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Was wird aus dem Audi-Chef? VW-Aufsichtsrat verschiebt Entscheidung über Stadlers Zukunft erneut

VW-Aufsichtsrat verschiebt Entscheidung über Stadlers Zukunft Quelle: dpa

Wie geht es weiter mit Audi-Chef Stadler? Eigentlich wollte der Aufsichtsrat von Volkswagen inzwischen eine Entscheidung getroffen haben. Doch es kommt anders.

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Volkswagen hat eine Entscheidung über die Zukunft des inhaftierten Audi-Chefs Rupert Stadler zwei Insidern zufolge erneut vertagt. Der Aufsichtsrats des Mutterkonzerns habe sich am Freitag mit der Personalie befasst, sei aber noch nicht zu einer Entscheidung gekommen, sagte eine Person mit Kenntnis der Beratungen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Gespräche sollten am Dienstag fortgesetzt werden. Die beiden Vertreter des Landes Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat, Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) waren offenbar mit der Lösung einer Vertragsaufhebung samt Abfindung für den Chef der VW-Tochter nicht einverstanden. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ darüber berichtet. Volkswagen lehnte einen Kommentar ab.

Das „Handelsblatt“ berichtete aus dem Umfeld des Kontrollgremiums, es gehe immer noch um die Frage, ob der beurlaubte Audi-Chef abberufen oder abgelöst werden solle. Eine Vertragsauflösung wäre zu diesem Zeitpunkt aber heikel, hieß es in dem Bericht mit Blick auf die Anfang kommender Woche erwartete Entscheidung der Bundesregierung über einen Umtausch und die Nachrüstung älterer Dieselautos. Womöglich werden sich die Autobesitzer an den Kosten beteiligen müssen. Eine Trennung von Stadler, die mit einer Millionenabfindung verbunden wäre, könnte zu massiver Kritik in der Öffentlichkeit führen, zitierte die Zeitung aus Konzernkreisen. Mit der terminlichen Verschiebung gehe Volkswagen einer solchen Diskussion aus dem Weg.

Der 55-Jährige sitzt seit mehr als drei Monaten in Untersuchungshaft, weil ihm die Staatsanwaltschaft München Behinderung der Dieselermittlungen vorwirft. Der Audi-Chef soll versucht haben, Zeugen zu beeinflussen. Stadler bestreitet das. Audi wird zurzeit kommissarisch von Vertriebschef Bram Schot geführt.

Die Ermittlungsbehörden werfen dem Audi-Chef vor, nach Bekanntwerden der Abgasbetrügereien den Verkauf von Dieselautos mit falschen Abgaswerten zugelassen zu haben. Dabei habe er von den Manipulationen gewusst oder sie bewusst ignoriert. Stadler soll zudem bei einem abgehörten Telefonat erwogen haben, einen Zeugen im Ermittlungsverfahren der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen Porsche zu beeinflussen.

Bereits vor einigen Tagen war der Aufsichtsrat zusammengekommen. Bei der Gelegenheit wurde dem Vernehmen nach aber über den Fall Stadler lediglich beraten. Der Vertrag des 55-Jährigen als Mitglied des Volkswagen-Konzernvorstandes läuft Ende 2019 aus, sein Vertrag als Audi-Chef läuft noch bis 2022.

Wunschkandidat für die Stadler-Nachfolge ist Markus Duesmann, der bis Juli 2018 Einkaufsvorstand von BMW war. Dem Ingenieur wird zugetraut, die Entwicklung von sauberen Dieselmotoren voranzutreiben - und Audis Altlasten im Abgasbetrug zu beseitigen. Der 49-Jährige soll in den VW-Vorstand eintreten, sobald er zur Verfügung steht. Wann das sein wird, steht allerdings in den Sternen, da Duesmann bisher keine Freigabe durch BMW hat. Duesmanns Vertrag bei dem Münchner Autobauer lauft bis 2019, danach wirkt eine einjährige Konkurrenzklausel. Sollten sich die Niedersachsen nicht mit den Bayern einigen, wäre Duesmann bis 2020 gebunden.

Der Audi-Aufsichtsrat berief indes Hans-Joachim Rothenpieler zum künftigen Technikvorstand. Amtsinhaber Peter Mertens gibt sein Amt aus gesundheitlichen Gründen auf. Rothenpieler war Entwicklungsvorstand bei Bentley, dann bei Volkswagen-Nutzfahrzeuge und seit 2016 oberster Qualitätsmanager des Volkswagen-Konzerns. Er tritt seinen neuen Posten im November an.

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