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Automobilzulieferer Alle in einem Boot

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Mit den neuen Aufgaben wächst aber auch das Risiko der Zulieferer. Die Forschungskosten für neue Getriebe, Bremsen oder Scheinwerfer sowie die Kosten für spezielle Werkzeuge und den Prototypbau müssen sie über mehrere Jahre vorstrecken. „Wir machen hohe Vorleistungen“, sagt ZF-Chef Goll. Floppt das Modell, für das die Zulieferer Teile entwickelt haben, bleiben sie auf ihren Kosten sitzen. Hinzu kommt, dass die Autokonzerne dem Entwickler nicht mehr wie früher den kompletten Auftrag überlassen, sondern ihn nun häufig unter mehreren Zulieferern aufteilen – was wiederum deren Renditen schmälert. Wohin der Druck auf die Margen der Zulieferer und die immer kürzeren Entwicklungszeiten für die Modelle führt, konnte die Branche Anfang 2005 betrachten. Da mussten Mercedes und BMW Fahrzeuge zurückrufen und ihre Produktion unterbrechen, weil Bosch fehlerhafte Dieseleinspritzpumpen ausgeliefert hatte. Irritiert stellten die Schwaben fest, dass Mercedes ihnen öffentlich die Schuld zuwies – ein Novum. Bisher wurden das zwischen den Beteiligten unter der Hand geregelt. Zwar konnte Bosch das Problem relativ schnell beheben, aber der Imageschaden war da. Die mangelnde Qualität wird zunehmend zum Problem in der Branche: 2004 erreichten die Rückrufe von Fahrzeugen in Deutschland mit 137 Aktionen einen neuen Rekord. Vor fünf Jahren waren es nur halb so viele. Für die Zulieferer sind solche Pannen äußerst kostspielig, denn die Autobauer wälzen die Gewährleistungskosten immer stärker auf ihre Partner ab. Der Fall Bosch zeigt, wie angespannt das Verhältnis zwischen Autobauern und Zulieferern inzwischen ist. Der Verband der Automobilindustrie erarbeitete deshalb im Sommer ein Papier, das die gemeinsame Verantwortung und Partnerschaft betont. „Alle Beteiligten haben aus der Sache gelernt“, sagt Bosch-Manager Bohr. Die Deutschen sehen bei Toyota, dass es auch anders geht. Der japanische Autohersteller schafft es, von seinen Zulieferern höchste Qualität zu bekommen und sie gleichzeitig fair zu behandeln. Nachverhandlungen über Preise gibt es bei Toyota nicht, die Lieferverbindungen werden über Jahrzehnte gepflegt. Auch die Premiumhersteller BMW und Porsche gelten bei den Zulieferern als verlässliche Partner. Denn schließlich „sitzen wir alle in einem Boot“, sagt Günter Baumann, geschäftsführender Gesellschafter des Zulieferers Eberspächer.

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