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Bank of Moscow Zoff im russischen Bankenreich

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Aktuelle Aktionärsstrukutr der Bank of Moscow Quelle: Bank of Moscow, eigene Recherchen

Borodins Höhenflug ist Vergangenheit. Seit Ende März lebt er in London. Er hat einen Antrag auf politisches Asyl gestellt, denn die russischen Behörden lassen per internationalem Haftbefehl nach ihm fahnden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, einen nicht besicherten Kredit über 443 Millionen Dollar an die zypriotische Firma namens Prime Estate vergeben zu haben. Dahinter, so die Ermittler, stehe Jelena Baturina, Gattin des Ex-Bürgermeisters Luschkow und damalige Chefin der Moskauer Baufirma Inteko. Das Geld sei letztlich aus dem Stadtbudget entwendet worden, da die Bank der Stadt gehörte.

Wer den Moskauer Klüngel kennt, hält das für plausibel. In der russischen Hauptstadt ist es ein offenes Geheimnis, dass Inteko, die Baufirma der Moskauer First Lady, wohl mithilfe ihres Gatten den Zuschlag für lukrative Bauprojekte bekam. Auch liegt der Verdacht nahe, dass Borodin als Bankier der Stadt, den Luschkow wie einen Sohn behandelt haben soll, in solche Geschäfte verwickelt war.

Exil in London

Ausgerechnet im Fall Prime Estate erhalten die Eheleute Luschkow nun aber überraschend Schützenhilfe. Im Hause VTB heißt es, der Kredit an deren zypriotische Immobilienfirma, hinter der Inteko steht, werde bislang bedient und sei besichert. Auch sein Intimfeind Borodin und ein Vertreter der Firma Inteko betonen dies, wobei Baturina vorigen Dienstag ihr Bauunternehmen verkauft hat.

Zugleich wettert Kostin gegenüber der WirtschaftsWoche lautstark gegen Borodin als Ex-Chef seines neuen Tochterinstituts. "Die Probleme der Bank of Moscow gehen auf die gaunerhaften Praktiken des früheren Managements zurück", sagte er der WirtschaftsWoche. Er habe jedoch "keine Anhaltspunkte, dass Bürgermeister Luschkow oder seine Ehefrau in kriminelle Machenschaften verwickelt waren". Luschkow habe Borodin aber politische Rückendeckung gewährt, was die Verschleierung dieser Machenschaften ermöglicht habe.

Borodin weist alle Vorwürfe entschieden zurück: "Solange ich Chef der Bank of Moscow war, hat es keinerlei Betrug gegeben", sagte er der WirtschaftsWoche. Vielmehr sehe er sich als Opfer einer Hetzkampagne und als neuer Michail Chodorkowski. Der ehemalige russische Ölmagnat war Russlands Ex-Präsident Wladimir Putin politisch zu mächtig geworden und wegen angeblicher Steuervergehen zu einer jahrelangen Haftstrafe verurteilt worden. Allerdings hinkt der Vergleich. Borodin schaffte den Absprung ins Londoner Exil. Zudem gelang es ihm, sein Paket von 19,91 Prozent der Aktien an der Bank of Moscow für 1,1 Milliarden Dollar zu verkaufen.

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