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Werk in Xinjiang Der riskanteste Standort im VW-Imperium

Das neue Werk in der muslimisch geprägten westchinesischen Unruhe-Provinz Xinjiang ist der Preis, den der deutsche Autobauer bezahlen muss, um eine viel größere Fabrik im Osten des Landes hochfahren zu dürfen. Eine Reportage vom wohl riskantesten Standort des VW-Konzerns.

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In einer einsamen Provinz in China betreibt VW eine Fabrik auf Wunsch der Regierung. Quelle: dapd

Die Schafe auf der Ladefläche des Transporters blöken. Die Laute der Tiere mischen sich mit türkischer Popmusik aus dem Autoradio. Hier, an der Unterführung, endet die Stadtautobahn von Urumqi und der Asphalt gleich mit. Verstaubte Autos und Lastwagen stauen sich auf gestampftem Kies. Ein Lastwagenfahrer mit dichtem schwarzem Haar und geschwungenem Schnurrbart flucht auf einer nach Türkisch klingenden Sprache.

Urumqi ist die Hauptstadt der chinesischen Provinz Xinjiang, 3.000 Kilometer westlich von Shanghai, und zugleich die Kulisse eines ungewöhnlichen Deals, den Volkswagen in China eingegangen ist. Schon wenige Kilometer außerhalb der Drei-Millionen-Stadt erinnert nichts mehr an China. Hier stößt die Volksrepublik an Zentralasien, an Kasachstan, Kirgisistan, Pakistan und Afghanistan. Die Männer hier tragen Kaftane, die Frauen Kopftücher. Ausgerechnet hier, im unchinesischen, unentwickelten fernen Grenzland hat Autobauer Volkswagen im August ein Werk eröffnet – auf Wunsch der Regierung, die die zentralen und westlichen Regionen des Landes wirtschaftlich entwickeln will.

In Urumqi soll VW zum Wachstum in der chinesischen Provinz beitragen. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Für Experten wie Jochen Siebert von der Unternehmensberatung JSC in Shanghai musste Europas größter Autobauer auf den Fingerzeig aus Peking eingehen, um im Gegenzug die Erlaubnis für ein neues Werk in Chinas Südosten, in Foshan, zu erhalten. In der sicheren und gut entwickelten Sieben-Millionen-Einwohner-Metropole durfte China-Chef Jochem Heizmann im September eine Riesenfabrik eröffnen, die zunächst 300 000 und später doppelt so viele Fahrzeuge pro Jahr ausspucken soll. Die Anlage in Foshan ist für VW enorm wichtig, um den Verkauf in China in eine neue Größenordnung zu katapultieren: 2,8 Millionen Autos setzte VW 2012 in China ab, in den ersten acht Monaten 2013 waren es 18 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum – Tendenz: weiter so.

Mit bestenfalls 50.000 Autos pro Jahr wirkt die Fabrik in Urumqi im Vergleich zu Foshan wie ein zusätzliches Fließband am Ende der Welt. Langsam löst sich der Stau, die Fahrt geht weiter zu einem der typischen Gewerbegebiete, wie sie in den vergangenen Jahren überall in China aus dem Boden gestampft wurden. Gerade, breite Straßen führen über eine Ebene. Ein kalter Wind weht.

„In Urumqi gibt es nur zwei Jahreszeiten“, sagt Abdul, ein junger Uigure. „Sommer und Winter.“ Im August ist es in Chinas äußerster Nordwestprovinz brütend heiß, im Winter kann das Thermometer auf minus 40 Grad fallen. Abduls Chinesisch ist brüchig, sein Englisch dagegen fließend.


Die Volkswagen-Fabrik glänzt silbern in der Herbstsonne. Dreimal ist darauf der Schriftzug „Shanghai Volkswagen Xinjiang“ zu lesen: In lateinischen, chinesischen und arabischen Schriftzeichen. Die chinesischen Schriftzeichen sind am größten. Volkswagen produziert hier seit August das Mittelklassemodell Santana. 2014, wenn Presswerk und Lackiererei fertig sind, soll die Produktion auf 50.000 Wagen steigen. Viele internationale Nachbarn haben die Wolfsburger hier nicht: eine Coca-Cola-Fabrik und den Baumaschinenhersteller Sany, der im Jahr 2012 den deutschen Betonpumpenbauer Putzmeister übernahm.

