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Werner knallhart
Ein junger Mann sitzt in Berlin in einem Mietwagen des Unternehmens Drive Now. Quelle: dpa

Die dunkle Seite der Sharing Economy: Der Carsharing-Assi

Man öffnet das Carsharing-Auto – und der Müll des Vormieters fällt einem entgegen. Was tun, wenn beim gemeinsamen Wirtschaften rücksichtslose Egoisten mitmachen?

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Am Anfang war alles noch anders. Als ich vor rund anderthalb Jahrzehnten meine erste Mitgliedschaft bei einem Carsharing-Anbieter antreten wollte, musste ich zu einem Treffen der neuen Mitglieder in den Verwaltungsräumen eines Parkhauses in Köln antanzen. Da wurden wir dann auf das Prinzip eingeschworen: Umwelt schützen, Geld sparen, Parkraum schonen und gemeinsam mit den anderen Nutzern an einem Strang ziehen.

Carsharing - das war damals noch Ausdruck einer Weltanschauung. Und lockte eine Klientel, die wahrscheinlich lieber für den Rest ihres Lebens ihren Führerschein abgegeben hätte, als bei einem Tankfüllstand von einem Viertel einmal das Nachtanken zu vergessen (was schließlich dem armen Nachmieter Verdruss bereitet hätte).

Und wenn man sein Auto mal ein paar Minuten zu spät an der fest definierten Station abgegeben hatte, weil man in den Stau geraten war, und der Nachmieter scharrte schon mit den Hufen, dann war eine Strafzahlung fällig, die dem Wartenden zugute kam. Solche Systeme gibt es noch; sie gehören heute aber zum alten Eisen und haben am ehesten noch in mittelgroßen Großstädten eine Bedeutung. Nennen wir sie die guten alten Pioniere. Dieser Pionier-Geist hat die Mitglieder zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammengeschweißt. Gegenseitige Rücksichtnahme inklusive.

Ein junger Mann sitzt in Berlin in einem Mietwagen des Unternehmens Drive Now. Quelle: dpa

Damals lag in jedem Auto sogar noch ein Päckchen Kaugummi. Als nette Geste für alle. Gibt es sowas noch?

Eigentlich ist es ja gut, dass das Carsharing den Nimbus des hochwichtigen Öko-Eliten-Projekts in den größten deutschen Großstädten längst abgestreift hat. Maximale Flexibilität zugunsten der Massentauglichkeit. Man ist Carsharer nicht aus politischer Überzeugung, sondern weil man als wirtschaftlich vernünftig denkender Mensch keinen Bock hat auf die laufenden Kosten eines eigenen Autos plus Sprit, die Parkgebühren und die zeitraubenden Waschanlagen- und Werkstattbesuche mit den überraschend anfallenden Kosten („Ououou, das sollten Sie dringend mal machen lassen.“).

Stattdessen fährt man gemütlich mit dem am Straßenrand aufgegabelten DriveNow-Cabrio von A nach B, aber später von B nach A vielleicht mit einem Smart von Car2Go, der U-Bahn, dem Taxi oder einem Emmy-Elektroroller, den man sich per App geschnappt hat. Man kann jederzeit aus dem Vollen schöpfen und neu entscheiden. Selbst die Frage „wer fährt, wer trinkt?“ hat sich erledigt, weil ja kein eigenes Auto mehr zurück nach Hause gefahren werden muss. Dank der Sharing Economy.

Aber diese Locker-Flockigkeit hat auch ihre Nachteile: Die Mieter werden auch locker-flockig. Oder besser: gleichgültig.

Gefühlt jedes dritte Auto ist mittlerweile zugemüllt oder zugedreckt. Da stehen im günstigen Fall in beiden Getränkehaltern halb ausgetrunkene Pappbecher oder jemand hat das Mentos-Papier in den Fußraum geworfen oder im Hochsommer eine Bananenschale fein säuberlich zusammengewickelt hinter dem Schaltknauf versteckt.

Nicht selten schleppen Leute Dreck in derartigen Mengen mit den Schuhen rein, dass ich unwillkürlich vor meinem geistigen Auge habe, wie sie sich vorher mit dem Buttermesser den Morast in die Solenprofile gestrichen haben. Denn anders können diese Mengen eigentlich gar nicht transportiert worden sein.

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