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Automarkt Autohersteller überschätzen ihre Absatzchancen in China

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Das Werk von Volkswagen Quelle: dpa-dpaweb

„Die Beispiele VW und Toyota zeigen, was bei der Eroberung des chinesischen Marktes entscheidend sein wird“, sagt Bain-Berater Gnamm. Nur wer wirklich auf die spezifischen Gegebenheiten der Märkte eingehe, zumal auf die Kundenbedürfnisse, werde dort langfristig Erfolg haben.

Die Hersteller wissen, wie notwendig es ist, dem chinesischen Markt spezielle Fahrzeuge zu präsentieren. So will VW noch in diesem Jahr eine klassische Limousine auf der Plattform des alten Skoda Octavia – interne Bezeichnung „Modell Y“ – an den Start bringen. Ein Billigauto wie das indische Auto Nano von Tata zum Preis von rund 1700 Euro wird es von VW nicht geben. Diese Preis- und Qualitätskategorie wollen die Wolfsburger anderen überlassen.

An einem echten Billigauto für Asien arbeitet dagegen Toyota schon länger als ein Jahr. Ob es wirklich eingeführt wird, soll Ende 2008 entschieden werden. BMW macht es sich einfacher. Für die chinesischen Kunden verlängerten die Bayern den Radstand des 5er um 14 Zentimeter und motzten das Modell mit einigen Gimmicks auf, die Chinesen angeblich überzeugen: Flachbildschirme im Fonds, dazu ein DVD-Player und eine Kühlbox. Mit verlängerten Modellen wollen es auch Mazda und Citroën probieren. Nissan will die Chinesen nicht mit überarbeiteten Modellen abspeisen, sondern hat eine komplette, neue Modellfamilie angekündigt.

„Die Hersteller überbieten sich jetzt mit Ankündigungen, welche marktspezifischen Produkte sie demnächst für China auflegen werden“, hat Bain-Berater Gnamm beobachtet. Ob die Produkte wirklich kundenorientiert sind, steht freilich auf einem anderen Blatt. Die gestiegenen Rohstoffpreise und die um sich greifende Inflation wird das China-Geschäft erschweren. Chinesische Kunden, für die jeder Yuan zählt, könnten steigende Preise abschrecken.

Gut möglich aber auch, dass weniger die höheren Anschaffungs- als vielmehr die Unterhaltskosten den Ausschlag für die chinesischen Verbraucher geben. Auch in China sind die Benzinpreise stark gestiegen. Könnte es sein, dass sich die Kunden ein Billigauto leisten können, nicht aber die Tankfüllungen? „Vielleicht kommen bald viele Chinesen zu dem Schluss, dass sie sich den Unterhalt eines Autos nicht mehr leisten können“, sagt ein chinesischer Autoexperte. „Vielleicht ist der Drang zum eigenen Auto aber auch so groß, dass viele dennoch eines kaufen – egal, ob sie es nachher fahren.“

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