Eine der ärmsten Provinzen Chinas

VW plant Crafter-Werk in Polen
Posen, PolenVolkswagen steht kurz vor dem Bau eines neuen Werkes in Polen für seinen Großtransporter Crafter. Die Konzernzentrale in Wolfsburg favorisiere den Standort im Großraum Posen, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des Managements im VW-Nutzfahrzeugwerk Hannover-Stöcken, das auch auf den Zuschlag für den Crafter-Bau hoffte. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete ebenfalls von entsprechenden Plänen. Bisher lässt VW den Großtransporter bei Daimler bauen, der Crafter gleicht größtenteils dem Mercedes-Sprinter. Die Kooperation läuft 2016 aus. Nach dpa-Informationen könnte die Fabrik in Stöcken künftig Teile der Produktion des VW-Kompaktvans Touran bekommen. VW war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Quelle: dpa
Puebla, MexicoVW gilt in Mexiko als Erfolgsgeschichte. Rund zehn Millionen Autos haben die Wolfsburger bislang am Standort Puebla gebaut. Eine ganze Region hängt an dem Riesenwerk. Auf dem Weg zum größten Autokonzern der Welt soll der neue Golf nun den schwierigen US-Markt erobern. „Der Produktionsstart des Golf 7 wird Volkswagen in Nordamerika ordentlich Schub nach vorn geben“, sagt auch VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn bei der Jubiläumsfeier. Bis 2018 will Volkswagen in der Region sieben Milliarden US-Dollar investieren. Ein Großteil davon dürfte nach Mexiko fließen. Quelle: AP
Foshan, China300.000 neue Golf-Modelle sollen in Foshan jährlich vom Band rollen - vorerst. Das neue Volkswagen-Werk in der südchinesischen Provinz Guangdong, nahe der Stadt Foshan soll in einer zweite Phase auf eine Kapazität von 600.000 Fahrzeuge ausgebaut werden. 6500 Beschäftige hat das Werk bisher. VW-China-Vorstand Jochem Heizmann erklärte, VW befinde sich zudem in "intensiven Gesprächen" mit seinem chinesischen Partner FAW. Dabei gehe es um eine Erhöhung des VW-Anteils am Joint-Venture FAW-Volkswagen auf von 40 auf 50 Prozent. Angesichts der Krise auf dem europäischen Automarkt wird für VW das Geschäft in China immer wichtiger. Im vergangenen Jahr produzierten die Wolfsburger mit ihren beiden chinesischen Partnern SAIC und FAW gut 2,6 Millionen Fahrzeuge. Bis 2018 sollen die Kapazitäten früheren Angaben zufolge in China auf vier Millionen Autos pro Jahr ausgebaut werden. Quelle: dpa
Changchun, ChinaModelle: VW Jetta, New bora, Golf, Sagitar, Magotan, Magotan CC, Motoren, Getriebe Das Joint-Venture mit FAW gingen die Wolfsburger 1991 ein. Fast 16.000 Menschen arbeiten in den gemeinsamen Werken. In Ningbo hat Volkswagen mit dem Bau eines neuen Werkes in China begonnen. Es soll 2014 fertig gestellt sein und eine Kapazität von 300.000 Fahrzeugen jährlich haben. Quelle: dpa/dpaweb
Puebla, MexikoModelle: Beetle, Jetta, Golf Variant In Puebla produziert Volkswagen seit 1964. Mehr als 15.000 Menschen arbeiten hier für Volkswagen. Werk Nummer 101 soll übrigens ebenfalls in Mexiko entstehen. Ab 2016 wird Audi hier den Q 5 produzieren. Quelle: dpa
Wolfsburg, DeutschlandModelle: Tiguan, Touran, Golf, Golf Plus Seit 1938 besteht das Werk Wolfsburg. Am Stammsitz des Volkswagen-Konzerns arbeiten fast 50.000 Menschen. Quelle: dpa
Chattanooga, USAIm Mai 2009 war in Chattanooga der offizielle Baubeginn des ersten amerikanischen VW-Werkes. Die Fertigung dort sollte laut Konzernangaben 2011 mit einer jährlichen Gesamtkapazität von bis zu 150.000 Fahrzeugen starten. Dieses Ziel hat der Autobauer erreicht: Mittlerweile ist dort der 250.000. Passat vom Band gelaufen. „Vor zwei Jahren haben unsere Leute gerade mal gelernt, Autos zu bauen“, erklärte Werksleiter Frank Fischer. „Ich bin sehr stolz auf dieses Team.“ Der US-Passat ist eine Erfolgsgeschichte: Die Produktion hatte am 18. April 2011 begonnen. Das auf den amerikanischen Geschmack abgestimmte Modell verkaufte sich auf Anhieb deutlich besser als der aus Europa importierte Vorgänger. Auch dank des Passat haben sich die Verkäufe der Marke VW in den USA von 2009 bis 2012 verdoppelt. Quelle: dpa

