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Autokrise Opels Ideen zur Sanierung

Klein und grün – so stellen sich Management, IG Metall und Politik die neuen sparsamen Autos vor, die Opel retten könnten. Doch wo ein Wille ist, ist noch lange kein Markt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel Quelle: dpa

Wie ein Konfirmand steht Opel-Chef Hans Demant neben Kanzlerin Angela Merkel auf der Bühne. Mit brav verschränkten Händen und einer Mischung aus Stolz und Schüchternheit erklärt der gelernte Physiker die Funktionsweise des futuristischen Elektroautos Ampera. 2011 werde es in Deutschland eingeführt, und damit sei Opel dann ganz vorne. Die Kanzlerin scheint wenig beeindruckt. Kritisch mustert sie den weißen Sonderling auf Rädern. „Na“, sagt sie schnoddrig, „dann strengen Sie sich mal an.“

Die Präsentation des Elektroautos beim Besuch der Kanzlerin in Rüsselsheim am vergangenen Dienstag war mehr als bloße Show. Während die Politiker in Berlin über Staatshilfen für den angeschlagenen Autobauer streiten, kristallisiert sich hinter den Kulissen in Rüsselsheim heraus, dass der Ampera für die Opelaner zu einer Art Chiffre für die Rettung ihres Unternehmens werden soll.

Wie die WirtschaftsWoche aus Unternehmenskreisen erfuhr, arbeiten das Opel-Management, Betriebsräte und Gewerkschafter zusammen mit Unternehmensberatern und Landesregierungen an einem Plan, der eine Wiedergeburt der schwächelnden Marke in völlig neuem Gewand verspricht.

Der grüne Blitz

Das Projekt trägt intern den Arbeitstitel „Der grüne Blitz“ – in Anspielung an den stilisierten Blitz im klassischen Opel-Zeichen – und enthält folgende Kernpunkte:

- Statt weiterhin austauschbare Volumenmodelle zu produzieren, soll Opel schnellstens zum grünsten Autobauer der Welt mutieren. Dazu soll der Konzern eine breite Palette extrem verbrauchsarmer Kleinwagen auf den Markt bringen. Auf längere Sicht zielen die Rüsselsheimer auf bezahlbare Elektroautos, bei denen sie technisch weltweit führend sein wollen.

- Um die Kosten der Opel-Werke zu drücken, sollen drastisch Leute abgebaut werden. Zudem sollen die Mitarbeiter spürbar auf Gehalt verzichten.

- Das Verhältnis zum maroden Mutterkonzern General Motors (GM) in den USA soll gänzlich neu geordnet werden. Im ersten Schritt ist die vollständige rechtliche Entflechtung vorgesehen, an deren Ende nur noch eine Minderheitsbeteiligung von GM steht. Das soll Opel unternehmerische Freiheit bringen und zugleich den möglichen Abfluss finanzieller Mittel über den Atlantik verhindern. Im zweiten Schritt sollen Opel und GM künftig noch viel enger als bisher bei der Entwicklung von Elektroauto-Know-how kooperieren, um die Verkaufspreise zu senken.

- Weil das Werk Bochum als veraltet gilt und im ostdeutschen Eisenach ein eigenes Presswerk fehlt, sollen die Thüringer die Produktion des dreitürigen Corsa nach Saragossa abgeben, wo bereits das fünftürige Modell gebaut wird. Stattdessen soll in Eisenach der Kleinwagen Agila vom Band laufen, der derzeit noch vom japanischen Partner Suzuki montiert wird. Damit wäre Eisenach gerettet, aber Bochum womöglich dem Untergang geweiht.

- Das Entwicklungszentrum Center of Expertise in Mainz-Kastel, wo die GM-Konzernmutter Zukunftstechnologien wie Elektro- oder Brennstoffzellenantriebe entwickeln lässt, soll Opel künftig in Eigenverantwortung führen.

- Um vom eigenen Know-how nicht abgeschnitten zu werden, soll GM die Nutzung der Opel-Patente, die die Amerikaner inzwischen im Gegenzug für staatliche Hilfen an die US-Regierung verpfändet haben, garantieren.

- Noch weiter geht Betriebsratschef Klaus Franz, der für Opel sogar die Zuständigkeit für alle mit GM produzierten und entwickelten Kompaktfahrzeuge verlangt. „Wir müssen die globale Verantwortung für alle Kompaktfahrzeuge bekommen“, sagt der Arbeitnehmerchef.

Wie die Opelaner es mit ihren Rettungsplänen auch drehen und wenden, es wird ihnen schwerfallen, sich des Eindrucks zu erwehren, dass ihrer Idee vom „grünen Blitz“ etwas Fantastisches anhaftet. Zwar brächte die Konzentration auf Öko zweifellos einen neuen Schub für die graue Marke. Das wäre eine Verbesserung gegenüber den vergangenen Jahren, in denen sich Opel zum günstigen, aber wenig repräsentativen Ersatz für einen Volkswagen entwickelte – sprich: zu einer Art Golf oder Polo für Arme.

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