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Autobauer Die Gewinner und Verlierer des Opel-Kurswechsels

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Frank Stronach: Geplatzter Lebenstraum

Frank Stronach, der Gründer und Chef des kanadisch-österreichischen Autozulieferers Magna, wollte es 2009 noch einmal wissen: Mit dem Kauf von Opel wollte der Aufsteiger, der aus einer Garagenfirma einen Konzern mit über 70 000 Mitarbeitern geformt hatte, endlich selber Autos bauen. Nicht dass der Selfmade-Milliardär gleich zusammenbricht, wenn er nach den Sternen greift und keinen erwischt. Er scheiterte 2007 beim Versuch, den US-Autobauer Chrysler zu übernehmen. Er führte auch den Fußballclub Austria Wien nicht wie erhofft in die Champions League. Eine so teure Niederlage wie bei Opel hat Stronach aber wohl noch nie erlitten. Mit einem Team von rund 100 Magna-Managern und zig Anwälten hatte er die deutsche Politik, die russische Autoindustrie und dem Anschein nach auch GM auf seine Seite gebracht – um dann zu erfahren, dass der US-Autokonzern seine Tochter gar nicht verkaufen möchte. Bis zu hundert Millionen Euro könnte ihn das Abenteuer gekostet haben, dazu seinen Lebenstraum. Im Sommer will der 77-Jährige seinen Abschied als Unternehmer einleiten und die Stimmrechtsmehrheit bei Magna abgeben.

Wladimir Putin: Verhöhnt

Am Ende war Wladimir Putin richtig sauer: Der Umgang sei „höhnisch“, polterte Russlands Ministerpräsident, als GM den Verkauf seiner Tochter Opel an Magna und die staatliche russische Sberbank im November 2009 platzen ließ. Putin hatte das riskante Investment befördert, um mit westlichem Know-how den maroden russischen Autobauer Gaz aufzumöbeln. Wenn Putin will, kann er nun GM das Leben im Wachstumsmarkt Russland schwermachen.

Ministerpräsidenten: Tief beleidigt

Um ordnungspolitische Grundsätze scherten sich die Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Opel-Fabriken nicht sonderlich. SPD-Mann Kurt Beck und seine CDU-Kollegen Roland Koch, Christine Lieberknecht und Jürgen Rüttgers ging es immer nur um eines: um Jobs, Jobs, Jobs. Da war ihnen fast jede staatliche Hilfe recht. Also sprangen sie nach dem Nein von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle sofort in die Bresche beziehungsweise Opel bei und boten eine Erhöhung der bereits zugesagten Landesbürgschaften. Damit stehen sie nun wie begossene Pudel da. Er habe seine Hilfe „nicht aufdrängen“ wollen, meinte Hessens Ministerpräsident Koch beleidigt, als Opel das Geld auf einmal nicht mehr wollte. Einziger Trost: Dass Opel die Landesfürsten so lange zappeln ließ, hat sich für diese wenigstens wirtschaftlich gelohnt. Sie können die in Aussicht gestellten dreistelligen Millionenbürgschaften nun für Sinnvolleres bereitstellen.

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