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Werner knallhart
Nicht parken, wo man lädt, sondern laden, wo man parkt - welche Lösungen gibt es für die Angst vor der belegten Ladesäule? Quelle: imago

E-Autos: Werden Verbrenner jetzt ganz schnell uncool?

Die E-Autos kommen in allen Segmenten. Werden wir uns demnächst dafür entschuldigen müssen, einen Verbrenner zu kaufen? Andere Trends lassen vermuten: Das Image der alten „Brummer“ kippt schneller als gedacht.

Juhu! Das Henne-Ei-Problem ist gelöst! Die Anbieter von Elektroauto-Ladesäulen warten nicht mehr auf die E-Autos und die Autohersteller schmeißen jetzt E-Autos auf den Markt, obwohl die Ladeinfrastruktur noch erbärmlich löcherig ist. Ei und Henne entstehen einfach parallel. Nach und nach. Aber immerhin.

Die Autohersteller bauen E-Autos und außerdem nun ihre eigene Ladeinfrastruktur, etwa mit dem Ionity-Verbund der meisten deutschen Hersteller, der nun hunderte von Ladesäulen auf Europas Autobahnen montiert. Kinners, auf die Lösung hätte man auch schon früher kommen können. Der Beweis: Tesla mit eigenem Ladenetz exklusiv für seine Kunden.

Denn mittlerweile zeigt sich längst, was Autokäufer vom E-Auto neben dem höheren Kaufpreis wirklich abschreckt: die Angst, irgendwo im Nirgendwo mit leerem Akku liegenzubleiben. Diese Demütigung! Diese Lebenszeitverschwendung. Diese Angst vorm Verhungern!

Das Problem: Selbst, wenn an Autobahnparkplätzen alle paar dutzend Kilometer bald ein oder zwei Ladesäulen stehen - wer weiß schon, ob die frei sein werden, wenn man sie mit fast leerem Akku ansteuert? Anders als bei der Sprit-Zapfsäule, an der man zur Not drei, vier Minuten wartet, bis der trödelige Vordermann endlich bezahlt hat und mit seiner Kiste abschiebt, kann so ein E-Ladevorgang gut mal ein ganzes Mittagessen im Rasthof lang dauern – inklusive Kaffee und roter Grütze mit Vanillesoße. Das zieht sich. Insbesondere, wenn man nicht selbst essen geht, sondern der, der noch vor einem an der Ladesäule hängt. Und man nicht weiß, wie lange noch.

Nicht parken, wo man lädt, sondern laden, wo man parkt

Die Angst vor der belegten Ladesäule lässt sich technisch lösen. Mit kostenpflichtigen Reservierungen per App. Bezahlung mit dem Smartphone. Fertig. Bitte mal alles massentauglich für Jedermann und alle Ladesäulenanbieter programmieren, liebe Coder. Beim Carsharing geht das mit dem kostenpflichtigen Reservieren ja auch.

Nächste Herausforderung: Laden in der Stadt. Ich bin fest davon überzeugt: Wild in den Stadtzentren verteilte Ladesäulen am Straßenrand können nicht die Lösung sein. Wer will schon parken, wo er lädt? Wir wollen doch laden, wo wir parken:

Das sind die neuen Elektro-SUV
Audis Übergangs-CEO Bram Schot bei der Präsentation des Audi E-Tron Quattro in San Francisco. Quelle: Presse
Weltpremiere des ersten elektrischen Audi-Serienmodells Quelle: Presse
Audi E-Tron Quattro Quelle: Presse
Audi E-Tron Quattro Quelle: Presse
BMW iNext Quelle: Presse
BMW iNext Quelle: Presse
BMW iNext Quelle: Presse

„Also ich habe jetzt einen Firmenparkplatz mit E-Anschluss.“ Aus Sicht von Mitarbeitern ein tolles Zeichen von Wertschätzung durch die Firma.

„Ich fahr lieber zu Lidl, da kann ich parallel noch laden.“ Für Kunden ein genialer Anreiz.

Wer sein Auto jeden Tag allein schon bei der Arbeit und am Wochenende beim Shoppen aufladen kann, braucht doch wohl keine Ladesäulen auf offener Straße irgendwo in der Marie-Luise-Donnermann-von-Ströhler-Straße sechs Blöcke weg von daheim.

Und dann gibt es ja noch die Wallboxen zum Aufladen zu Hause für Leute mit eigenem Parkplatz.

