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Bank of Moscow Zoff im russischen Bankenreich

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Unklar ist, ob VTB den 14-Milliarden-Dollar-Kredit der Zentralbank für die Sanierung der Bank of Moscow wirklich benötigt. Ex-Chef Borodin behauptet, dass die Kredite in den Büchern nicht notleidend seien. Er sieht hinter dem Entgegenkommen der Zentralbank einen wirtschaftspolitischen Schachzug des Kremls. Dass VTB die Bank of Moscow schluckte, sei "auf höchster politischer Ebene" entschieden worden. "Die Regierung will die Großbanken unter Kontrolle bringen und scheut die Privatisierung." Deshalb habe es keine Auktion gegeben, darum sei die private Alfa-Gruppe des Oligarchen Michail Fridman nie zum Zuge gekommen.

Den Unschuldsbekundungen Borodins steht allerdings entgegen, dass über die russische Presse Verträge bekannt wurden, die er mit Vertretern von Offshore-Firmen auf Zypern abgeschlossen hat. Aus dem VTB-Umfeld heißt es, Borodin selbst kontrolliere diese Briefkastenfirmen. Beweise dafür gibt es bislang keine. Borodin weist das von sich. Dem Vernehmen nach bereitet die russische Staatsanwaltschaft eine Klage gegen Borodin vor, derzufolge er Kapital in Höhe von über sechs Milliarden Dollar unterschlagen haben soll.

Ungeprüfte Bilanz

Mitschuld an der Affäre um VTB trifft auch die Bankenaufsicht. Falls wirklich faule Kredite im Wert von 14 Milliarden Dollar in den Büchern der Bank of Moscow schlummern, hätten die Wachhunde der Zentralbank dies ebenso sehen müssen wie die zuständigen Wirtschaftsprüfer der belgischen Kanzlei BDO, die in ihren Jahresabschlüssen von 2004 bis 2010 keine schwarzen Löcher nennen. "Der Skandal ist sicher kein Ruhmesblatt für die Aufseher der Zentralbank, die in der Finanzkrise als effizienter Wächter der Stabilität einen guten Job gemacht haben", erklärt UniCredit-Analyst Botaschew.

Kenner in Moskau fragen sich indes auch, warum VTB-Boss Kostin selbst die Bilanz nicht genauer prüfen ließ. Borodin habe eine besondere Form der doppelten Buchführung betrieben, entgegnet Kostin. Ihm wie auch den Prüfern seien brisante Dokumente vorenthalten worden – was Borodin wiederum vehement bestreitet.

Wer auch immer recht hat, zumindest in einer Hinsicht zeichnet sich der Ausgang des Skandals ab. Vermutlich wird am Ende ein neuer Bankenriese in Russland stehen. Vorher muss Kostin Russlands fünftgrößtes Kreditinstitut in die VTB integrieren, die Nummer zwei am Markt. Eine Strategie hat er hierfür noch nicht, wie Kostin in Interviews selbst zugab. "Ein Banker, der ohne eine Strategie eine Bank kauft, ist ein schlechter Banker", ätzt ein Branchenkenner. Doch Kostin will in den Olymp des Moskauer Bankenhimmels, dazu muss er den Brocken verdauen.

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