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Zulieferer Diesel-Nachrüstung könnte nächstes Jahr starten

Nun schalten sich die Zulieferer in die Debatte um mögliche Diesel-Nachrüstungen ein. Quelle: AP

Laut Zulieferern könnte die Nachrüstung älterer Dieselautos mit entsprechenden Abgasreinigungs-Systeme schon im kommenden Jahr beginnen.

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In der Debatte um die technische Nachrüstung älterer Dieselautos wollen Zulieferer schon bald erste Abgasreinigungs-Systeme anbieten. "Ich denke, dass wir schon Anfang nächsten Jahres die ersten Modelle an dem Markt bringen können", sagte der Geschäftsführer des Katalysatoren-Herstellers Oberland Mangold, Hubert Mangold, der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Der genaue Zeitpunkt hänge auch davon ab, wie schnell das Bundesverkehrsministerium die angekündigten Richtlinien und technischen Vorgaben erlasse. "Wir müssen ja wissen, was das System können muss." Danach richte sich auch, wie aufwendig die Zertifizierung durch das Kraftfahrt-Bundesamt werde.

Er gehe davon aus, dass sein Unternehmen danach entsprechende SCR-Katalysatoren liefern könne. "Wir arbeiten ja schon länger daran." Die Firma aus Eschenlohe in Oberbayern hat seit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der Nachrüstung von Fahrzeugen mit Katalysatoren.

Das Ingenieurbüro Dr Pley SCR Technology aus Bamberg, das ebenfalls solche Systeme entwickelt und vertreibt, will im Mai oder Juni lieferfähig sein. Die Zulassung müsste bis dahin erledigt sein, glaubt Geschäftsführer Martin Pley. "Ansonsten haben wir wieder eine Blockade durch die Politik." Die von Pley entwickelten Abgassysteme lägen bereits dem Kraftfahrt-Bundesamt vor und würden derzeit von den technischen Diensten geprüft.

Pley sagte, er halte es für ausgeschlossen, dass bis September nächsten Jahres ein Großteil der älteren Diesel mit der Abgasnorm Euro 4 und 5 ausgetauscht werden könne. Das liege auch daran, dass gar nicht ausreichend Fahrzeuge mit dem neuen Agassiegel Euro 6d-temp verfügbar seien. Die Fahrzeughersteller kämen also nicht umhin, die Hardware eines Teils dieser Fahrzeuge nachzurüsten. Ab September droht in Frankfurt ein Fahrverbote für Euro-5-Diesel.

Die Bundesregierung hatte sich nach monatelangen Verhandlungen am Dienstag auf einen Plan aus Umtausch und Nachrüstung verständigt, um Fahrverbote in Städten abzuwenden. Während die Autobauer erste bereits Prämienangebote in Höhe mehrerer Tausend Euro angekündigt haben, ist noch völlig unklar, ob auch die Hardware-Nachrüstung zustande kommt. BMW und Opel lehnen sie unter Umweltgesichtspunkten als wenig sinnvoll und technologisch nicht ausgereift ab. Volkswagen pocht darauf, dass alle Herstellen mitmachen, um selbst durch die Kosten der Nachrüstung keinen Wettbewerbsnachteil zu bekommen. Auch Daimler will sich einer Nachrüstung beteiligen, hält sich mit Details aber zurück. Unterdessen setzt die Politik darauf, die Autobauer durch öffentlichen Druck dazu zu bringen, die verlangte Nachrüstung auf eigenen Kosten umzusetzen. Zwingen kann sie die Unternehmen nicht. Ein Streitpunkt neben den Kosten ist auch immer noch die Frage, wer für mögliche Folgeschäden durch einen nachträglich eingebauten Katalysator geradesteht.

