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Bahn-Chef Grube "Das ist Propaganda"

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Gleise und ein ICE sind bei Quelle: AP

Ist ein Abbruch der Verhandlung möglich?

Wir wollten eigentlich Mitte des Jahres einen Vertrag unterzeichnet haben. Das haben wir nicht geschafft. Sorgfalt und Kostenbewusstsein hat Vorrang vor Schnelligkeit. Warten wir es ab.

Die Fahrgäste hatten schwere Zeiten mit der Bahn erlebt — im Winter wie im Sommer. Der Herbst steht vor der Tür und danach vielleicht wieder ein eisiger Winter. Worauf müssen wir uns einstellen?

Wir leiden weiterhin an der mangelnden Verfügbarkeit unserer ICE-Flotte. Die technischen Probleme haben wir inzwischen deutlich besser im Griff. Wir haben ja schon vor Monaten eine Kunden- und Qualitätsinitiative gestartet. Erste Ergebnisse wollen wir am 23. September in Berlin vorstellen. Das ist ein Prozess, der über viele Jahre angelegt ist.

Womit können Kunden rechnen?

Ein langfristiges Ziel ist es, unsere Fahrgäste besser zu informieren. Die meisten Kunden, die sich beschweren, fühlen sich gerade bei Störfällen nicht ausreichend und schnell genug informiert. Gleichzeitig wollen wir die Ansagen auf den Bahnhöfen straffen: Überflüssige Informationen sollen wegfallen. Auch die englische Sprache in den Zügen soll reduziert und auf Strecken und Bahnhöfe konzentriert werden, wo internationale Gäste unterwegs sind. Außerdem statten wir Bahnhöfe mit Fahrzeitanzeigen aus, denen der Kunde entnehmen kann, wann der Zug einfährt. Aber noch einmal: Das geht nicht über Nacht, sondern braucht seine Zeit.

Erhöhen Sie wie jedes Jahr zu Weihnachten wieder die Preise?

Dazu fällen wir spätestens im Oktober eine Entscheidung. In jedem Fall gehe ich mit Augenmaß an das Thema heran.

Spüren Sie Druck aus der Politik, Netz und Betrieb zu trennen, wie es die FDP will? 

Eine Trennung von Netz und Betrieb wird es mit mir als Vorstandsvorsitzendem der Deutschen Bahn nicht geben. Entscheidend ist, dass Wettbewerber auf der Schiene in Deutschland nicht diskriminiert werden. Das ist nicht der Fall.

Haben Sie einen möglichen Börsengang überhaupt noch im Sinn?

Ich bin nicht der Eigentümer der Deutschen Bahn, sondern nur ihr Angestellter. Ein Börsengang vor 2013 ist aus meiner Sicht überhaupt nicht realistisch. Zurzeit gäbe es gar keine Börsenstory. Es gibt erst einmal viele Baustellen, die wir zunächst in Ordnung bringen müssen: unser Brot-und Butter-Geschäft, die Lösung unserer Probleme mit den Achsen beim ICE und der S-Bahn Berlin.

Wünschen Sie sich manchmal, die Deutsche Bahn wäre schon an der Börse?

Nein. Stellen Sie sich vor, die Mitarbeiter hätten 2008 einen Teil ihrer hart erarbeiteten Sparguthaben angelegt und eine DB-Aktie erworben. Durch die Krise und andere Probleme wäre ihr Wert deutlich gefallen. Was glauben Sie, wie die sich beschwert und wie das unsere Unternehmenskultur beschädigt hätte?  

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