Journalisten, die Volkswagen in der chinesischen Einöde besuchen wollen, versucht der Konzern abzuwimmeln: Es gebe dort noch nicht viel zu sehen, die Produktion sei gerade erst angelaufen. Das abweisende Verhalten hat aber noch andere Gründe. Denn das Joint Venture, das VW hier mit seinem bewährten Partner Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC), eingegangen ist, lässt sich allein aus betriebswirtschaftlichen Gründen kaum erklären, eher schon mit den industrie- und bevölkerungspolitischen Zielen der Regierung und den langfristigen Interessen des Konzerns in China. „Wir haben hier auch eine gesellschaftliche Aufgabe, die wir gerne wahrnehmen“, sagt ein hochrangiger VW-Manager. Immerhin sitze VW-Chef Martin Winterkorn im Global CEO Advisory Council von Ministerpräsident Li Keqiang.

Dafür schlucken die Wolfsburger auch schon einmal Staub. Die Provinz mit ihren 22 Millionen Einwohnern gehört zu den ärmsten Chinas. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt bei umgerechnet rund 4.000 Euro. Asphaltierte Straßen existieren außerhalb der Stadt Urumqi kaum. Zulieferbetriebe gibt es nicht. Von allen Auslandsinvestitionen, die 2010 nach China flossen, gingen gerade einmal 0,15 Prozent in die autonome Region Xinjiang.

Vor allem aber ist Xinjiang für notorische ethnische Unruhen bekannt. Jahrhundertelang war die Provinz – von der Fläche so groß wie Westeuropa – von Uiguren bewohnt. Die moslemische Bevölkerungsgruppe ist ein Turkvolk und hat mit der chinesischen Kultur wenig gemeinsam. Doch Peking versucht seit Jahrzehnten, die angestammte Bevölkerung durch Zuwanderer zu minorisieren. Seit Gründung der Volksrepublik siedeln sich immer mehr Han-Chinesen an, ihr Anteil in Xinjiang stieg von 1949 bis 2008 von 6,7 Prozent auf 40 Prozent. In Urumqi stehen bereits 1,75 Millionen Han-Chinesen 300.000 Uiguren gegenüber.

Absatz des VW-Konzerns in China. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Dass das Werk in Urumqi kein vollwertiger Produktionsstandort für VW ist, zeigt die Konzeption der Fabrik als „Semi-Knocked-Down“-Montage. Das heißt, alle Teile werden aus anderen Werken im entwickelten Ostchina angeliefert und dann hier zusammengeschraubt. „Die Teile von Shanghai ins 3.000 Kilometer entfernte Urumqi zu bringen, um sie dort zusammenschrauben, ergibt betriebswirtschaftlich überhaupt keinen Sinn“, sagt JSC-Berater Siebert. Ein Semi-Knocked-Down-Werk könne zwar schon ab 20.000 Fahrzeugen sinnvoll sein, wenn die Logistik kein großes Problem darstellt und wenn der Absatz dieser Fahrzeuge als relativ sicher gelten kann. Beides sei hier mehr als fraglich.

Auf sich allein gestellt

„Das ist ein völlig absurdes Unterfangen, zu dem Volkswagen von der Regierung gezwungen wurde“, sagt Berater Siebert. Offiziell verkaufe der Konzern den Gang nach Urumqi als „Go-West-Strategie“. In der Praxis höre in China die Autoproduktion aber in Chengdu in der Provinz Sichuan auf, 2.000 Kilometer östlich von Urumqi.

So ist denn VW in der entlegenen Region auch ziemlich auf sich allein gestellt. Viele Zulieferer hofften angeblich mit Erfolg darauf, VW nicht nach Urumqi folgen zu müssen. Zu abgelegen, unterentwickelt und unruhig sei die Region.

Mutig oder einfach nur blauäugig?

