WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Autoexperte Harbour "Wenig Erholung bei US-Autoherstellern"

Der Auto-Guru Ron Harbour über das schlechte Marktumfeld für den GM-Börsengang und die Zukunft der US-Hersteller.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

WirtschaftsWoche: Herr Harbour, Ford, GM und Chrysler, die Big Three aus Detroit...

Harbour: ...wir nennen sie inzwischen die Detroit Three, denn so groß sind sie nicht mehr...

Wie geht es denn mit den dreien künftig weiter?

Die Umsätze der amerikanischen Autohersteller liegen noch immer rund 30 Prozent unter Vorkrisenniveau. Ich sehe keine wirkliche Erholung, auch wenn das viele ungern hören. Das ökonomische Umfeld ist zu vage, als dass man präzise vorhersagen könnte, in welche Richtung es gehen wird. Unternehmen und Verbraucher senken derzeit die Kosten, zahlen Kredite zurück, sparen. Das spricht eher für Verunsicherung als für einen Aufschwung.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    2008 wurden in den USA noch 16 Millionen Autos verkauft, in diesem Jahr werden es kaum mehr als elf Millionen sein. Wie ist Ihre Prognose für 2011?

    Anders als die meisten Prognosen sehe ich keine große Erholung im kommenden Jahr. Rund elf bis zwölf Millionen Autos werden es sein, vielleicht eine Million mehr, vielleicht eine weniger. Eine Rückkehr zu den 16 Millionen wird es nicht geben, zumindest nicht auf absehbare Zeit. Denn gerade die Bevölkerungsschichten in den USA, die das Geld haben, Autos zu kaufen, sind durch die wirtschaftliche Entwicklung der jüngsten Zeit verunsichert.

    Viele Experten haben Chrysler schon fast abgeschrieben. Spricht man bald von den Detroit Two?

    Es werden auch in Zukunft noch die Detroit Three sein. Sie werden nur deutlich schlanker aufgestellt sein, als sie es bisher waren – diese Entwicklung zeichnet sich ja heute schon ab –, und sie werden sich stärker auf einzelne Produkte und Segmente fokussieren. Das gilt insbesondere auch für das Unternehmen Chrysler, das gerade den neuen Jeep Grand Cherokee herausgebracht hat. Das ist ein sehr gutes Fahrzeug für den amerikanischen Markt. Das Gleiche gilt für den Pick-up-Truck Dodge Ram. In anderen Segmenten gibt es noch Aufholbedarf. Es bleibt aber abzuwarten, wie der neue Eigentümer Fiat an dieser Stelle mit seinen Produkten die Angebotspalette gezielt erweitern wird.

    GM hat drastisch Arbeitsplätze und Produktionskapazität abgebaut, Marken verkauft oder eingestampft, ein neues Top-Management installiert. Aber ist das Unternehmen deshalb schon fit für den Börsengang?

    (lacht) Das ist eine heikle Frage. Ich glaube, es ist nicht an mir, das zu beurteilen. Ob die Zeit für einen Börsengang gekommen ist oder nicht, hängt nicht nur vom Zustand des Unternehmens selbst ab. Es muss auch die richtige Zeit sein, was die Stimmung an der Börse angeht und die allgemeine Marktentwicklung. Wir haben in den letzten Monaten einige Börsengänge gesehen, die aufgrund des schlechten Marktumfeldes nicht wirklich erfolgreich verlaufen sind. Was die Marktseite angeht, bin ich eher skeptisch. Ich sehe noch keine Anzeichen für eine nachhaltige Erholung der Autokonjunktur in den USA in den nächsten zwei bis drei Jahren.

    Die US-Regierung hält noch 61 Prozent an GM. Baut GM das Elektroauto Chevrolet Volt, weil das Management an den Erfolg glaubt oder weil die Regierung es will?

    General Motors hatte die Entwicklung des Chevrolet Volt bereits vorangetrieben, bevor die US-Regierung sich beteiligt hat. Der Chevrolet Volt ist mit über 40.000 US-Dollar einfach zu teuer, als dass er sich für den Verbraucher rechnet. Daher wird er von Anfang an nicht in größeren Stückzahlen verkauft werden. Ich gehe davon aus, dass GM den Chevrolet Volt aus Imagegründen anbietet. Sie wollen zeigen, dass sie bei dem Zukunftsthema Elektromobilität in vorderster Front aktiv sind. Eines ist aber auch klar: Die Preise für Erdöl werden weiter steigen. Auf Dauer wird das Elektroauto deshalb sinnvoll sein. Man kann warten, bis es so weit ist oder jetzt schon mit dabei sein und sich auf die Zukunft entsprechend vorbereiten. Zudem kann GM die Expertise, die sie durch den Chevrolet Volt gewinnen, für ihre Hybridautos einsetzen. Man sollte GM Beifall zollen, dieses Risiko einzugehen.

    GM war lange der größte Autobauer der Welt, auch Ford war weit oben im Weltranking. Wo stehen die US-Hersteller in fünf Jahren?

    Die US-Hersteller werden ganz oben für mehr Wettbewerb sorgen. Toyota, Volkswagen und Hyundai werden in fünf Jahren um Platz eins kämpfen. GM und Ford hoffen, dann auch unter den globalen Top Fünf zu sein.

    Top-Jobs des Tages

    Jetzt die besten Jobs finden und
    per E-Mail benachrichtigt werden.

    Standort erkennen

      Sie untersuchen jedes Jahr Dutzende Fabriken unterschiedlicher Hersteller und vergleichen die Produktionseffizienz. Ist eine schlanke Produktion überhaupt noch ein Wettbewerbsvorteil oder sind die Werke durch die Globalisierung inzwischen alle ähnlich effektiv?

      Ich kann nicht über die Ergebnisse der letzten zwei Jahre sprechen, denn diese sind vertraulich. Aber ich kann sagen, dass es noch immer sehr große Unterschiede bei der Produktionseffizienz gibt, auch innerhalb von Europa oder den USA. Die starke Annäherung, die wir vor einigen Jahren noch vorhergesagt haben, wurde nicht überall realisiert. Grundsätzlich sind die Japaner immer noch klar führend bei Qualität, Kosten und Produktivität. Der Vorsprung ist aber knapper geworden.

      Toyota war hinsichtlich der Produktion immer das Vorbild in der Branche. Gilt das auch nach den Qualitätsproblemen in den USA?

      Das Krisenmanagement von Toyota nach den Qualitätsproblemen war sehr un-Toyota-haft. Es ist eher ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte, als ein Vorbild. Das ändert aber nichts daran, dass Toyota die beste Produktion in der Branche hat. Was Effizienz und Qualität in der Produktion angeht, schauen nach wie vor alle zu Toyota auf.

      © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
      Zur Startseite
      -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%