Weltmarktführer der Autobranche Wie Toyota den Drängler VW hinter sich lassen will

VW und Toyota liefern sich ein enges Rennen um die Weltmarktspitze. Noch hat Toyota die Nase vorne. Mit typisch japanischen Methoden will der Autobauer seine Schwächen ausbügeln – und VW auf Abstand halten.

Toyoto und VW im Rennen um Platz Eins Quelle: Pressebild, Montage

Headhunter schüttelten den Kopf, als Didier Leroy von Renault in Paris zu Toyota in die französische Provinz wechselte. „Bei einer japanischen Firma wirst du niemals Verantwortung bekommen, haben sie mich damals gewarnt“, sagt der Franzose. 17 Jahre später, am kommenden Dienstag, zahlt sich Leroys Mut aus. Dann wird der 57-Jährige als erster Ausländer in den siebenköpfigen Vorstand von Toyota aufrücken und zusammen mit dem US-Amerikaner Mark Hogan zweiter Nicht-Japaner im Verwaltungsrat werden.

Die Öffnung der Top-Etagen ist Ausdruck eines neuen Selbstverständnisses beim absatzstärksten Autokonzern der Welt. Seit Gründer-Enkel Akio Toyoda nach Verlusten in der Finanzkrise 2009 die Führung übernahm und verheerende Rückrufaktionen in den vergangenen Jahren verdauen musste, wandelt sich Toyota spürbar zu einem weltläufigen Konzern. Manager in den Regionen erhalten mehr Verantwortung. Von 57 Top-Kräften stammen neun nicht aus Japan.

So braust Toyota in die Zukunft
Wasserstoffauto Mirai Quelle: dpa
Wasserstoffauto Mirai kommt im Dezember nach Japan Quelle: dpa
Wasserstoffauto Mirai startet im September 2015 in Deutschland Quelle: Toyota
Wie unsere Redaktion berichtete, plant BMW im Rahmen der Kooperation mit Toyota ein eigenes Brennstoffzellenauto. Insider rechnen damit, dass der Wasserstoff-BMW mehr Leistung bringen wird als der Mirai. Einem Bericht des britischen " Autocar"-Magazins zufolge soll das Modell BMW i5 heißen. Quelle: REUTERS
Wasserstoffauto Mirai beruht auf dem Toyota Sedan Quelle: Toyota
Wasserstoffauto Mirai hat 500 Kilometer Reichweite Quelle: Toyota
Wasserstoffauto Mirai stößt nur Wasserdampf aus. Quelle: Toyota
Ein Blick ins Innere des Antriebs. Zu sehen ist der Hochdruck-Wasserstofftank (gelb). Er speichert den Wasserstoff bei einem Druck von 700 bar - dafür ist er in drei Schichten mit Kohlefaser verstärkt. In einer chemischen Reaktion wird in den Brennstoffzellen aus Wasser- und Sauerstoff Elektrizität gewonnen, die wiederum den Elektromotor des Autos antreibt. Der Wagen soll laut Toyota in nur drei Minuten aufgetankt sein. Quelle: Toyota
Akio Toyoda nannte die Einführung des Mirai einen "Wendepunkt" in der Autoindustrie. Ausgiebige Crashtests sollen die Sicherheit der Brennstoffzellentechnik garantieren. Doch in Deutschland steht der neue Antrieb vor einem ganz anderen Problem... Quelle: Toyota
Wer ein Wasserstoffauto fährt, findet kaum Tankstellen. In ganz Deutschland gibt es aktuell nur 16 Zapfsäulen für Wasserstoff. Quelle: Toyota

Die interne Globalisierung ist Teil eines Umbaus, mit dem Toyoda vor allem Volkswagens Sturm auf die weltweite Poleposition abwehren will. Dazu peitscht der 59-Jährige seine Manager und 340 000 Mitarbeiter zu einer nie da gewesenen Offensive:

  • Toyota, so Toyodas oberstes Gebot, soll so flexibel und sparsam produzieren, dass das Unternehmen nie wieder Verluste schreibt.
  • Die Autos sollen westlicher und emotionaler statt bisher vor allem zuverlässig daherkommen. „Wenn es keinen Spaß macht, ist es kein Auto“, lautet Toyodas Parole.
  • Drei Jahre nachdem VW die Umstellung der Produktion auf das Baukastensystem umsetzte, tut dies auch Toyota. Das erste Auto in der neuen Bauweise kommt im Spätherbst.
  • Mit dem Mirai bringt Toyoda im Herbst in Deutschland das erste reine Elektroauto auf den Markt, das den Fahrstrom nicht aus einer Batterie bezieht, sondern mithilfe einer Brennstoffzelle. VW, Daimler und BMW kommen so unter Zugzwang.
  • Gleichzeitig forciert der Konzernchef die Partnerschaft mit dem japanischen Autobauer Mazda, der mit sparsamen Motoren sowie schickerem Design aushelfen soll.

Das Wichtigste über Wasserstoff und Brennstoffzelle

„In diesem Jahr entscheidet sich, ob wir stabiles Wachstum schaffen oder zurück in alte Gewohnheiten fallen“, schwört Toyoda seine Leute ein. Damit will er Selbstgefälligkeit vorbauen, die mit den Fabelzahlen für 2014 aufkommen könnten: 21 Milliarden Euro Vorsteuergewinn und zehn Prozent vom Umsatz operative Marge – so viel wie kein anderer Massenhersteller und um die Hälfte mehr als VW.

50 Prozent mehr Gewinn als VW

Wichtigste Ansatzpunkte sind Entwicklung und Produktion. Toyota entwickelt eine „Toyota New Global Architecture“, eine weltweit gültige Architektur für die wichtigsten Fabrikate. Im Zentrum steht die Vereinheitlichung von Plattformen und Komponenten wie Kühlern oder Lichtmaschinen. Toyota-Produktionsvorstand Mitsuhisa Kato spricht von einer „laufenden Evolution der Modultechnologien“.

Dadurch wird der Autobau weniger komplex, günstiger und schneller. Allein in der Entwicklung rechnet Kato mit 20 Prozent weniger Ausgaben. Dabei verdient Toyota pro Auto schon jetzt fast doppelt so viel wie VW.

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