Diese Autos lieben die Chinesen
Platz 10: Hyundai VernaVor zwei Jahren in China vorgestellt, ist der Hyundai Verna mittlerweile das zehnbeliebteste Auto der Chinesen. Von Januar bis November 2012 erhielt das Modell 187.105 Neuzulassungen. Der Verna gehört zur vierten Generation des Hyundai Accent – er unterscheidet sich von fast baugleichem Fahrzeug außer im Namen auch in der dezenteren Gestaltung der Front. Vergangenes Jahr war der Verna laut dem China Internet Information Center noch gar nicht unter den zehn am meisten neu zugelassenen Autos vertreten. Quelle: REUTERS
Platz 9: Hyundai ElantraDer Hyundai Elantra, besser gesagt seine chinesische Version, der Elantra-Yuedong ist dieses Jahr noch erfolgreicher als 2011: 200.781Neuzualssungen verzeichnete Hyundai in China mit seinem Modell in den ersten elf Monaten. Vergangenes Jahr waren es noch 191.000. Vor eine höhere Platzierung reicht es laut China Internet Information Center trotzdem nicht. Wie im Vorjahr erreicht der Elantra Platz 9. Quelle: Hyundai
Platz 8: VW Bora208.333 Neuzulassungen verzeichnete der VW Bora in den ersten elf Monaten 2012. Damit landet die elegantere Jetta-Variante auf Platz 8. Damit fällt der Bora im Ranking zurück. Vergangenes Jahr landete er mit weniger Neuzulassungen (207.000) noch auf Platz 5. Quelle: Volkswagen AG
Platz 7: Chevrolet CruzeSeit März 2009 wird der Chevrolet Cruze in China gebaut. Dieses Jahr wurde er bis November bereits 216.573 neu zugelassen. Trotz unerheblich weniger Verkäufe muss der Cruze seit vergangenem Jahr einen Absturz verzeichnen. Laut China Internet Information Center belegte das Chevrolet-Modell 2011 mit 221.200 Verkäufen noch Platz 3. Quelle: dapd
Platz 6: VW JettaIn Deutschland erreichte der Jetta nie die erwarteten Verkaufszahlen. Bestes Absatzjahr war 1979 mit 90.000 Verkäufen. Anders in China: Hier wurden allein in den ersten elf Monaten 2012 rund 218.472 Modelle neu zugelassen - und erreicht damit Platz 7. Diesen Erfolg erreicht VW in China, obwohl der Konzern dort immer noch die zweite Jetta-Generation herstellt. Diese wurde in Deutschland erstmals 1984 vorgestellt, mittlerweile gibt es hier zu Lande schon die sechste Generation. Vergangenes Jahr landete der Jetta in China mit 217.900 noch auf Platz 4. Quelle: AP
Platz 5: VW Passat224.678 Neuzulasungen verzeichnete der VW Passat von Januar bis November 2012 in China. Damit belegt das Modell Platz 5 - und zieht dieses Jahr neu in die Top 10 ein. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 4: VW LavidaEin echter Chinese: Der VW Lavida wurde komplett in China entwickelt und ist dem dortigen Markt vorbehalten. Partner war dabei der VW-Joint-Venture-Partner Shanghai Automotive. 226.651 Mal wurde der chinesische Volkswagen in den ersten elf Monaten 2012 neu zugelassen. Damit erreicht der Lavida Rang 4, vergangenes Jahr war es laut China Internet Information Center noch der zweite Platz mit 247.500 Modellen. Quelle: Volkswagen AG

„Pionierleistung“ nannte VW-China-Chef Heizmann die Volkswagen-Fabrik in Urumqi bei der Eröffnung im August. „Blauäugig“ sei dies, kontert Ümüt Halik. Der Professor für Ökosysteme unterrichtet abwechselnd in Deutschland an der Universität Eichstätt und in seiner Heimat Xinjiang. „Volkswagen hat gute Absichten, ist aber völlig naiv, wie verfahren die Situation ist.“ Xinjiang ist als notorische Unruheprovinz bekannt: 2009 kam es zu Aufständen, die weltweit für Aufmerksamkeit sorgten, damals starben 200 Menschen. Seitdem hat sich die Lage kaum entspannt.

