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Autobauer BMW schreibt seine Sünden ab

Die Konjunkturkrise hat BMW Ende 2008 voll erwischt: Im vierten Quartal fuhr der Münchner Autobauer einen Vorsteuerverlust von mehr als einer Milliarde Euro ein. Der Gewinn nach Steuern im Gesamtjahr schmolz auf nur noch ein Zehntel des Vorjahreswerts zusammen.

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BMW hat 2008 massive Absatzeinbrüche erlitten. Quelle: handelsblatt.com

MÜNCHEN. Der Autohersteller BMW ist im letzten Quartal 2008 wegen Aufräumarbeiten an der Bilanz tief in die roten Zahlen gerutscht. Das zeigen die gestern in München vorgelegten Zahlen. Die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr sind finster: Nach Absatzeinbrüchen von rund 25 Prozent im Januar und Februar steht BMW vor der Herausforderung, 2009 nicht komplett in die Verlustzone zu fahren.

Die Münchener zahlen nach wie vor für die Sünden der Vergangenheit. Vor allem in den USA erkaufte sich BMW in den vergangenen Jahren Marktanteile durch aggressive Kredite und Leasinggeschäfte, die sich im Abschwung als Bumerang erweisen. Mit 930 Mio. Euro sorgt BMW für Kreditausfälle vor und bildet Rückstellungen für zurückkehrende Leasingfahrzeuge, die derzeit nicht den kalkulierten Restwert erzielen.

Damit übertraf das Unternehmen im vierten Quartal die schlimmsten Befürchtungen der Börse. Das ist auch Folge einer Schockstrategie: BMW erklärte auf Nachfrage, dass damit alle "derzeit erkennbaren Risiken" auf einen Schlag abgedeckt seien. Ein Ende des Alptraums ist in Sicht. Summiert belaufen sich die Belastungen aus der Autofinanzierung im Gesamtjahr 2008 damit auf rund zwei Mrd. Euro, hinzu kommen 450 Mio. Euro Aufwendungen für den Personalabbau. Nur wegen der halbwegs stabilen Geschäfte im ersten Halbjahr gelang es Konzernchef Norbert Reithofer, BMW im Gesamtjahr in den schwarzen Zahlen zu halten.

Insgesamt sank der Jahresumsatz um fünf Prozent auf 53,2 Mrd. Euro; im Schlussquartal brach der Erlös um 18 Prozent ein. Das Ergebnis vor Steuern sank um 90 Prozent auf 351 Mio. Euro; im vierten Quartal schrieb BMW 718 Mio. Euro Verlust.

"Wir haben uns frühzeitig und schnell auf das deutlich eingetrübte konjunkturelle Umfeld eingestellt", sagte Reithofer und verwies auf die Produktionskürzungen, die BMW früher als die Konkurrenten Audi und Daimler vorgenommen hat. Reithofer hat in den ersten zwei Monaten 2009 die Produktion erneut um 38 000 Stück gekürzt, doch das wird bei einem Gesamtabsatz von zuletzt 1,43 Mio. Autos nicht reichen. BMW ist derzeit in Gesprächen mit seinen Betriebsräten, die bereits vereinbarte Kurzarbeit über den März hinaus auszudehnen, und wird damit erneut die Produktion drosseln. Alle Auguren rechnen weiter mit einem drastischen Nachfrageeinbruch auf den BMW-Kernmärkten Westeuropa und Nordamerika. Konkurrent Audi geht 2009 von einem Absatzrückgang von zehn Prozent aus.

Wie BMW durch das Jahr kommen will, wird Reithofer in der kommenden Woche vorstellen. Neben der allgemeinen Absatzkrise plagen die Münchener hausgemachte Probleme. 2009 steht die Modellpalette unter Druck wie lange nicht mehr. An neuen Produkten hat BMW vor allem schwere Limousinen wie den 7er, den 5er Gran Turismo und den Sportwagen Z4 im Angebot. Die Modelle des Brot-und-Butter-Geschäfts der 3er- und 5er-Reihe werden hingegen erst 2010 beziehungsweise 2011 erneuert.

Kurzfristig verschärft Reithofer den Sparkurs. Er wolle die angestrebten Einsparungen bei den Materialkosten von vier Milliarden Euro bis 2012 übertreffen, sagte Reithofer. Insgesamt will er bis 2012 sechs Milliarden Euro einsparen. Kosten für Material und Personal sollen sinken, die Entwicklung soll deutlich effizienter organisiert werden.

Experten erkennen aber auch Lichtblicke. "BMW verbrennt anders als die Konkurrenz kein Geld", sagt Arndt Ellinghorst von der Credit Suisse. Zudem verweist er auf das gesunkene Umlaufvermögen. BMW hat die flüssigen Mittel im Vergleich zum Vorjahr von 4,3 auf 8,1 Mrd. Euro verdoppelt und sieht sich in einer "soliden Finanzposition".

Offen ist die weitere Strategie des Konzerns, der nach wie vor auf Eigenständigkeit pocht. Die Zahl der Gesprächspartner für mögliche Kooperationen ist hoch, die Ergebnisse sind bislang überschaubar. Seit Jahren verhandelt BMW mit Daimler, bislang konnten sich beide nur auf eine Zusammenarbeit in der Hybridtechnik und eine Einkaufskooperation für "nicht-markenprägende" Komponenten wie Gurtroller einigen. Einer Partnerschaft mit Fiat über eine Kooperation der Konzerntöchter Mini und Alfa hat Reithofer auf dem Autosalon in Genf eine Absage erteilt. Die französische PSA-Gruppe drängt auf eine Ausweitung der Motorenkooperation - bislang ohne Ergebnisse.

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