beziffern. 2018 stehen 20 Markteinführungen an, die erfahrungsgemäß etwas Absatz kosten. Denn die Auslaufmodelle werden weniger nachgefragt, Kunden warten lieber auf das neue Modell.
„Dieses Jahr haben wir ein komplexes Auslauf- und Anlaufszenario zu managen, ab 2019 entfalten die neuen Modelle ihr volles Momentum“, erwartet Stadler. Dazu kommt die „kräftezehrende“ Umstellung auf den WLTP-Prüfzyklus, die sich 2018 in „einigen europäischen Märkten auf unsere Auslieferungen auswirken“ kann.
Beim Wachstum setzt Audi auf Altbekanntes, das bislang Erfolg versprochen hat: China und SUV. Der kompakte Q2 wird für Europa um eine Sport-Version und in China um eine Lang-Version ergänzt, der erfolgreiche Q3 durch ein neues Modell ersetzt. Bald wird Audi zudem den Q8 vorstellen, ein SUV-Coupé auf Basis des Q7. Auf den wichtigen Märkten China und Nordamerika werden SUV bald jeden zweiten verkauften Neuwagen ausmachen – Audi will in diesen Märkten ebenfalls auf einen SUV-Anteil von 50 Prozent kommen. Dazu kündigte Stadler für die kommenden vier Jahre zehn neue SUV-Varianten für den chinesischen Markt an, die zunehmend lokal gefertigt werden sollen. Sieben Modelle laufen in den Gemeinschaftsfabriken mit dem Partner FAW vom Band.
Im Juni bringt Audi die Neuauflage seiner A6 Limousine auf den Markt, auf dem Genfer Autosalon (8. bis 18. März) feiert das Modell der oberen Mittelklasse Premiere.
Foto: AudiWie das Oberklasse-Flaggschiff A8 bietet der neue A6 ein besonders aufgeräumtes Doppel-Touchscreen-Cockpit, Antriebe ausschließlich in Kombination mit Mildhybrid-Technik und Automatikgetrieben sowie automatisierte Fahrkünste auf Level 3.
Foto: AudiIn den Abmessungen ist die Limousine in alle Richtungen um nur wenige Millimeter gewachsen und nun 4,94 Meter lang. Die prominente Front prägt, wie bei Audi üblich, ein wuchtiger Singleframe-Kühlergrill. Flankiert wird dieser von zusätzlichen Luftöffnungen in der unteren Frontschürze und den optionalen Matrix-Scheinwerfern mit markanter LED-Tagfahrlichtsignatur.
Foto: AudiIn der Seitensicht beeindruckt die Limousine mit einer lange Schnauze sowie einem weit ins Heck reichenden Greenhouse. Die maximal 21 Zoll großen Räder sorgen für einen satten Stand, Ausbuchtungen über den Radhäusern betonen diesen Eindruck zusätzlich. Zudem verleihen diverse scharfkantige Charakterlinien dem Blechkleid eine gewisse Grunddynamik. Am Heck gibt es zweiteilige, in den Kofferraumdeckel reichende Rückleuchten mit eigenständiger LED-Lichtgrafik. Eine über die gesamte Fahrzeugbreite verlaufende Chromleiste verbindet die hinteren Leuchten.
Foto: AudiFür die Fahrgäste hat Audi das Platzangebot leicht verbessert. Hier gab es bereits beim Vorgänger keinen Mangel. Der Kofferraum bleibt mit 530 Litern Stauvolumen unverändert groß. Vollständig umgekrempelt hat Audi hingegen das Cockpit-Design. Unter anderem ersetzen zwei übereinander angeordnete Touchscreens die bisherige Bedienung über den Dreh-Drück-Steller. Tasten und Schalter sind bis auf Warnblinkanlage und Einparkhilfe verschwunden.
Foto: AudiAuf dem oberen Display, ausstattungsabhängig mit 8,8 oder 10,1 Zoll Bildschirmdiagonale, läuft das Infotainmentsystem. Darunter befindet sich ein 8,6-Zoll-Touchscreen, über den sich unter anderem Klimaanlage und andere Komforteinstellungen steuern lassen.
Foto: AudiWer die MMI Navigation Plus bestellt, bekommt zusätzlich das volldigitale Kombiinstrument mit 12,3-Zoll-Bildschirm. Per Head-up-Display lassen sich die Informationen zusätzlich auf die Windschutzscheibe bringen. Grundsätzlich ist der A6 immer mit einer Navigation inklusive integrierter Onlineanbindung gerüstet.
Foto: AudiDer A6 kann bei Sicherheits- und Komfortassistenten alles, was der A8 anbietet – also ziemlich das Maximum des derzeit Möglichen und Erlaubten. Bis zu fünf Radarsensoren, fünf Kameras, zwölf Ultraschallsensoren und der Laserscanner checken kreuz und quer den Verkehr, warnen oder greifen sanft bis nachdrücklich ein. Alles in allem kann der Kunde seinen A6 mit 38 Fahrerassistenzsystemen ausstatten.
Foto: AudiBei den Antrieben setzt Audi auf konventionelle Verbrenner. Zum Marktstart gibt es zunächst zwei Dreiliter-V6-Aggregate, einen Diesel und einen Benziner, mit 286 PS beziehungsweise 340 PS. Beide werden nur mit Allradantrieb angeboten, beim Benziner erfolgt die Kraftübertragung über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, beim Diesel über eine Achtgang-Wandlerautomatik.
