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Wichtiger Standort Warum wieder über Opel in Bochum diskutiert wird

Opel: Warum der Betriebsrat den Standort Bochum gefährdet sieht Quelle: REUTERS

Das Tauziehen um die Zukunft von Opel zwischen Betriebsrat und Eigentümer PSA geht weiter. Inzwischen sorgt sich der Betriebsrat um Bochum. Die wichtigsten Antworten zur Debatte um den Standort.

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Bei Opel geht die Angst um den Standort Bochum um – wieder einmal. Der Bochumer Betriebsrat fürchtet nach der Schließung des Fahrzeugwerks auch um die Zukunft des erst im vergangenen Jahr eröffneten Logistik-Standorts im Ruhrgebiet. In dem Warenverteilzentrum arbeiten mehr als 700 Mitarbeiter. Hintergrund der Ängste sind offenbar die Sparpläne des neuen Mutterkonzerns PSA. Die wichtigsten Antworten.

Was ist der aktuelle Aufreger in Bochum?

Der Betriebsrat hat laut einem Bericht der „Westdeutschen Allgemeine Zeitung“ ein Flugblatt verteilt, in dem die Befürchtung formuliert wird, dass Peugeot an einem Konzept arbeite, wie das gesamte europäische Ersatzteilgeschäft ohne Bochum bewältigt werden könnte. Sprich: Es drohe eine Schließung des Warenverteilzentrums.

Welchen Hintergrund vermutet der Betriebsrat hinter den Plänen?

Die Arbeitnehmervertreter vermuten laut dem Bericht, sie sollten in den anstehenden Verhandlungen unter Druck gesetzt werden. „Nur bei Verzicht auf Tarifbindung, alle Tariferhöhungen und dauerhaftes Unterschreiten des IG-Metall-Flächentarifvertrages soll den Bochumer Beschäftigten eine positive Zukunftsprognose angeboten werden“, heiße es in dem Flugblatt.

Opels Produktionsstandorte in Europa

Was sagt Opel dazu?

Opel gibt an, sich auch in Bochum an die geltenden Tarifverträge zu halten und stellt den Standort nicht in Frage. „Das Bochumer Warenverteilzentrum wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle in unserem europäischen Verbund spielen“ sagt ein Opel-Sprecher. „Natürlich müssen wir auch in Bochum unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern.“

Wie ist der Stand bei den Verhandlungen zwischen PSA und deutschem Betriebsrat?

Die Opel-Belegschaft liegt mit der neuen Mutter wegen der Sparpläne über Kreuz, die Verhandlungen sind festgefahren. Betriebsrat und IG Metall werfen dem Management vor, mit einem Kahlschlag in Deutschland die Marke mit dem Blitz zu gefährden. Vergangenen Donnerstag hatte sich PSA-Chef Carlos Tavares verhandlungsbereit gezeigt. Er wolle die bereits fertigen Zukunftspläne für die drei deutschen Standorte Eisenach, Rüsselsheim und Kaiserslautern mit dem Betriebsrat diskutieren – das Logistikzentrum in Bochum wurde dabei nicht erwähnt. In den Plänen gehe es unter anderem um geplante Automodelle, Kapazitäten, Investitionen und die geforderte „Performance“ (Leistung) der Werke. Er sei auch bereit, der IG Metall Kostenstrukturen vergleichbarer PSA-Werke vorzulegen, kündigte Tavares an.

Nur einen Tag später widersprach der Leiter des Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger, dem Eindruck, dass neue Tarifverhandlungen unmittelbar bevorstünden. „Uns liegt weder ein neues Angebot von PSA/Opel noch ein Terminvorschlag für die Fortsetzung der Verhandlungen vor“, erklärte der Gewerkschafter am vergangenen Freitag. Er verlangte erneut konkrete und belastbare Planungen für Modelle, Kapazitäten und Investitionen an den deutschen Opel-Standorten mit rund 18.000 Beschäftigten. Insbesondere um den Opel-Standort im thüringischen Eisenach gibt es viele Sorgen, denn nach IG-Metall-Angaben ist bisher nur die Produktion eines großen Geländewagens mit einer Jahresstückzahl von unter 100.000 Einheiten im Gespräch.

Gab es nicht eine Standort- und Arbeitsplatz-Garantie von PSA?

Doch – und genau darauf berufen sich Gewerkschafter wie Jörg Köhlinger regelmäßig. Auf dieser Grundlage werde man neue Verträge verhandeln, die über das Jahr 2020 hinausweisen. Eine Grundlage mit gültigen Tarifverträgen, die die Gewerkschaften als untergraben ansehen.

Tavares wies jedoch die Vorwürfe zurück, wonach bestehende Tarifverträge bei Opel für die Produktion verletzt würden. Eine französische und eine deutsche Anwaltskanzlei hätten attestiert, dass die Vereinbarungen eingehalten würden. PSA halte sich an rechtliche Vorgaben.

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