Zündschloss-Affäre General Motors baut Konstruktionssparte um

Bei GM wird der Bereich Konstruktion künftig in zwei Sparten aufgeteilt, um die Sicherheit zu verbessern. Der bisherige Chef, John Calabrese, nimmt seinen Hut.

Die General Motors Zentrale in Detroit. Quelle: AP

Nach der tödlichen Pannenserie wegen defekter Zündschlösser baut die Opel-Mutter General Motors die Führung im Bereich Konstruktion um. In diesem Zusammenhang wird auch mit dem bisherigen Chef der Sparte, John Calabrese, ein langjähriger Weggefährte der neuen Konzernchefin Mary Barra im August seinen Posten räumen, wie der größte US-Autobauer am Dienstag mitteilte. Der Bereich werde in die neu geschaffenen Sparten "Globale Produktintegrität" und "Globale Komponenten und Teilsysteme" aufgeteilt. Dadurch solle die Qualität und die Sicherheit der Fahrzeuge verbessert werden.

Der Abschied des 55-jährigen Calabrese, der in den vergangenen 15 Jahren in verschiedenen Positionen mit Barra zusammenarbeitete, habe aber nichts mit dem Zündschloss-Skandal zu tun, sagte GM-Entwicklungschef Mark Reuss. Es ist allerdings der größte Wechsel im Spitzenmanagement seit Beginn des millionenfachen Rückrufs wegen des Defekts im Februar.

Angesichts immer komplexerer Systeme im Autobau könne GM mit dem Umbau im Konstruktionsbereich schneller auf mögliche Probleme reagieren, erklärte Reuss. Barra hatte erst im vorigen Monat den altgedienten GM-Manager Jeff Boyer zum Chef für Sicherheitsfragen ernannt.

General Motors: Chronologie der Zündschloss-Affäre

GM sieht sich in dem Skandal zahlreichen Klagen ausgesetzt. Bei Unfällen, die durch defekte Zündschlösser ausgelöst wurden, starben in den vergangenen Jahren mindestens 13 Menschen, 2,6 Millionen Autos wurden in die Werkstätten zurückgerufen. Die US-Behörden untersuchen, warum GM mit dem Rückruf solange wartete, obwohl die Probleme mit den Zündschlössern seit mehr als zehn Jahren bekannt waren. GM ist der Ansicht, dass sie für Vorfälle vor dem Jahr 2009, als das Unternehmen aus der Insolvenz kam, nicht belangt werden kann, weil sie inzwischen rechtlich ein neues Unternehmen sei.

Erst Mitte April hatte GM zwei Spitzenmanager ausgetauscht. Die bisherige Personalchefin Melissa Howell und Kommunikationschef Selim Bingol verließen mit sofortiger Wirkung das Unternehmen. In Howells Fußstapfen trat John Quattrone, ein Urgestein des Konzerns aus dem Umfeld der neuen GM-Chefin Barra. Über die Gründe für das überraschende Ausscheiden der Manager ließ GM nur verlauten, die beiden wollten sich "anderen Interessen widmen". Ein Zusammenhang mit der Zündschloss-Affäre wurde abgestritten.

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Nur wenige Tage zuvor hatte Barra in erster personeller Konsequenz aus dem tödlichen Zündschloss-Debakel zwei Ingenieure beurlaubt. Hier wurde der Zusammenhang auch erwähnt. Barra nannte die Entscheidung einen "Zwischenschritt bei der Suche nach der Wahrheit". GM müsse eine "Firmenkultur entwickeln, in der Sicherheit und Qualität ganz oben stehen", ergänzte Barra. Sie ernannte einen eigenen Beauftragten für Fahrzeugsicherheit und verpflichtete darüber hinaus auch den bekannten Anwalt Anton Valukas, um die Gründe für den verspäteten Rückruf zu untersuchen.

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