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Wuling Hongguang Mini EV Junge Frauen lieben Chinas erfolgreichstes Elektroauto

Innerhalb von nur neun Monaten seit der Markteinführung hat Wuling, ein Joint Venture von General Montors und den zwei chinesischen Staatsfirmen SAIC und Guangxi Automobile Group rund 270000 Exemplare des winzigen Elektro-Zweisitzers Hongguang Mini verkauft. Quelle: REUTERS

General Motors und sein chinesischer Partner SAIC haben einen unerwarteten Hit gelandet: Ein kleiner Elektro-Zweisitzer erobert den chinesischen Markt im Sturm. 60 Prozent der Käufer sind weiblich.

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In China schossen neue E-Auto-Marken in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden. Doch das Tempo, mit dem derzeit der Wuling Hongguang Mini EV den Markt erobert, verblüfft selbst chinesische Branchenkenner. Innerhalb von nur neun Monaten seit der Markteinführung hat Wuling, ein Joint Venture von General Montors und den zwei chinesischen Staatsfirmen SAIC und Guangxi Automobile Group rund 270.000 Exemplare des winzigen Elektro-Zweisitzers Hongguang Mini verkauft, der in der Grundausstattung weniger als 4000 Euro kostet.

Damit ist der Hongguang Mini noch vor sämtlichen Tesla-Modellen und allen anderen heimischen Marken in Rekordzeit zum erfolgreichsten E-Auto Chinas aufgestiegen. Das Unternehmen mit Sitz in der Stadt Liuzhou strebt schon im kommenden Jahr einen Absatz von 1,2 Millionen Fahrzeugen an, was in etwa der Anzahl der Elektroautos entsprechen würde, die Chinas Autohersteller im Jahr 2020 zusammen produziert haben.

Nährboden für die chinesische E-Autoindustrie ist ein milliardenschwerer Plan der Regierung in Peking, die schon seit Jahren auf einen massiven Ausbau der Elektromobilität setzt. Hohe Subventionen und gleichzeitige Beschränkungen für Benziner auf den Straßen haben dazu beigetragen, dass dem E-Auto in China schneller der Weg bereitet werden konnte, als im Westen.

Im vergangenen Jahr verfügten 6,3 Prozent aller verkauften Autos in China über einen elektrischen Antrieb. In diesem Jahr, so schätzt das Analyse-Unternehmen Canalys, sollen rund 1,9 Millionen E-Autos an chinesische Kunden ausgeliefert werden – dann wären bereits 9 Prozent aller Neuwagen in China elektrisch unterwegs.

Längst nicht nur Wuling wächst in diesem Umfeld rasant. Der junge chinesische E-Autobauer Nio etwa verdoppelte die Zahl seiner ausgelieferten Fahrzeuge im vergangenen Jahr immerhin auf knapp 44.000. Der heimische Konkurrent Xpeng verdoppelte seinen Absatz ebenfalls auf rund 27.000 E-Autos. Und Li Auto, der dritte an der New Yorker Börse gelistete chinesische Tesla-Jäger im Bunde, schaffte in seinem ersten Produktionsjahr den Verkauf von über 32.000 Fahrzeugen.

Ein zunehmend wichtiger Spieler bei der chinesischen E-Offensive sind die Technologie-Konzerne des Landes. Entweder mit eigenen Fahrzeugen, oder in Kooperation mit Autoherstellern, wollen sie auch dafür sorgen, dass China beim autonomen Fahren künftig die Nase vorn hat.

Die drei größten Internetfirmen des Landes Baidu, Alibaba und Tencent suchen schon länger die Nähe zur chinesischen Autoindustrie. Neu hinzugekommen ist zuletzt auch Huawei, das wegen US-Sanktionen Schwierigkeiten hat, seine Smartphone-Sparte am Leben zu halten. Die Autoindustrie, in der sich der Konzern aus dem südchinesischen Shenzhen als Zulieferer für smarte Technologie etablieren will, wird als Rettungsanker gesehen.

Der Erfolg des Hongguang Mini hat mit Technologieführerschaft jedoch wenig zu tun. Das chinesisch-amerikanische Joint-Venture wurde bereits 2002 gegründet und baute seitdem sein Geschäft mit dem Verkauf von Mikrovans auf: Zuverlässige Arbeitspferde mit Schiebetüren, die gerne für innerstädtische Transporte oder von Handwerkern genutzt werden. Die Käufer dieser benzinfressenden grauen Vans waren stets fast ausschließlich männlich.

Der neue, elektrifizierte Hongguang Mini kommt dagegen bei Frauen besonders gut an. Laut Wuling kommt die Mehrheit der Käufer aus kleineren Städten, 72 Prozent der Käufer sind in den 1990er Jahren geboren und 60 Prozent von ihnen sind weiblich. „Als süß und erschwinglich“ und als das „Auto junger Kleinstadt-Frauen“, bezeichnete die staatliche Zeitung China Daily den chinesischen Mini kürzlich. „Wir verkaufen sie nicht wie Autos, sondern eher wie Designerklamotten“, heißt es bei Wuling.

„Die Mentalität unseres Unternehmens ist es, alles zu produzieren, was die Leute brauchen“, sagte Wulings Marketingchef Zhang Yiqin kürzlich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Als klar war, dass der kleine Elektro-Flitzer vor allem bei jungen Frauen gut ankommt, reagierte Zhang prompt und heuerte für sein Team noch mehr weibliche Mitarbeiter an.



Wuling ging zudem schnell auf die Wünsche seiner Kundinnen ein und bietet nun Versionen des Hongguang auch in Farben wie Avocadogrün, Zitronengelb und Pfirsichrosa an. Mit zusätzlich erhältlichen Aufklebern kann die Karosserie des Autos immer wieder verändert werden. Eine Sonderedition des Hongguang wird neben einer schwarz-roten Lackierung sogar mit Teufelshörnern auf dem Dach ausgeliefert. Die Überlegungen von Wuling gehen weiter: Sondermodelle mit Konzernen wie Disney oder Nike sind bereits in Planung.

Mehr zum Thema: Chinesen kaufen gern deutsche Autos – und umgekehrt? Das wird sich bald zeigen. Denn zahlreiche chinesische Autobauer greifen mit Elektromodellen in Europa an. Sie kommen als unschlagbar günstige Technologieführer.

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