Wenn das alles erstmal eingespielt ist (und das passiert ja gerade), gibt es doch demnächst keinen vernünftigen Grund mehr, einen Verbrenner zu kaufen. Der Preis der E-Autos sackt schon richtig ab, weil die Akkus billiger werden. Und das Wichtigste: E-Autofahren macht Spaß!

Sahen die ersten Elektroautos vor sieben Jahren oder so noch aus wie von der Krankenkasse bezahlt, kommen spätestens mit dem Audi E-Tron und dem Mercedes EQC jetzt und demnächst handfeste Premium-E-Modelle auf den Markt. Von den gut aussehenden (wenn angeblich auch poplig verarbeiteten) Teslas, dem Jaguar I-Pace und dem optisch mutigen BMW i3 ganz abgesehen, die es schon längst gibt. Und dann wird es demnächst Allerwelts-Stromer geben, denen man ihre Batteriedurchtriebenheit gar nicht ansieht.

Kann man dann noch guten Gewissens einen Benziner kaufen, geschweige denn einen Diesel? Ist man dann nicht vom alten Eisen? Der Image-Umschwung geht gerade los. Porsche-Chef Oliver Blume hat im „Handelsblatt“ jüngst auf die Frage geantwortet, wie die Kunden wohl elektrische Porsches ohne röhrenden Sound aufnehmen werden: „Das Autofahren macht Spaß aufgrund der Dynamik und Beschleunigung. Das Geräusch ist nicht das Bestimmende für die Emotionen.“

Ich glaube nicht, dass man sich das mit den Fahrgefühlen als Autoboss schönreden muss. Haben Sie schonmal das Strompedal (ehemals Gaspedal) bei einem E-Auto durchgedrückt und sind mit dezentem futuristischen Wimmer-Geräusch aber mit voller Kraft losgeschossen? Das geht selbst in der Mittelklasse. 

Wenn aber schon heute aggressives Motorendröhnen landläufig angesehen wird als Kompensation für ein zu klein geratenes Genital – wie wird es künftig sein, wenn man dank Strom an der Ampel auf die leise Weise sogar schneller wegkommt und die röhrenden Kisten zurückbleiben? Ein Kavalierstart ist prollig. Ein E-Start steht hingegen für nichts. Weil man ihn ja nicht hört. Erfahrungen mit anderen Trends zeigen: Es kann wahnsinnig schnell gehen, dass das Bisherige plötzlich unten durch ist:

Die fünf günstigsten Elektroautos
Citroen C-Zero Quelle: Spotpress
Smart Forfour EV Quelle: Spotpress
Citroen den Mehari Quelle: Spotpress
VW e-Up Quelle: Spotpress
Kia Soul EV Quelle: Spotpress

1.  Der Flachbildfernseher hat die Röhre regelrecht pulverisiert.
2.  Das Smartphone von Samsung und Apple hat Weltmarktführer Nokia aus dem Markt gefegt.
3.  McDonald's gilt als Arme-Leute-Essen, spätestens seit es auf edel gemachte Burger-Restaurants wie Hans im Glück gibt.
4.  Wegen Netflix und Kollegen macht sich das lineare Unterhaltungsfernsehen langsam Sorgen.
5.  City-Einkaufszentren mit Foodcourt sind längst die neuen Warenhäuser.

Alles gepaart mit der Haltung der Verbraucher: Das alte passt nicht mehr zu mir. Mittlerweile gilt es etwa als schick zu sagen: „Ich gucke doch kein Fernsehen mehr.“ Und wer unter 60 ist und bei Karstadt essen geht, sollte es seinen Freunden lieber verschweigen. 

Motorenlärm wird bald von vielen nicht mehr als notweniges Übel, sondern als unnötige Zumutung empfunden werden. Bald wird es sicher auch heißen: „Lärmschutz: Zufahrt nur mit Elektrofahrzeugen“. Abgase auszustoßen dort, wo wir leben (in Einkaufsstraßen, Wohngebieten, Erholungsgebieten), gilt vielleicht bald schon als verpönt. Wer einen Verbrenner kauft, könnte in ein paar Jahren schon als ewig gestrig und gleichgültig rüber kommen.

Ich habe so das Gefühl: Das geht schneller, als die Autohersteller es sich vorstellen können. Wir Deutschen sind zwar nicht gerade die Early Adopter dieses Planeten. Aber wir fragen eben nach Sinn und Zweck. Und da haben die Verbrenner einfach schlechte Karten. Sobald die Ladesäulen stehen.

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