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Autozulieferer Continental bekommt wieder Oberwasser

Überraschende Wende im Machtkampf zwischen Continental und Schaeffler: Continental könnte wieder die Kontrolle in einem gemeinsamen Unternehmen übernehmen. Die neue Lösung wäre wohl vor allem im Interesse der beteiligten Banken.

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Der Aufsichtsratsvorsitzende Quelle: dpa

Im Dauerkonflikt um den Zusammenschluß von Continantal und Schaeffler waren es bislang die Herzogenauracher, die versucht hatten die Kontrolle auszuweiten. Doch nun könnte sich der Spieß umdrehen, denn es wird intensiv über einen Zusammenschluss der beiden Konzerne unter der operativen Führung von Continental diskutiert.

Schaeffler wies die Berichte zurück. Solche Gerüchte sollten offensichtlich für Unfrieden zwischen Schaeffler und Conti sorgen, erklärte Schaeffler-Sprecher Detlef Sieverdingbeck auf Anfrage.

Machtkampf zwischen Conti und Schaeffler

Kein Wunder, denn Schaeffler kämpft erbittert darum, die durch die Übernahme der dreimal so großen Conti gewonnene Macht nicht zu verlieren. Jüngster Schritt dabei war eine Personalie vor der gestrigen Hauptversammlung. Schaeffler benannte überraschend den neuen Finanzvorstand Klaus Rosenfeld für den Conti-Aufsichtsrat - und baut damit seine Macht in dem Gremium weiter aus.

Doch das nun überraschenderweise doch wieder Continental die Oberhand gewinnen könnte, scheint plausibel. So sollen sowohl die kreditgebenden Banken als auch die Politik diese Lösung favorisieren. Die Banken würden Kredite in eine direkte Beteiligung an dem Konzern umwandeln - und könnten auf eine Wertsteigerung ihres Engagements in der Zukunft hoffen.

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    Schuldenberg von 20 Milliarden Euro

    Hintergrund sind vor allem die massiven Schulden beider Unternehmen: Zusammen sitzen sie auf einem Berg an Verbindlichkeiten von 20 Milliarden Euro. Bei Conti ist dafür vor allem die überteuerte Übernahme von VDO verantwortlich.

    Schaeffler hatte sich bei der Übernahme der drei Mal so großen Continental verhoben und bittet nun um Staatshilfe. Nach eigenen Angaben benötigen die Franken, die seit Jahresbeginn mit knapp der Hälfte der Anteile größter Conti-Aktionär sind, bis zu sechs Milliarden Euro. Anfang April hatte sich Schaeffler einen Kredit über eine Milliarde Euro gesichert.

    Beim nun in Spiel gebrachten „reverse takeover“ könnten die beteiligten Banken die Schulden quasi verschieben. Die Lösung hätte zudem den Vorteil, dass der Konzern mit dann gut 33 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 200 000 Beschäftigten börsennotiert bliebe und sich über eine Kapitalerhöhung leichter frische Barmittel verschaffen könnte.

    Die französischen Arbeiter Quelle: dpa

    Auch die gestrige Hauptverammlung hatte keine Klarheit über die Zukunft der Unternehmen gebracht. Conti-Chef Karl-Thomas Neumann hatte auf dem Treffen erklärt: „Leider ist auch heute noch nicht klar, in welcher Konstellation die Continental AG und die Schaeffler Gruppe künftig kooperieren werden.“

    Es fehle ein Gesamtkonzept. Dieses wolle er innerhalb von maximal 100 Tagen vorlegen. Dann werde geklärt, ob Conti die Gummisparte abstoßen werde oder nicht. Jedoch ist die Ankündigung auch in Bezug auf die Fusionspläne mit Schaeffler zu verstehen. „Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten ist machbar“, sagte Neumann.

    Interessent für Reifenwerk in Frankreich

    Die geplante Schließung der Reifenwerke in Hannover-Stöcken und im französischen Clairoix hat Neumann ungeachtet der Proteste Tausender Conti-Mitarbeiter verteidigt. „Unser Haus ist zu groß“, sagte Vorstandschef Karl-Thomas Neumann am Donnerstag bei der Hauptversammlung in Hannover. Indirekt schloss er weitere Entlassungen nicht mehr aus.

    Rund 3000 deutsche und französische Conti-Mitarbeiter hatten vor dem Hannover Congress Centrum (HCC) gegen die geplanten Werksschließungen protestierten. Rund 1900 Jobs sind an beiden Standorten akut bedroht.

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      Für das zur Schließung vorgesehene französische Reifenwerk interessiert sich der Autozulieferer MAG aus Dubai. Es handele sich um eine „seriöse“ Offerte für den Betrieb in Clairoix, erklärte der für die Wiederbelebung der französischen Wirtschaft verantwortliche Minister Patrick Devedjian am Donnerstag. „Es gibt tatsächlich eine Anfrage aus Dubai“, bestätigte ein Conti-Sprecher.

      Fünf Jahre Flaute

      Nach Ansicht des Conti-Chefs Neumann wird es „sehr wahrscheinlich bis zu fünf Jahre dauern, bis die Nachfrage wieder das Vorkrisenniveau des Jahres 2007 erreichen wird“. Hinzu komme, dass die Autobranche grundsätzlich mit Überkapazitäten von mindestens 20 Prozent kämpfe. Bereits im vergangenen Jahr hatte Conti Werke geschlossen und bis Ende März dieses Jahres weltweit 14 000 Stellen abgebaut.

      Neumann zufolge soll in Deutschland die Kurzarbeit bis Ende April um ein Viertel auf dann rund 25 000 Mitarbeiter ausgeweitet werden. Damit seien dann mehr als die Hälfte der Conti-Beschäftigten hierzulande in Kurzarbeit. Allerdings werde man “in absehbarer Zeit„ an immer mehr Stellen “mit Kurzarbeit nicht mehr weiterkommen".

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