




Geht es nach Volkswagen-Boss Martin Winterkorn, muss der Konzern bis 2017 fünf Milliarden Euro einsparen. Trotzdem soll es keine Abstriche bei der Produktion in Deutschland geben. Ziel sei, das aktuelle Produktionsvolumen in Deutschland „mindestens zu halten“, sagte Winterkorn der „Braunschweiger Zeitung“. „Wir dürfen unsere Industrie nicht leichtfertig aufgeben, sondern müssen dafür sorgen, dass sie weiterhin wirtschaftlich und wettbewerbsfähig ist und den Menschen Nutzen bringt“, betonte er.
Ziel des Sparprogramms ist es, die Umsatzrendite der VW-Kernmarke von 2,9 Prozent in 2013 in den kommenden fünf Jahren auf über sechs Prozent zu steigern. Diesen Wert haben die Wolfsburger Manager in ihrer Konzernstrategie festgeschrieben, mit der sie bis zum Jahr 2018 Weltmarkführer vor Toyota und General Motors werden wollen. Und der bisherige Kurs von VW-Pkw gefährde diese Renditevorgabe, wie Winterkorn am Montagabend vor VW-Führungskräften gesagt hatte. „Seien wir ehrlich: Wir haben in der Produktivität gegenüber den Kernwettbewerbern unverändert erheblichen Nachholbedarf.“
Betriebsrat droht mit Blockade im Aufsichtsrat
Winterkorn nannte als eine Stellschraube auch ein angebliches Missverhältnis zwischen Arbeitskosten und Produktivität – was auf das relativ hohe Tarifniveau bei VW anspielt. Einschnitte dort wird es aber laut VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh „mit uns nicht geben“. Denn mit den Arbeitskosten liege VW durchaus auf Wettbewerbsniveau. „Aber bei der Produktivität müssen Vorstand und Management endlich ihren Job machen“, schrieb Osterloh in der internen VW-Mitarbeiterzeitung. So sei etwa das Management der Fabrikplanung mangelhaft.
Wie die VW-Sparten 2013 abgeschnitten haben
Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.
Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.
Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Beine. 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen Euro reduziert wurde.
Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeugen ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.
Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auf 78.000 Fahrzeuge taxiert.
Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. 2013 legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.
Die Ergebnisse der beiden Ultraluxus-Sparten werden im Volkswagen-Halbjahresbericht nicht gesondert ausgewiesen. Der Absatz kann bei Lamborghini um 5,1 Prozent auf 1166 verkaufte Fahrzeuge zulegen. Die französischen Ultrasportwagen von Bugatti wurden im ersten Halbjahr ganze 16 Mal verkauft.
Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeugen. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.
Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchnern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legt im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.
Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkw steigt der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.
Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legt im Jahr 2013 um 17,5 Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.
Um sein Sparprogramm umzusetzen, benötigt Winterkorn aber die Zustimmung des mächtigen Konzernbetriebsrats rund um Osterloh – doch der kündigte bereits Widerstand an. Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat würden Fahrzeugprojekten nur noch zustimmen, wenn sie mehr Rendite schafften als die Vorgängermodelle. „Alles andere wird es nicht mehr geben, weil das Spielereien auf dem Rücken der Beschäftigten sind“, so Osterloh. Bei der Erweiterung neuer Werke – etwa für neue Modelle – oder beim Fabrikneubau hat die Arbeitnehmerseite Vetorechte. Diese Karte spielt Osterloh nun aus. „Da streichen wir ganze Projekte, wenn es drauf ankommt“, kündigte er als Drohkulisse schon einmal vorsorglich an.
Winterkorn fürchtet bei einem Scheitern der Konzernziele für 2018 um die Motivationsfähigkeit seiner Belegschaft. „Wenn wir dieses Projekt jetzt „ad acta“ legen würden, bevor die Ziele erreicht sind, würde das nächste Programm an den Mitarbeitern nur vorüberziehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der „Braunschweiger Zeitung“. „Ich habe es in meinen 30 Jahren im Volkswagen-Konzern immer wieder erlebt, dass großspurig irgendwelche Programme angekündigt wurden und dann in der Schublade verschwunden sind.“