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Autokrise Daimler kürzt den Lohn

Daimler ist wegen der dramatischen Absatzkrise tief in die roten Zahlen gerutscht und verlangt herbe Lohneinbußen von mehreren zehntausend Mitarbeitern in Deutschland.

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Daimler-Chef Dieter Zetsche Quelle: REUTERS

Im ersten Quartal 2009 verbuchte der Autobauer einen Verlust von 1,3 Milliarden Euro. Im Vorjahresquartal hatte der Konzern noch einen Gewinn von 1,3 Milliarden Euro ausgewiesen.

Die Autokrise hat den Premiumhersteller fest im Griff, der Absatz bei Pkw und Nutzfahrzeugen brach um ein Drittel ein. Die Werke sind nicht ausgelastet, unzählige Autos stehen auf Halde. Gegensteuern will Konzernlenker Dieter Zetsche mit einem vier Milliarden Euro schweren Sparpaket. Mit einem Bündel von Maßnahmen sollen die Kosten drastisch gesenkt werden, zwei Milliarden Euro zu den Einsparungen sollen Mitarbeiter und Manager von Mai an durch Einschnitte bei Lohn und Gehalt beisteuern.

Für etwa 60.000 Beschäftigte aus Bereichen wie Verwaltung, Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung werde die Arbeitszeit um 8,75 Prozent ohne Lohnausgleich verkürzt, sagte der neue Personalvorstand Wilfried Porth. Den 60.000 Beschäftigten, die in den deutschen Werken im Mai in Kurzarbeit sein werden, wird der Zuschuss zum Kurzarbeitergeld gestutzt.

Keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2011

Zu den Kernpunkten der Vereinbarung zwischen Konzernführung und Arbeitnehmervertretern gehört außerdem die Verschiebung der ursprünglich für Mai geplanten zweiten Stufe der Tariferhöhung von 2,1 Prozent auf Oktober. Auch Vorstand und leitende Führungskräfte werden von Mai an Abstriche beim Grundgehalt machen.

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    „Ich bin mir bewusst, dass wir vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schmerzhafte Einbußen zumuten“, sagte der neue Personalvorstand Wilfried Porth. „In Anbetracht der aktuellen wirtschaftlichen Situation gibt es keine Alternative zu diesem Maßnahmenpaket.“ Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm betonte: „Die Menschen haben echt jeden Monat weniger Geld und haben Probleme, ihre Familien durchzubringen.“ Es gebe aber keine Alternative. Vorrangiges Ziel bei den vergangenen Gesprächen mit der Unternehmensspitze sei die Beschäftigungssicherung gewesen.

    Betriebsbedingte Kündigungen sind bei Daimler bis Ende 2011 ausgeschlossen. Von dieser Regelung waren allerdings rund 16.000 Mitarbeiter ausgenommen, die nach der Unterzeichnung im Jahr 2004 eingestellt wurden. Für diese Mitarbeiter gelte nun die Beschäftigungssicherung bis zum 30. Juni 2010, sagte Klemm.

    Mercedes-Benz-Produktion in Quelle: AP

    Für das Gesamtjahr malte Daimler ein düsteres Bild. Finanzvorstand Bodo Uebber wollte beim operativen Ergebnis (EBIT) sogar einen Verlust nicht ausschließen. Für das zweite Quartal rechnet der Autobauer erneut mit einem deutlich negativen Ergebnis. Erst für die zweite Jahreshälfte haben die Stuttgarter einen ersten Hoffnungsschimmer ausgemacht, im Jahresverlauf werde mit einer schrittweisen Verbesserung beim operativen Ergebnis (EBIT) gerechnet. Für 2009 geht der Autobauer weiter von deutlichen Rückgängen bei Umsatz und Absatz aus. In den ersten drei Monaten brach das EBIT von zwei Milliarden Euro auf minus 1,4 Milliarden Euro ein.

    Allein in der Pkw-Sparte fuhr Daimler einen operativen Verlust von 1,1 Milliarden Euro (Vorjahr: plus 1,2 Milliarden Euro) ein. Weltweit verkauften die Stuttgarter mit 332.300 Pkw und Nutzfahrzeugen 34 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Der Umsatz schrumpfte von 24 Milliarden Euro auf 18,7 Milliarden Euro. Während bei der Pkw-Sparte im zweiten Halbjahr wieder mit schwarzen Zahlen gerechnet wird, sieht Daimler im Lkw-Geschäft weitere Belastungen auf sich zukommen.

    Endgültige Trennung von Chrysler

    Auch für die endgültige Trennung von seiner ungeliebten US-Tochter Chrysler muss Daimler tief in die Tasche greifen. Im zweiten Quartal wird die Scheidung mit bis zu 700 Millionen Dollar (529 Millionen Euro) beim EBIT zu Buche schlagen. In den nächsten Jahren werden insgesamt 600 Millionen Dollar Pensionszahlungen zur Absicherung der Mitarbeiter des früheren gemeinsamen Unternehmens fällig.

    Gestern Abend hatte Daimler nach monatelangen zähen Verhandlungen bekanntgegeben, ihren Chrysler-Restanteil von 19,9 Prozent an den Mehrheitseigner Cerberus abzugeben. Daimler hatte 2007 nach neun gemeinsamen Jahren 80,1 Prozent seiner Chrysler-Anteile an Cerberus verkauft.

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