WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

AWD-Gründer Maschmeyers Masche mit den Medien

Was der bekannte Multimillionär Carsten Maschmeyer kann, kann der NDR auch: Die Bilder in der umstrittenen Reportage über den AWD-Gründer sagen mehr als die Worte.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Ex-Bundeskanzler Gerhard Quelle: dpa

Eine Fernsehreportage des NDR wirft Carsten Maschmeyer, dem Gründer und langjährigen Chef des Finanzvertriebs AWD, zweifelhafte Geschäftsmethoden und Günstlingswirtschaft dank bester Kontakte zu Spitzenpolitikern vor. Der wehrt sich – und verstärkt so die Zweifel an seiner Person.

Schon vor der Ausstrahlung der Reportage „Der Drückerkönig und die Politik“ hatte Maschmeyers Anwalt Matthias Prinz alle Intendanten der ARD-Sender angeschrieben. Der Reporter, so sein Vorwurf, habe bei der Recherche die  journalistische Sorgfaltspflicht verletzt. 60 Seiten umfasst Prinz Protestschreiben.  Die ARD ließ sich davon nicht schocken und sendete trotzdem.

Keine Offenbarung

Wie erwartet wurde Carsten Maschmeyer als zwielichtige Gestalt dargestellt, die womöglich mit wenig seriösen Methoden zu großem Reichtum gekommen ist und beste Verbindungen zu Spitzenpolitikern wie Gerhard Schröder, Christian Wulff oder den Namensgebern der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge, Walter Riester und Bert Rürup, unterhält - was dem Verdacht der Günstlingswirtschaft weiter Nahrung geben sollte.

Schließlich hat der Finanzvertrieb mit Riester- und Rürup-Rentenprodukten ein Riesengeschäft gemacht. Und womöglich, so suggierte die Reportage, haben AWD-Berater ihren Kunden bei der Gelegenheit weit riskantere dafür aber provisionsträchtige Produkte verkaufen können. Einen Beweis liefert die Reportage jedoch nicht.

Journalistisch war die Sendung keine Offenbarung. Neue Fakten oder gar Enthüllungen gab es nicht. Weniger die Erkenntnisse der Reporter überraschten, vielmehr waren es die Bilder und die aufgezeichneten, sämtlich gescheiterten Versuche, ein Interview mit Maschmeyer zu bekommen. NDR-Chefreporter Christoph Lütgert geißelte das Schweigen Maschmeyers angesichts „tausender geprellter AWD-Kunden“ als „Zynismus“.

Antworten schuldig geblieben

Warum es tatsächlich nicht zum Interview kam, wissen nur die Beteiligten. Dem Reportageteam um Lütgert zufolge wollte Maschmeyer dem NDR trotz zahlreicher Anfragen über Monate hinweg kein Interview geben. Weil der NDR im vergangenen September sehr kritisch über den Finanzvertrieb AWD und dessen schillernden Gründer berichtet hatte, wäre das auch eine Überraschung gewesen. Von Seiten Maschmeyers heißt es hingegen, es habe keine Interviewanfragen oder Angebote zur Stellungnahme gegeben. Vor allem vermisste der AWD-Gründer laut Medienberichten eine schriftliche Anfrage mit einer Liste von Fragen. Lütgert sagt im Film, er habe diese geschickt, aber dennoch keinen Termin bekommen.

Dann heute – welche Überraschung – ein „Verhör“ der „Bild“-Zeitung mit Carsten Maschmeyer, das er dazu nutzt, die Geschäftsmethoden des AWD zu rechtfertigen.

Offenbar gibt er also doch Interviews. Ob die Fragen dazu lange vorher eingereicht wurden, darf bezweifelt werden. Denn hätte nicht Anwalt Prinz für großen medialen Wirbel gesorgt, hätten sich sicher nicht so viele Zuschauer für die Reportage interessiert. Immerhin 3,86 Millionen Zuschauer haben sich die Sendung über die „schillernde Karriere des Carsten Maschmeyer“ angesehen. Erst damit ist das groß aufgemachte Bild-Interview überhaupt für den täglichen Nachrichtenfluss relevant geworden. Das Interview bietet Maschmeyer somit eine willkommene Gelegenheit, die Wogen zu glätten und sich gegen die Vorwürfe zu wehren.

Das Schweigen in Bildern

Das könnte funktionieren, denn die „Bild“ wird täglich von rund 12,5 Millionen Menschen gelesen. Bei ihnen dürften sie mehrheitlich die die werbewirksamen und imageträchtigen Aufnahmen des AWD-Gründers mit seiner populären Lebensgefährtin Veronica Ferres, Altkanzler Gerhard Schröder und Bundespräsident Christian Wulff in Erinnerung bleiben. Und ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte.

Gut, dass das auch die NDR-Reporter wissen, die wie versprochen eine „pointierte Zusammenschau“ bereits bekannter Sachverhalte und unwiderlegter Vorwürfe gegen den in der Öffentlichkeit betont wohltätigen Multimillionär abgeliefert haben. Schade nur, dass die Zuschauer dafür auf harte Fakten, eine klar dokumentierte Beweisführung und konkrete Zahlen verzichten mussten.

Der NDR hat sich statt dessen Maschmeyers Masche mit den Medien ein Stück weit zu eigen gemacht. So hat das Thema „Der Drückerkönig und die Politik“ durchaus das Zeug zum Serienhit.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%