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Werk Bochum Opel-Mitarbeiter müssen noch bis Ende Juni zittern

Mit Pfiffen und Buhrufen reagierten die Mitarbeiter im Opel-Werk Bochum auf die Ankündigung von Opel-Chef Stracke. Erst am 28. Juni legt das Management ein Konzept zur Zukunft des Standorts vor.

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft fordert ein Ende der Spekulationen über die Zukunft des Opel-Werks in Bochum.

Für die Opel-Mitarbeiter ist die Situation kaum noch zu ertragen. Statt endlich klar und deutlich zu sagen, wie es mit dem Werk Bochum weiter geht, vertröstet das Opel-Management die Angestellten von Woche zu Woche. Bei der Betriebsversammlung am Montag verkündete Konzern-Chef Karl-Friedrich Stracke nichts, was den Mitarbeitern auch nur ein Fünkchen Hoffnung geben könnte. „Es gibt keine Entscheidung zu Opel nach 2014“, sagte er und versprach, dass das Management dem Aufsichtsrat bis zum 28. Juni ein Konzept vorlegen werde, aus dem auch die Zukunft des Bochumer Standortes hervorgehe.

Die Mitarbeiter pfiffen ihren Chef daraufhin aus. Dass Stracke noch den Qualitätsstandard des Werkes lobte, dürfte den knapp 3300 Beschäftigten zu diesem Zeitpunkt relativ egal gewesen sein. Ob die Lobeshymnen der NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mehr bewegen können, ist ebenfalls fraglich. Sie forderte "eine Offensive" für das Werk Bochum.

Das Opel-Werk Bochum

Die Bochumer Beschäftigten sollten nicht in der Defensive verharren, so Kraft, sondern die Vorteile des Standortes deutlich machen. „Wir waren und wir sind hier nicht die billigsten, aber die Mitarbeiter hier können Qualität bauen.“ Das alles wissen die Bochumer längst und es ändert nichts an der Tatsache, dass Opel in Europa zu wenig Autos absetzt und sich in den Werken Überkapazitäten von 500.000 Autos pro Jahr anhäufen. Das will die Konzermutter General Motors nicht länger tolerieren - hält Opel aber bewusst auf dem krisenbehafteten europäischen Markt gefangen. Die hauseigene US-Marke Chevrolet soll dagegen zunächst Kunden in Asien und dann auf der ganzen Welt - respektive Europa - schmackhaft gemacht werden.

Mokka kommt nach Saragossa
Zaragoza Quelle: REUTERS
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In der Debatte gibt es keinen neuen Argumente mehr. Opel produziert zu viel und verkauft zu wenig - über kurz oder lang muss ein Werk in Europa schließen. Das ist und bleibt so. Bekannt ist auch, dass bis 2014 keine Mitarbeiter in Bochum entlassen werden dürfen, was danach kommt bleibt ungewiss. Fakt ist seit vergangener Woche auch, dass der Astra ab 2015 nicht mehr in Rüsselsheim, sondern ausschließlich im britischen Ellesmere Port und Polen gefertigt wird. Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel kann das nicht verstehen und warnte seinen Chef Stracke: „Das werden Sie bei den Verkaufszahlen in Deutschland merken.“ Solange sich die Verkaufszahlen sich nicht tatsächlich dramatisch ändern, wird Stracke die Warnung recht gleichgültig hinnehmen. Nicht ignorieren kann der Opel-Chef dagegen den Willen der Europäischen Kommission.

Die britische Regierung hat nämlich möglicherweise den Zuschlag für die Astra-Fertigung mit Subventionszusagen erkauft. Aus dem Europaparlament sei bereits eine entsprechende Anfrage an die EU-Kommission gestellt worden, sagte Schäfer-Klug, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Opel, und bestätigte damit einen Bericht der Mainzer „Allgemeinen Zeitung“. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wird sich der Abzug aus Rüsselsheim verzögern - eine Garantie, dass Rüsselsheim die Astra-Produktin dann behalten darf, ist es nicht. Es bleibt eine Zitterpartie.

Ein wenig Hoffnung machte Opel-Chef Stracke mit seiner Äußerung zum Zafira. Bochum befürchtet, dass die Chefetage die Produktion des Familienvan nach Rüsselsheim verlagert, wenn fortan polnische und englische Kollegen den Astra bauen, der bisher dort gefertigt wird. Deshalb besteht der Betriebsrat Bochum auf eine Standortgarantie für die gesamte Laufzeit des Modells. Stracke wies dies Spekulationen über die Verlagerung nach Rüsselsheim zurück: „Ich habe zu keinem Zeitpunkt den Zafira von Bochum in Rüsselsheim angeboten.“

In Arbeit
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Für die Mitarbeiter hat sich nach der Betriebsversammlung nichts geändert. Noch immer herrscht Wut. Ein langjähriger Opel-Beschäftigter sagte: „Das ist dieselbe Hängepartie wie seit zehn Jahren.“ Und die Angehörige eines Opel-Mitarbeiters meinte bitter: „Die hundertste Beschwichtigung ist eine zu viel". Das ständige Bangen um den Job mache die Opelaner mürbe: „Das ist eine Atmosphäre, an der man kaputt geht.“ Die Bochumer Beschäftigten sollten sich an ihre eigene Kraft erinnern, meinte sie. 2004 habe das Werk schon einmal erfolgreich gestreikt.

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