Das zahlen die Hersteller von Dieselautos
Daimler wird bis zu 5000 Euro für einen Neuwagen zahlen. Auf Nachrüstungsforderungen reagierte Daimler zurückhaltend. Dem Konzernen steht mit den ab 2021 geltenden strengeren Grenzwerten für den Ausstoß von Kohlendioxid eine große Herausforderung bevor. Daimler-Chef Dieter Zetsche zeigt sich zwar zuversichtlich, die Werte einhalten zu können. Es sei aber klar, dass das ohne nennenswerten Anteil von rein elektrischen oder Hybrid-Fahrzeugen nicht gelingen werde. Quelle: dpa Quelle: dpa
Volkswagen will Dieselbesitzern so schnell wie möglich Umtauschprämien anbieten. Die geplanten Prämien der Volumenmarken des Konzerns sollten im Schnitt bei etwa 4000 Euro für Diesel der Abgasnormen Euro 1 bis Euro 4 liegen - und bei 5000 Euro für Euro-5-Diesel, teilte Volkswagen mit. Die Umtauschprämien seien abhängig vom Modell des Kunden. In den laut Bundesregierung 14 besonders betroffenen Städten mit hohen Grenzwertüberschreitungen bei der Luftbelastung will VW fast eine Million Autobesitzer erreichen. Der Volkswagen-Konzern sei weiter bereit, einen Beitrag zu leisten, um seinen Kunden uneingeschränkte Mobilität zu sichern und Fahrverbote in besonders belasteten Städten zu vermeiden, sagte Konzernchef Herbert Diess. Eine volle Kostenübernahme von Nachrüstungen lehnt der Autobauer jedoch ab. Quelle: dpa, Reuters Quelle: dpa
BMW-Fahrer in Regionen mit hoher Stickoxid-Belastung bekommen vom Konzern 6000 Euro Rabatt, wenn sie ihren Euro-4- oder Euro-5-Diesel durch ein Neufahrzeug ersetzen. Beim Kauf eines jungen Gebrauchten oder eines Vorführwagens zahlt der Konzern 4500 Euro Umtauschprämie. Das Angebot gilt rückwirkend ab dem 1.10. Der alte Diesel müsse mindestens ein Jahr auf den Halter zugelassen sein, der die Umtauschprämie bekommen will. „Wir konzentrieren uns auf die Flottenerneuerung, weil sie schnell Verbesserungen bringt“, sagte der ein Sprecher. Die von der Koalition in Berlin ebenfalls vorgeschlagene Nachrüstung alter Dieselautos mit weiteren Abgas-Filtern dauere dagegen zu lange. Sie könne Gewicht, Leistung, Verbrauch und CO2-Ausstoß des Autos verschlechtern. Dazu kämen noch Gewährleistungsfragen. Eine Umtauschprämie von 2000 Euro biete BMW weiterhin flächendeckend an - die höheren Prämien beschränkten sich auf die von der Koalition benannten 14 Regionen mit hohen Stickoxid-Werten. Zudem verringere BMW den Schadstoff-Ausstoß vieler Fahrzeuge durch freiwillige Software-Updates und habe im Mai 45 Millionen Euro in den vom Dieselgipfel geschaffenen Fonds eingezahlt, sagte der Sprecher. Quelle: dpa Quelle: AP
Der Autobauer Volvo bereitet Medienberichten zufolge für seine Kunden ein Angebot zur Nachrüstung von Dieselautos vor. Wie mehrere Medien berichteten, arbeitet Volvo dazu mit dem Bamberger Katalysatoren-Hersteller Dr. Pley zusammen. Die Kooperation konzentriere sich auf eine Version des Geländewagens XC60. Dieser sei bis zum Jahre 2017 mit der damals gültigen Schadstoffnorm Euro 5 verkauft worden. Volvo gab zunächst keine Stellungnahme ab. Volvo wurde in den Berichten mit den Worten zitiert, es handele sich um einen rein internen Vorgang. Quelle: Reuters Quelle: imago images
Renault kündigt nach der Einigung im Diesel-Streit eine Umtauschprämie an. Der französische Autobauer zahlt privaten Haltern alter Diesel-Pkw mit den Abgasnormen Euro 1 bis Euro 5 in Deutschland ab sofort beim Kauf eines Neuwagens gleich welcher Antriebsart bis zu 10.000 Euro Umtauschprämie, wie das Unternehmen am Dienstag bekanntgab. Die Prämien sind nach Modellen gestaffelt. Das Angebot gelte für Diesel-Fahrer aller Marken und sei bis zum 30. November befristet. Quelle: Reuters Quelle: REUTERS
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