Foto: AudiDer 500 Newtonmeter starke Benziner ermöglicht laut Audi eine Beschleunigung in 5,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, maximal bis 250 km/h. Zeitnah sollen noch zwei Diesel folgen, ein 3,0-Liter-V6 mit 231 PS und ein Zweiliter-Vierzylinder mit 204 PS. Den Vierzylinder kombiniert Audi mit Frontantrieb.
Foto: AudiAlle Motoren zeichnen sich durch Mild-Hybrid-Technik aus, bei der ein Riemen-Starter-Generator (RSG) Spriteinsparungen ermöglichen soll. Bei den V6-Motoren mit zusätzlichem 48-Volt-Bordsystem soll diese Technik eine Ersparnis von bis zu 0,7 Liter auf 100 Kilometer bringen. Eine Segelfunktion zwischen 55 und 160 km/h, bei der sich der Motor ausschaltet, soll ebenfalls helfen, den Verbrauch zu senken.
Foto: AudiDen offiziellen Verbrauch gibt Audi beim Benziner mit 6,7 bis 7,1 Litern an, beim starken V6-Diesel mit 5,5 bis 5,8 Litern. Alle Motoren erfüllen die Euro-6d-Temp-Abgasnorm, die Dieselmotoren sind mit Adblue-Einspritzung gerüstet.
Foto: AudiEinen Preis für den neuen A6 hat Audi noch nicht genannt. Vermutlich wird es einen moderaten Preissprung nach oben geben. Derzeit liegt der Einstiegspreis bei rund 43.000 Euro. Vermutlich im Herbst, wohl auf dem Pariser Autosalon, werden die Ingolstädter den Kombi A6 Avant nachreichen.
Foto: AudiVier dieser Modelle sollen einen Elektroantrieb haben. Den Anfang macht noch in diesem Jahr der e-tron, der für Europa im Brüsseler Werk gebaut und ab 80.000 Euro im Prospekt stehen wird. Im Gegensatz zu einigen Wettbewerbern will Audi mit seinen E-Autos ab dem ersten Tag Geld verdienen. „Profitabel machen wir E-Mobilität dank einzigartiger Synergien“, sagt Stadler. Das soll zum einen durch den Modularen Elektrobaukasten, den Volkswagen für das Kompaktsegment entwickelt, erzielt werden. Zum anderen durch Audis Premium-Architektur, auf der Elektroautos der Mittel- Ober- und Luxusklasse realisiert werden. "Durch die Kooperation mit Porsche reduzieren wird den Entwicklungsaufwand in dreistelliger Millionenhöhe."
Das so gesparte Geld will Audi investieren, etwa in die Entwicklung neuer Mobilitätsdienste und Geschäftsmodelle. So wird der e-tron das erste Serienmodell, bei dem auch nach dem Kauf noch flexibel Extras in den Bereichen Licht, Infotainment oder Assistenzsysteme hinzugebucht werden können. Zudem soll der Miet-Service „Audi on demand“ neue Kunden erschließen. „Das „neue Premium“ definieren unsere Kunden auch darüber, wie nahtlos wir ihr Mobilitätserlebnis mit der digitalen Welt vernetzen“, sagt Stadler. „Weltweit sehen wir ein Premium-Marktvolumen für diese Dienstleistung von rund sechs Milliarden Euro. Daran werden wir unseren Anteil haben.“
Doch diese Zukunft der Mobilität wird teuer – der Wandel schlägt auf vielen Ebenen des Unternehmens durch. Bis 2022 will Audi mehr als 40 Milliarden Euro investieren, insgesamt zehn Milliarden Euro sollen im laufenden Betrieb eingespart werden. „Wir fahren unser Maßnahmenprogramm zügig und konsequent, werden effizienter und investieren freigespielte Ressourcen in neues, profitables Wachstum“, sagt Finanzvorstand Alexander Seitz. „So konnten wir bei unverändertem Budget bereits vier zusätzliche und neue Modelle auf den Weg bringen.“ Ein Beispiel für die Einsparungen: Beim Kompaktwagen A3 haben die Kunden etwa ein Drittel der möglichen Motor-Getriebe-Kombinationen nur selten bestellt. Beim Nachfolger werden solche Varianten gleich gestrichen und müssen nicht aufwändig an das Modell angepasst werden.
„Am Ende dieses Programms im Jahr 2022 haben wir den umfassendsten Unternehmensumbau in der jüngeren Geschichte von Audi bewältigt“, sagt Stadler. „Wir werden im nächsten Jahrzehnt ein agileres Unternehmen sein, deutlich reicher an neuen Kompetenzen und Partnerschaften.“
Einen Diesel wird Audi dann immer noch im Angebot haben – der den aktuellen Abgasvorschriften entspricht. Für Stadler ist es „sonnenklar“, dass Audi am Verbrenner auch im kommenden Jahrzehnt festhalten wird. „Wir können nicht erwarten, dass morgen die Hälfte unserer Kunden elektrisch fährt“, so der Audi-Chef. „Seien Sie versichert, dass wir aus den Ereignissen gelernt haben und uns jetzt umso mehr auf integres Handeln und eine nachhaltige Zukunft fokussieren.“