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Autozulieferer Neue Wendungen im Machtkampf zwischen Conti und Schaeffler

In den letzten Tagen schien es, als würde Continental wieder die Oberhand über seinen Mehrheitsaktionär Schaeffler gewinnen. Mit einem neuen Manöver will Schaeffler zurückschlagen - doch die Banken halten wenig davon.

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Continental: Banken wollen Quelle: AP

89 Tage hat Continental-Chef Karl-Thomas Neumann vom ersten Arbeitstag im Mai an noch Zeit. Dann muss das Konzept des Autozulieferers für die gemeinsame Zukunft mit dem Herzogenauracher Wälzlagerhersteller und Mehrheitsaktionär Schaeffler stehen.

Die Ehe existiert nicht aus Liebe, ist aber inzwischen nahezu unauflösbar. Denn beide Partner sind unentrinnbar in der Abhängigkeit von den Banken vereint: Schaeffler hat sich beim Versuch, den dreimal so großen Konkurrenten zu schlucken, übernommen und hockt nun auf Schulden von rund zehn Milliarden Euro, die das Unternehmen aus eigener Kraft kaum bedienen kann. Conti ächzt unter elf Milliarden Euro Krediten aus der Übernahme von Siemens VDO – und schreibt rote Zahlen.

Beide Konzerne sollen nach Bankenwunsch zusammengeführt werden

Damit wird das Duo zum Problem für die Banken. Vier der fünf Hauptkreditgeber von Schaeffler waren auch bei der VDO-Übernahme durch Continental mit im Boot und müssen sich nun gleich doppelt um ihr Geld sorgen.

Das Grundproblem ist einfach. „Stellen Sie sich beide Unternehmen unter einer Käseglocke vor. Egal, wie Sie es drehen: Die Schulden sind immer höher als der Wert der Vermögensgegenstände“, sagt ein ranghoher Frankfurter Banker.

Deshalb zeichnet sich laut Bankenkreisen immer deutlicher ab, dass die Institute Conti-Chef Neumann dazu drängen, beide Konzerne zusammenzuführen – am liebsten unter dem Continental-Dach. Schaeffler, so eine diskutierte Variante, könnte dem Konzern aus Hannover zu diesem Zweck die Herzogenauracher Autozuliefersparte, die etwa 60 Prozent des Schaeffler-Umsatzes von rund neun Milliarden Euro ausmacht, überlassen.

Ein Zusammenschluss unter Continental-Regie hätte für die Banken großen Charme. Denn „wenn die Schulden bei Continental lägen“, sagt ein Banker, „hätten wir ein kapitalmarktfähiges Vehikel“. Auf gut Deutsch: Lägen die Verbindlichkeiten überwiegend beim Dax-Unternehmen Continental, ließe sich anders als beim nichtbörsennotierten Familienkonzern Schaeffler leichter über eine Kapitalerhöhung frisches Geld ins Unternehmen holen – und damit die Schuldenlast reduzieren. Die Aussicht auf steigende Aktienkurse würde Investoren anlocken.

Maria-Elisabeth Schaeffler, Quelle: AP

Doch Schaeffler hat nun laut einem Bericht des "Handelblatts" ein gegenmanüver ausgeheckt. Der Autozulieferer Schaeffler will demnach mit einer Konsolidierung von Continental seinen Verschuldungsgrad senken und damit die eigene Position gegenüber den Banken verbessern.

Conti-Chef Karl-Thomas Neumann wehre sich aber gegen den Vorstoß des Großaktionärs, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise. "Schaefflers Vorstoß hat den Vorstand umgehauen", sagte ein Aufsichtsrat von Contis Kapitaleignerseite.

Konsolidierung auch ohne Mehrheit der Anteile möglich

Schaefflers Verschuldungsgrad ist weitaus höher als der von Conti, das Herzogenauracher Unternehmen würde von dem Schritt daher in seinen zähen Verhandlungen mit den Banken profitieren. Die Eigentümerfamilie braucht bis zu sechs Milliarden Euro frisches Kapital.

Zwar hält das Familienunternehmen aus Herzogenaurach mit 49,9 Prozent nicht die Mehrheit an Conti. Weitere 40 Prozent sind allerdings nur bei Banken geparkt, weil sich Schaeffler verpflichtet hatte, mehrere Jahre unter der Schwelle von 50 Prozent zu bleiben, die eine Einbeziehung in die eigene Bilanz regelmäßig erlaubt. Bei einem maßgeblichen Einfluss ist die Konsolidierung aber auch möglich, wenn die Mehrheit verfehlt wird.

Continental wollte zu dem Bericht nicht Stellung nehmen, Schaeffler war zunächst nicht erreichbar.

Mit der Konsolidierung würde Schaeffler die im Sommer 2008 geschlossene Investorenvereinbarung brechen, die von Ex-Kanzler Schröder überwacht wird. Mit der Übernahme der Kontrolle bei Conti könnten die Banken auch eine Klausel geltend machen, die ihnen eine Kündigung der erst Anfang des Jahres geschnürten Kredite an das Unternehmen aus Hannover erlauben würde.

Der seit Monaten schwelende Machtkampf scheint nun weiter zu eskalieren. Wie weit die Schaeffler-Pläne gediehen sind, muß sich jedoch noch zeigen. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert eine mit den Vorgängen vertraute Person mit den Worten: „Es gibt keine Motivation, Conti zu konsolidieren“. Der fränkische Wälzlagerhersteller müsse allerdings prüfen, ob es rechtliche Bedingungen gebe, die eine Konsolidierung nötig machten. Die Investorenvereinbarung von Schaeffler und Conti würde dadurch nicht berührt. Eine weitere Person sagte, von Seiten der Schaeffler-Banken werde derzeit keine Conti-Konsolidierung gefordert.

Die Frage, mit welchem Szenario die Verschuldungsprobleme beider Unternehmen gelöst werden, dürfte letztlich vor allem von der Meinung der Gläubigerbanken abhängen, ohne deren Zustimmung in dem Konflikt kaum eine Entscheidung möglich ist. Doch die Kreditgeber scheinen wenig von den Plänen zu halten.

 „Damit würden sich Vorstand und Aufsichtsrat von Continental persönlich haftbar machen, weil sie damit die Situation der Continental gefährden“, zitiert die „Financial Times Deutschland“ einen Vertreter einer Conti-Bank. Er verwies gegenüber der Zeitung darauf, dass Contis Gläubiger damit wegen einer Kontrollwechselklausel Contis Kredite fällig stellen könnten - was Contis Insolvenz auslösen könnte.

Auch die Kreditgeber der hochverschuldeten Schaeffler-Gruppe halten laut dem Blatt von einer Vollkonsolidierung Contis in der Schaeffler-Bilanz wenig: „Wir streben eher eine Integration von Schaeffler in den Conti-Konzern an als umgekehrt“, so ein hochrangiger Banker.

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