„Zeit für ein neues Denken“ Warum Geely-Chef Li Shufu bei Daimler einsteigt

Geely-Chef Li Shufu. Quelle: REUTERS

Der Investor Geely kauft sich bei Daimler ein. Für dessen Haupteigner Li Shufu ist das ein notwendiger Schritt im Kampf gegen Tesla, Google und Uber.

Daimler hat einen neuen Großaktionär. Der Haupteigner des chinesischen Autokonzerns Geely, Li Shufu, hält nun 9,69 Prozent an Daimler. Gut sieben Milliarden Euro ist der Anteil nach aktuellem Kurs wert.

Doch was sind die Pläne der Chinesen?

Insidern aus dem Umfeld von Li Shufu zufolge strebt er eine industrielle Partnerschaft mit Daimler an. Er setzt wohl auf die Expertise der Stuttgarter bei der Entwicklung von Elektro- und selbstfahrenden Autos. Mit ihnen zusammen will Li, Spitzname „der verrückte Autobauer“, der Konkurrenz von Tesla, Google und Uber, die alle an der Entwicklung von selbstfahrenden Autos arbeiten, Paroli bieten.

„Die Wettbewerber, die uns im 21. Jahrhundert technologisch herausfordern, kommen nicht aus der Automobilindustrie“, erklärt Li selbst in einer am Samstag veröffentlichten Pressemitteilung. Man brauche Freunde und Partner, um diesen „Eindringlingen von außen“ mit vereinten Kräften zu begegnen. „Es ist Zeit für ein neues Denken. Mein Engagement bei Daimler reflektiert diese Vision.“ Er freue sich, „Daimler auf dem Weg zu einem der weltweit führenden Anbieter von Elektromobilität zu begleiten“, so Li.

Der Geely-Haupteigner gehe davon aus, dass vielleicht ein, zwei oder drei Autobauer in diesem Wettbewerb bestehen können, sagte eine der Personen, die mit den Überlegungen des Chinesen vertraut sind. "Er ist der Ansicht, dass sich Autobauer von heute zusammenschließen sollten, um in die Zukunft zu investieren. So könnten sie einer der Konzerne werden, der überlebt."

Das passt zur Strategie der Vergangenheit: Zu Geely gehört seit einigen Jahren die schwedische Automarke Volvo. Vor wenigen Wochen stiegen die Chinesen zudem beim schwedischen Lkw-Bauer Volvo ein. Auch Unternehmen wie die London Taxi Company und den Sportwagenhersteller Lotus hat der Konzern mittlerweile gekauft.

Das Interesse von Geely an Daimler hatte bereits im Herbst für Fantasie an der Börse gesorgt. Damals hieß es, dass der Stuttgarter Autokonzern milliardenschwere Avancen abgewiesen hat. Die Asiaten hätten über eine Kapitalerhöhung mit einem Anteil von bis zu fünf Prozent einsteigen wollen. Daimler lehnte das Insidern zufolge ab, teilte den Chinesen jedoch mit, dass sie Aktien an der Börse kaufen könnten.

Seinen Anteil an Daimler will Li Shufu nach eigenen Angaben nun zunächst bei knapp 10 Prozent belassen. Es sei vorerst nicht geplant, weitere Aktien zu kaufen, teilte sein Konzern mit. Li werde sich vollständig an die Regeln des Stuttgarter Autobauers halten und dessen Werte und Firmenkultur respektieren. „Daimler ist ein herausragendes Unternehmen mit einem erstklassigen Management“ , wird Li in der Mitteilung zitiert. Es sei eine Ehre, Konzernchef Dieter Zetsche und dessen Team zu unterstützen.

Unklar ist weiterhin wie genau Geely den Anteil an Daimler kaufen konnte. Nach den deutschen Kapitalregeln müssen Beteiligungen bei Schwellen von drei und fünf Prozent bekanntgegeben werden.

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