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Autobauer Magnas enge Bande zu Österreichs Politikern

Beim Aufbau seiner Europa-Zentrale setzte Magna-Gründer Frank Stronach auf enge Beziehungen zur östereichischen Politik – ein Rezept, dass er zuvor bereits erfolgreich in Kanada erprobt hatte.

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Magna-Gründer Frank Stronach Quelle: AP

Frank Stronachs Geschichte klingt wie ein Aufsteiger-Märchen aus dem Bilderbuch: In den 1950-Jahren wanderte er als armer Werkzeug-Macher aus der österreichischen Kleinstadt Weiz nach Kanada aus. Wenige Jahre später gründete er einen Ein-Mann-Betrieb. Mit einem Großauftrag von General Motors für Sonnenblenden-Halterungen machte Stronach ein Vermögen, daraus zimmerte er in wenigen Jahrzehnten den drittgrößten Autozulieferer der Welt.

Der 76-Jährige mit dem nun schlohweißen Haar hat seine Arbeiter-Wurzeln bei seinem rasanten Aufstieg nicht vergessen, wie er immer wieder selbst betont. An einen Grundsatz hat er sich seither eisern gehalten: Eine Hand wäscht die andere. Stronach gilt als Kumpel-Typ, der seinen Mitarbeitern auch gerne mal auf die Schulter klopft.

Da wundert es kaum, dass Stronach kaum Berührungsängste zu Politikern zeigt. Seit er Mitte der 1990er-Jahre in großem Stil in Österreich investierte, fanden abgetakelte österreichische Politiker aller Couleur bei Magna einen sicheren Job-Hafen.

Auf der nächsten Seite: Karl-Heinz Grasser

Karl-Heinz Grasser

Der ehemalige österreichische Quelle: REUTERS

Einer von Stronachs schillerndsten Managern war wohl der ehemalige österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Der 40-jährige Grasser stieg bereits 1992 in die Politik ein, wo er in wenigen Jahren zum Stellvertreter von Jörg Haider, dem im Vorjahr tödlich verunglückten Rechtsaußen-Politiker, aufstieg. Doch 1998 überwarf sich Grasser mit seinem Mentor und kehrte der Politik kurzfristig den Rücken.

Stronach holte ihn sofort an Bord und machte ihn zum Vizepräsidenten für Human Resources und Public Relations. Bereits im Jahr 1999 kehrte Grasser als FPÖ-Kandidat in die Politik zurück, im Jahr 2000 wurde er als Finanzminister angelobt.

Im Jahr 2002  entschied Grasser, für das österreichische Heer 24 Abfangjäger vom Typ Eurofighter anzuschaffen. Ein öffentlicher Aufschrei war die Folge – denn die Angebote der Konkurrenten waren deutlich billiger. Bald kam heraus, dass Grasser zum Eurofighter-Anbieter EADS auf Kosten seines alten Arbeitgebers Magna geflogen war. Magna galt bei dem Eurofighter-Deal als einer der Hauptprofiteure der umfangreichen Gegengeschäfte, die hier vereinbart wurden.

Der Eurofighter-Ankauf blieb ein jahrelanger öffentlicher Streitpunkt. In den letzten Jahren verringerten Österreichs Politiker die Bestellmenge auf 16, der Vertrag stand mehrfach auf der Kippe.

Auch Grassers Karriere verlief in den Jahren danach nicht ganz reibungslos: Im Jahr 2005 heiratete er die Kristall-Erbin Fiona Swarovski, Anfang 2007 trat Grasser als Finanzminister zurück. Danach versuchte er sich als Partner eines Energie-Investmentfonds, der aber rasch in die roten Zahlen geriet. Seither ist es ruhiger um den umtriebigen Grasser geworden.

Franz Vranitzky

Franz Vranitzky, Österreichs Quelle: AP

Franz Vranitzky legte eine steile Karriere hin: Der Arbeitersohn schaffte er es zunächst als Jugendlicher in die österreichische Basketball-Nationalmannschaft. Doch aus einer Qualifikation für die olympischen Spiele wurde nichts. Nach seinem Welthandels-Studium arbeitete Vranitzky als Banker, bevor er als Sozialdemokrat in die Politik und dann wieder zurück in die Bankenwelt wechselte. 1984 wurde er zum Finanzminister in die österreichische Regierung gerufen, 1986 löste Vranitzky den damaligen österreichischen Bundeskanzler Fred Sinowatz ab.

Er hielt elf Jahre lang an der Spitze, 1997 trat er von diesem Amt und als Parteivorsitzender der SPÖ zurück. Im selben Jahr wurde er Aufsichtsrat bei – erraten – Magna International. Diesen Posten hat er bis heute behalten. 

Böse Zungen behaupten, dass er auch seine Finger im Spiel hatte, als Magna 1998 den kränkelnden österreichischen Antriebsspezialisten Steyr Daimler Puch übernahm. Vranitzky soll dem Vernehmen nach auch jener Mann sein, der Stronachs Verbindungen nach Russland eingefädelt hat.

Waltraud Klasnic

Die steirische Landeshauptfrau Quelle: AP

Die etwas hausmütterlich wirkende Landespolitikerin war von 1996 bis 2005 Landeshauptfrau der Steiermark, jenem österreichischen Bundesland, aus dem Frank Stronach stammt und in dem die Mehrzahl seiner Werke in Österreich stehen.

Klasnic förderte während ihrer Amtszeit den so genannten „Autocluster Steiermark“, in dem rund um den Leitbetrieb Magna Steyr kleine und mittlere Zulieferfirmen Förderungen erhielten.

Für diese Großzügigkeit revanchierte sich Stronach nach Ende ihrer Amtszeit: Er holte Klasnic als Konsulentin zu Magna.

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