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Autokrise Was General Motors mit Opel wirklich vorhat

Beim fieberhaften Versuch, Opel zu retten, hängt Berlin voll von der Konzernmutter General Motors ab. GM steht kurz vor der Insolvenz und soll dann angeblich Milliardenhilfen erhalten. Doch welche Interessen verfolgen die Amerikaner?

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General Motors-Chef Fritz Quelle: Reuters

Es geht voran – mal wieder. Opel wird gerettet – schon bald. Mit den Banken habe es „gute Fortschritte“ gegeben, erklärte die Bundesregierung. Bis Mittwochabend legten die Investoren brav ihre Pläne für eine Übernahme des Autobauers vor. Alles also bestens, die Rettung der 25.000 Arbeitsplätze in Deutschland nur noch eine Frage weniger Tage?

Von wegen. Die Nachrichten der vergangenen Tage über die Marke mit dem Blitz sind nicht mehr als Schall und Rauch. Was auch immer Berlin oder Interessenten wie Fiat und Magna sich ausgedacht haben – die eigentliche Entscheidung, was aus Opel wird und wer den Autobauer vielleicht übernimmt, fällt nicht in Deutschland, sondern bei der Konzernmutter GM in den USA. An deren Interessen kommt kein Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), kein SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und kein Opel-Betriebsratschef Klaus Franz vorbei.

Die Opel-Retter müssen sich zu allererst damit abfinden, dass der neue GM-Chef Fritz Henderson es überhaupt nicht eilig hat. Nicht von ungefähr brüskierte er Wirtschaftsminister zu Guttenberg und lehnte es ab, die Eigentumsrechte an Opel in eine deutsche Treuhandgesellschaft zu übertragen. Henderson spielt klar auf Zeit. Je länger sich die Rettungsaktion hinzieht und je näher die Bundestagswahl rückt, so sein Kalkül, um so üppiger werden die staatlichen Hilfen für Opel ausfallen.

Opel ist für GM nur Nebenschauplatz

Für den GM-Chef ist Opel ohnehin nur ein Nebenkriegsschauplatz. Auf der ellenlangen Liste, die er nach seinem Amtsantritt Ende März abzuarbeiten hatte, kam die europäische Tochter Opel so gut wie nicht vor. Bei seiner ersten Pressekonferenz als neuer GM-Chef erwähnte Henderson den Namen Opel nicht ein einziges Mal.

Der Grund ist einfach: Henderson kann darauf vertrauen, dass die deutsche Regierung mitten im Bundestagswahlkampf Opel nicht im Stich lässt. Unverblümt drohten GM-Manager bereits: „Wenn das alles nichts wird, lässt Henderson das ganze Ding auch vor die Wand fahren.“ Das heißt: Schlimmstenfalls könnte GM Opel in die Insolvenz gehen lassen, ohne dass der deutsche Staat sich zuvor seinen Einfluss gesichert hat. Um die Arbeitsplätze zu retten, müsste der Staat dann Milliarden aufbringen, ohne ein Mitspracherecht zu haben.

Berlin, Gewerkschafter und Co. müssen ebenso wissen, dass die Wahl des künftigen Opel-Partners – ob Fiat, Magna oder der US-Finanzinvestor Ripplewood – letztlich in den USA getroffen wird. Zwar brauche GM zur Rettung von Opel die finanzielle Unterstützung der deutschen Regierung, sagte Henderson in der vorigen Woche. Doch ein Mitspracherecht Berlins schloss er aus. Dass die deutsche Regierung bei der Frage, „wen wir auswählen, etwas zu sagen hat, wäre nicht der richtige Ausdruck“, sagt er wortreich. Er werde sicherstellen, dass der Partner, den er aussuche, ein einfacher für die Bundesregierung sein werde. „Wir wollen » für sie einen Partner finden“, so Henderson, „der vernünftig und akzeptabel ist.“

Dabei dürfen die deutsche Opel-Zentrale in Rüsselsheim sowie die Bundesregierung nicht darauf hoffen, nur einen Cent aus Detroit oder Washington zu bekommen. Es gebe zwar keine ausdrücklichen Beschränkungen für Überweisungen an Opel aus Detroit, heißt es in der GM-Europa-Zentrale in Zürich. Doch es bestehe mit der US-Regierung ein „implizites Verständnis, dass US-Steuergelder hauptsächlich für US-Operationen eingesetzt werden“. Mittelflüsse zwischen den über den Globus verstreuten Werken von GM bedürften „der Genehmigung des US-Finanzministeriums“. Die Konsequenz ist brutal: Faktisch, heißt es in Rüsselsheim, fließe kein Geld mehr von GM an Opel. Weil Opel rote Zahlen schreibt, könnte schon Anfang Juni das Geld ausgehen.

Taktisch günstige Position für Amerikaner

GM und die US-Regierung versetzt das in eine taktisch günstige Position. Selbst wenn es zu Guttenberg gelingt, von Fiat oder von Magna ein tragfähiges Konzept zu erhalten, haben die Amerikaner damit neben ihren Eigentümerrechten einen weiteren Hebel gegen die Deutschen in der Hand. Henderson, ist in Detroit zu hören, hegt Bedenken, dass über Opel zu viel Konzernwissen nach draußen dringt. Deshalb könnte er von jedem künftigen Opel-Miteigentümer verlangen, dass GM Zugriff vor allem auf das europäische Entwicklungszentrum in Rüsselsheim behält. Das dortige Know-how brauchen die Amerikaner, vor allem für den Bau sparsamer Antriebe.

Erst am Dienstag nahm US-Präsident Barrack Obama den Autoherstellern in den USA das Versprechen ab, dass der Flottenverbrauch von Neuwagen binnen sieben Jahren auf durchschnittlich 6,6 Liter sinken soll – derzeit schlucken die Autos im Schnitt 9,2 Liter. Zwar trennt sich GM von der Tochtermarke Saturn, unter der das Opel-Modell Astra in den USA verkauft wird. Gleichwohl können und wollen die Amerikaner aber nicht auf Know-how und Patente verzichten, die von Opel-Entwicklern stammen und formell GM gehören.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum GM die Kontrolle über Opel behalten will

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