Wie explosiv die Situation ist, zeigt ein Vorfall am 28. Oktober in Peking: Ein Jeep raste in Peking durch eine Absperrung am Platz des Himmlischen Friedens in eine Menschenmenge hinein. Fünf Menschen starben, bei dreien handelte es sich um die uigurischen Insassen, 38 wurden verletzt. Seitdem wurden die Sicherheitsbestimmungen in Xinjiang verschärft. Die Regierung spricht von Terroristen, die in Xinjiang ein islamisches „Ost-Turkestan“ proklamieren wollten. Den vermeintlichen Separatisten werden Verbindungen zur Terrororganisation al-Qaida nachgesagt.

Abdul, ein 28-jähriger Uigure, macht eher einen deprimierten denn fanatischen Eindruck. „Wir werden in unserem eigenen Land diskriminiert“, sagt er und bittet darum, seinen echten Namen nicht zu drucken. Abdul verdient sich sein Auskommen mit dem Übersetzen von englischen Computerfachtexten ins Uigurische. Einen festen Job hat er nicht. Die meisten seiner Altersgenossen seien ohne Arbeit, sagt er. „Wir waren 40 Leute in meiner Abschlussklasse. Sieben davon waren Chinesen. Alle von ihnen bekamen ein Jobangebot, von den Uiguren keiner.“ Abdul kann Dutzende solcher Beispiele aufzählen. Viele Stellenanzeigen seien mit der Überschrift „Keine Uiguren“ versehen, klagt er.

Um sich nicht dem Vorwurf der Diskriminierung auszusetzen, will Volkswagen in Urumqi gezielt Uiguren einstellen. „Erklärtes Ziel ist, dass die ethnische Zuordnung innerhalb der Belegschaft auf allen Personalebenen der ethnischen Verteilung im Großraum Urumqi entsprechen soll“, heißt es bei VW. „Dies wird entsprechend umgesetzt.“ Doch die Betroffenen berichten etwas anderes. „Uiguren arbeiten hier so gut wie keine“, sagt eine Mitarbeiterin am Telefon und bittet, auf keinen Fall ihren Namen zu nennen. Sie hat Angst, ihren Job zu verlieren. Ein uigurischer Werksmitarbeiter erzählt auf dem Nachhauseweg: „Von den 400 Mitarbeitern sind vielleicht zehn Uiguren.“ Der 22-Jährige hat eine dreimonatige Ausbildung in Shanghai absolviert, bevor er bei VW in Urumqi anfing. VW bestreitet die Zahlen und sagt, das Werk befinde sich noch in der Rekrutierungsphase.

Gleichstellung gibt es nur auf dem Papier

Automobilexperte: „Volkswagen ist sehr stark in China“

Die Kommunistische Partei verweist gern auf die Privilegien der Uiguren: Sie dürfen mehr Kinder bekommen als Han-Chinesen, für die die Ein-Kind-Ehe die Norm ist, und die Zulassungsbeschränkungen für Universitäten sind lockerer. Peking hat durchaus den Plan, die Region und ihre Bewohner mit wirtschaftlichen Erleichterungen zu fördern. Mit durchschnittlich 6.400 Yuan (800 Euro) im Jahr sind die Einkommen auf dem Land aber gerade einmal halb so hoch wie in Shanghai, doch immerhin 15 Prozent höher als im Vorjahr. Während die Chinesen die schicken, neuen Viertel der Stadt bewohnen, leben die Uiguren in der heruntergekommenen Altstadt.

Die Highlights von Shanghai
VW CrossBlue Coupé StudieBei diesem SUV handelt es sich um einen Plug-In-Hybriden mit V6-Turbo-Benzin-Direkteinspritzers (TSI) und zwei Elektromotoren. So entwickelt er eine Leistung von 305 kW / 415 PS. Von Null auf hundert beschleunigt der CrossBlue in 5,9 Sekunden, bei einer Höchstgeschwindigkeit von 236 km/h. Im Inneren setzt VW auf einen edlen Lounge-Look. Quelle: Volkswagen
Nissan Friend-MeDas Concept Car der Japaner soll vor allem junge Chinesen ansprechen. Deshalb setzt Nissan auf ein aggressiv-sportlich-cooles Design. Das neue Infotainment-Konzept besteht aus einer Mittelkonsole, die sich vom Armaturenbrett bis in den Fond sieht und alle Sitzplätze mit großflächigen Informations-Bildschirmen versorgt. Findet ein Insasse zum Beispiel, r interessante Inhalte auf seinem Smartphone findet, kann er sie auf die On-Board-Bildschirme übertragen und so mit den anderen teilen. Quelle: Nissan
BMW X4Eine Coupé-Version des X3 stellt BMW in Shanghai vor. Dafür sorgt die geschwungene Dachlinie des X4 Concepts. Drei Blechkanten an der Seitenansicht sollen das Modell kraftvoll, aber auch nicht zu wuchtig erscheinen lassen. Quelle: BMW
Beetle mit iPhone-AnbindungWeltpremiere feierte die Symbiose aus iPhone und VW Beetle. Das Smartphone wird künftig über eine eigens entwickelte App („Volkswagen Car Net The Beetle“) und eine Dockingstation in die Fahrzeugfunktionen des Beetle und Beetle Cabriolets integriert. Es wird entweder als optionales Ausstattungsfeature oder als serienmäßiges Ausstattungsdetail des ebenfalls neu konzipierten iBeetle bzw. iBeetle Cabriolet erhältlich sein. Generell sind alle iPhone-Funktionen im Beetle nutzbar, neu hinzukommen u.a. Funktionen, die das iPhone zum erweiterten Bordinstrument des Beetle machen. Quelle: Volkswagen
Porsche PanameraVier Jahre nach der Einführung des Porsche Panamera stellt die Stuttgarter Luxusautoschmiede die zweite Generation des Modells vor. Außer auf ein aufgefrischtes Design setzt Porsche auch auf sparsamere Technik. Der neue Dreiliter-V6-Motor soll weniger verbrauchen und leistungsstärker sein. Beim Panamera S E-Hybrid sollen es nur 3,1 Liter Benzin auf 100 Kilometer sein. Dessen Lithium-Ionen-Akku lässt sich auch an einer Haushaltssteckdose aufladen. Quelle: Porsche
BMW mit neuer MarkeDoch nicht nur mit dem BMW X4 will BMW in China punkten. Ab November will BMW gemeinsam mit seinem chinesischen Partner Brilliance eine neue Marke namens "Zinoro" etablieren. Dann soll der erste Wagen der Submarke auf der Guangzhou Motor Show vorgestellt werden. Ab 2014 ist die Produktion geplant. Die Wagen sollen ausschließlich für den chinesischen Markt gebaut werden. Insgesamt kooperieren BMW und der Hersteller Brilliance China Auto schon seit zehn Jahren miteinander: Entstanden sind bisher der X1, der 3er und der 5er BMW – beide Limousinen gibt es exklusiv für China in einer Langversion. Preislich bietet BMW die Fahrzeuge etwas günstiger an als in Deutschland, um sich dem Markt anzupassen. Quelle: dpa
Ford Escort ConceptSpeziell für chinesische Kunden konzipiert wurde der Ford Escort Concept. Damit verstärkt Ford sein Engagement auf dem Markt. Der Ford Escort Concept rückt gezielt die Kompaktwagen-Klasse des Reichs der Mitte ins Visier - jenes Segment, in dem mehr als 25 Prozent aller Neufahrzeuge in China abgesetzt werden. Copyright: Ford-Werke GmbH Quelle: obs

VW und die Politiker in Urumqi verbreiten Optimismus. Noch werden die Mitarbeiter in anderen VW-Werken in China trainiert, bevor sie in Urumqi arbeiten. Das solle sich langfristig ändern. Zwei Straßen weiter ragt ein neuer Universitäts-Campus in den Steppenhimmel. Hier werden seit September rund 300 Schüler nach dem dualen System zum Mechatroniker und Elektromechaniker ausgebildet.

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Doch Zweifel, dass vor allem Uiguren davon profitieren, sind angebracht. „30 Prozent der Schüler sind Uiguren“, sagt der Parteisekretär der Universität, Iskandar Kurban. Eine Gruppe uigurischer Studenten auf dem Campus lacht über die Zahl. „Vielleicht sechs oder sieben“, seien Uiguren, „der Rest sind Chinesen.“

Professor Halik, der Wanderer zwischen den Welten, sagt, dass dies sehr typisch für die Lage in Xinjiang sei. „Auf dem Papier gibt es keine Diskriminierung, im Alltag aber findet sie ständig statt.“ Nur wenige seiner uigurischen Studenten bekämen nach dem Studium einen festen Job, die chinesischen Kommilitonen schon. „Momentan“, so Haliks Resümee, „bestätigt Volkswagen mit seiner Personalpolitik die bestehenden Machtverhältnisse.“

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